Youngtimer im Fokus: Ascona C

ascona c

Mit frischem Mut gestartet – man mochte den Ascona C beliebig finden, dennoch schlug er ein – und als Youngtimer kommt er langsam zurecht zu Ehren – seine eingebaute Spießigkeit hilft

Als der heutige Youngtimer Opel Ascona C erschien, teilte er leider ein Schicksal mit dem kleineren Kadett D: Er hatte irgendwie keine richtigen Freunde, ohne, dass eigentlich jemand so recht sagen konnte, warum das so war. Der Ascona C war so etwas wie der vierte Mann auf dem Mond oder dieser mittelblonde Kerl, der in der 6c in Mathe schräg hinter dir saß – irgendwie keine Geschichte wert…

Der Ascona B – dem rannten sie noch hinterher. Den wollten die haben, die aus familienpolitischen Gründen keinen Manta fahren konnten. Heckantrieb, im Verhältnis zum Streber Passat angenehm archaisch, ohne so sinnlos amerikanisch zu sein wie der Ford Taunus. Der Ascona B lag im besten Sinne zwischen den extremen. Die spezifische Qualität des Ascona C war eher…. äh… also….

in die Jahre gekommen und dabei an liebevollen Qualitäten gewonnen: Ascona C

Dennoch: der Ascona C verkaufte sich zeitweilig besser als der Ascona B – und der war immerhin bis dahin der meistverkaufte Opel gewesen. Das Erfolgsgeheimnis war hier sicherlich das Gesamtpackage: Die Ausstattungslinien konnten von schlicht über spießig bis bürgerlich gediegen und sportlich alles abdecken – ebenso die Motoren, wobei in den ersten Jahren der Fokus auf den Brot- und Butter 75PS Maschinen mit 1,3 oder 1,6 Litern lag. Der Ascona war sehr preiswürdig und galt obendrein als zuverlässig, wenn auch ein bisserl langweilig. Der Innenraum war anständig, wenn auch etwas schmächtiger geschnitten als beim Haupt-Konkurrenten VW Passat.

Unverzeihlicher modellpolitischer Fehler: Den Youngtimer Ascona C Voyage gibt es in Deutschland nicht – nur in UK konnte man ihn in Europa kaufen. Fatal

Hinzu kam, dass der Wagen als Stufenheck wie auch als Schrägheck angeboten wurde. Den größten modellpolitischen Fehler leistete sich Opel jedoch mit der Ignoranz des Kombis in dieser Klasse. Der Opel-Logik folgend gab es den Rekord Caravan für die großen Transportaufgaben, den Kadett für handwerklichen Bedarf. Dass der Kombi trendig auf die Freizeitgesellschaft zielte, hätte Opel vielleicht noch ignorieren können – daß der Kombi in der Mittelklasse jedoch zunehmend der Standard im massenträchtiger werdenden Firmenwagen und Pool-Geschäft wurde, vernachlässigte Opel sträflich und ließ in diesem Segment Passat und Sierra immer weiter davon ziehen. Dass Opel satte 2 Modellgenerationen für diesen Schritt brauchte, ist regelrecht beleidigend und hat im Rückblick Arbeitsplätze vernichtet – vollkommen ohne Not. Noch viel sträflicher erscheint jedoch, dass dieser Wagen beispielsweise in England sehr wohl auf dem Markt war – aber das ist vielleicht wieder ein Kapitel für einen weiteren Teil von Youngtimer-Träume….

Eine der Problemzonen des Ascona C Youngtimers…. leider nicht die einzige im Bereich Rost

Wer heute einen Ascona C fährt, merkt darüber hinaus leicht, dass es an der Feinabstimmung beim Frontantrieb mangelte: Die Haltekräfte sind stets zu hoch – der Ascona C wirkte damals und als Youngtimer umso mehr kurvenunwilliger als er im Grunde ist, die Lenkpräzision hält mit dem Klassenstandard nicht mit, was den Ascona in seiner Langstreckentauglichkeit deutlich schwächt – er ist einfach anstrengender, fordert mehr Aufmerksamkeit, was selbst die damals teilweise noch Opel-wohlgesonnenen Zeitschriften schreiben mussten.

Was den Ascona C jedoch als Youngtimer unheimlich attraktiv macht, ist speziell sein Innenleben. Wer heute eines der Modelle vor dem ersten der zwei Facelifts des Ascona C Youngtimers ergattert, am besten noch in der mittleren Ausstattung „Luxus“, der kann sich an teils bizarr wirkendem roten Velours erfreuen, verchromten inneren Türöffnern, schier lächerlichen konservativen Details, die weit älter wirken als der Wagen von außen oder gar ein Passat B2. Das hat schon unheimlich viel Charme.

Ascona C Schrägheck – hat Coupé-Charme

Weniger Charme hat die grundlegende Rostfreudigkeit der ersten Serie [1981-84]. Ähnlich wie beim D-Kadett ist hier wirklich nicht mit viel Freude zu rechnen: Spritzwand, Einstiege, Seitenschweller, Radläufe ohnehin, aber auch an vielen versteckten Stellen wie Federbeinaufnahmen, treibt der Rost sich herum. Leider ist der Ascona C diesbezüglich vor 84 einer der schlechtesten Opel dieser Zeit. Mit dem ersten Facelift wurden hier viele Kleinigkeiten geändert, mit dem zweiten Facelift von 86 nochmals zig Winzigkeiten. Aber auch ein paar sichtbare Fortschritte wurden hier eingeführt, wie etwa die Befestigung der Gurte am Sitz, der die anachronistischen Gurtpeitschen 1986 endlich weichen mussten… keiner trauerte ihnen nach.

Innenausstattungen wie diese geben dem Youngtimer Opel Ascona C die echte Youngtimer-Würze. Einfach chic

Die Motoren sind beste Hausmannskost der Großserie: Alles in allem gut oder besser als der Klassenschnitt, was ihre Haltbarkeit angeht – Auspuff und Wasserpumpe sind hier schon am ehesten Schwachstellen, wenn auch keine großen.

Und natürlich Opel: Du kannst jede Menge anderer Motoren aus dem Modellprogramm in den Ascona C einbauen 😉

Hinzu kommt: vom Ascona C gibt es neben den schlimm verrotzten Gebrauchs-Exemplaren diverse wirklich gepflegte Exemplare – im ländlichen Bereich sind Fahrzeuge aus zweiter Rentner-Hand nicht absurd. Die Preise sind derzeit noch akzeptabel für die Facelifts 2 und 3, während 1 teils absurd gehandelt wird, aber eben auch zweifelsfrei innen irgendwie angenehm angestaubt wirkt.

Ganz klar: Der Wertzuwachs wird beim Ascona C nicht explosionsartig kommen – aber er kommt – und im Moment kann man in Regionen wie dem Westerwald schon für einen Tausender mitspielen – wo gibt’s denn so etwas noch?



7 Gedanken zu „Youngtimer im Fokus: Ascona C

  1. …leider hat opel mit der einstellung von herr LOPEZ definitiv einen klogriff gemacht. durch seine einkaufpolitik ab anfang 80-er jahre,hatte die grundlage für viele qualitäts-, wie auch technische probleme mit den verbauten teilen, der gesamten modellpalette bis mitte 90-er jahre gegeben….ob rost wegen schlechten lacke und geringer versiegelung, einlaufende nockenwellen, fehlerhafte agr ventile und luftmassenmesser, zahnriemenrisse oder die absolute krönung, die in bulgarien zusammengebauten 1.6 motoren… die durch, fahlsche kolbenringe, von einem dubiosen zulieferer viele maschienenschäden erlitten….das hat am opel sehr lange gehaftet, wie auch die zig von dem herrn, beim wechsel zur vw, geklaute kartons mit den unterlagen zur neuentwicklungen des cora b, astra g und vectra b. die bei vw haben sich gefreut als diese auf ihren tisch landeten, das alles hat der marke enorm geschadet.

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