Die Ungeliebten: Youngtimer Renault R5

„Der kleine Freund“ nannten sie ihn in der Werbung. Die Franzosen nannten diesen zweiten R5, der 1985 erschien, selbstbewusst Supercinq und verkauften ihn beispielsweise auch auf einigen Märkten unter Abwandlungen dieses Namens. Im deutschen Volksmund wurde der kleine Freund später gerne verspottet als „Der Kleine Freund der Werkstatt“ und ähnliche uncharmante Spötteleien.

„Ungeliebter“ mit Profil. Der Renault R5 hatte zweifelsfrei Charakter und starke Gesichtszüge, die ihn bis heute zu einem individuellen Wagen machen lassen, der sich klar vom Einheitsbrei abhebt

In seinem Falle muss man leider sagen: Zurecht. Der R5 gehörte Zeit seines Lebens zu den eher unzuverlässigen Autos, auch wenn sich zu diesem Thema natürlich immer an irgend einem Stammtisch dieser Erde Leute finden, die mal einen kannten, dessen Freund einen R5 hatte, der ohne Macken 260.000… Die Zahlen sprachen eine andere Sprache: Gebrauchtwagengarantie-Versicherer hassten den kleinen Kerl, der ADAC kannte ihn leider zu gut – viele der typischen R5-Defekte sind „Liegenbleiber“-Defekte.

Der R5 hatte Zeit seines Lebens schlimme Probleme mit Thermoschaltern, Kraftstoffpumpen, Vergasern, Lichtmaschinen und Zündkontakten. Da kann die Fehlersuche im Regen auf einer vielbefahrenen Autobahn schon mal zu Kurzschlusshandlungen führen… Schrott auch: Lengelenke und Antriebswellen. Der R5 dürfte den traurigen Rekord halten, hier noch schlimmer zu sein als der erste Polo. reißende Kupplungsseile können geübte R5 Fahrer schon Tage vorher akustisch diagnostizieren. Das gilt leider nicht für den Öffnungsmechanismus der Motorhaube, der auch gerne in unpassenden Momenten den Geist aufgibt…

leider öfter zu sehen….

Aus gutem Grund also vertrautem dem Wagen viele seiner Besitzer nicht besonders, was den Zyklus des Ungeliebten heftig beschleunigte, da die Preise sanken und der Wagen schnell in Hände von Leuten geriet, die ihm nicht mehr gönnten als das, was der TÜV verlangt plus Benzin. Das sieht man beispielsweise an den zahlreichen unnötig böse verrosteten Exemplaren.

Der Abstieg ging daher in vielerlei Hinsicht recht schnell vonstatten, was schade ist – ähnlich wie der R25 war der R5 der zweiten Generation konzeptionell nämlich kein schlechtes Auto. Der Wagen erscheint innen sehr luftig und fühlt sich weit größer an als ein Polo oder Fiesta aus dieser Zeit. Hierzu trägt sicherlich das geschwungene offene Armaturenbrett bei, das es in ähnlicher Form auch im großen Bruder gab. Renault bediente so ziemlich das gesamte Spektrum auf dieser Klaviatur: 3Türer, 5Türer, Sportversionen, sogar ein eher seltenes Cabrio.

Kantige, ehrliche, dekorative und ebenso einfache Form mit erfreulich viel Platz im Innenraum

Der Wagen verfügt auch nach heutigen Maßstäben über einen durchaus respektablen Platz im Innenraum – was Renault jedoch dazu bewog, Modelle ohne Handschuhfach auszuliefern, wissen allein die Götter. Ebenso nervig damals wie heute: Die Sitze sind zwar extravagant geformt und sehen cool aus, sind aber zu weich und lassen sich darüber hinaus nur sehr grobrastig verstellen – viele Leute finden auch nach Jahren keine wirklich passende Sitzposition im Youngtimer Renault 5.

Hat man eine gescheite Position gefunden, macht der R5 jedoch allemal wirklich Spass – vor allem, wenn er eine gescheite Motorisierung mitbrachte. Speziell die 1.7er Maschinen sind auch mit Kat sehr spritzig und zudem gut übersetzt, was sie überproportional flüssig mitschwimmen lässt. Allerdings muss man sich vorher auch bei den sportlichen Modellen an die leicht bizarre Seitenneigung in Kurven gewöhnen. Die ist zwar beim 2. R5 ganz entschieden entschärft im Vergleich zum Original – dennoch scheint der Wagen zu Beginn beileibe nicht die Kurvengeschwindigkeiten zu erlauben, die sein Fahrwerk zulässt. Geübte R5 Fahrer nutzen das, um ihre Mitfahrer in Herzinfarktnähe zu treiben. Die Tatsache, dass dazu in engen Kurven auch mal das innere Antriebsrad durchschlüpft, verleiht dem R5 Youngtimer eine zusätzliche dramaturgische Besonderheit.

Der Innenraum war irgendwie deutlich cooler als der Durchschnitt der „Ungeliebten“ in dieser Klasse

Aber wer bewegt den kleinen Freund als Youngtimer so unangemessen?

Erfreulich ist, dass der R5, gebaut von 1985 bis 1992, immer noch recht häufig vorhanden ist, was manchen Teutonen überraschen mag – aber der Wagen hatte schon recht früh ein gewisses Fan-Publikum, das Renault auch beispielsweise durch eine eigene Rennserie anfeuerte. So findet man heute auch eher die etwas sportlicheren Versionen als Youngtimer als die langweiligen Alltags-R5.

Die Preise sind extrem Zustands-Abhängig, aber es sind noch Schnäppchen unter 1000€ möglich, wenn der Schnitt auch höher liegt. Top Sport Exemplare gehen weit über 6.000.

Fazit: Den Renault R5 als Youngtimer zu fahren, macht im Alltag  immer noch viel Spaß und ist finanzierbar, jedoch nichts für Einsteiger, die nicht auch mal selbst auf die Fehlersuche gehen können.



4 Gedanken zu „Die Ungeliebten: Youngtimer Renault R5

  1. Netter Artikel über den R5, wenn auch inhaltlich im Detail nicht ganz korrekt… Richtig ist in der Tat, dass der R5 Zeit seines Lebens negativ in den Pannenstatistiken auftauchte. Das liegt aber nicht daran, dass „Der kleine Freund“ ein technisch schlechtes Auto ist, sondern dies lag überwiegend an der mangelnden Wartung und Pflege der Besitzer. Der R5 war ein günstiger und sparsamer Kleinwagen – wurde häufig als Zweitwagen oder preisgünstiger Erstwagen gekauft – und musste noch günstiger laufen. So wurde einfach damit gefahren, Pflege und Wartung beschränkten sich in der Regel aber auf das Nötigste.

    Dies wird deutlich an den beschriebenen Mängeln: abgebrannte Zünkontakte, schlecht eingestellte Vergaser oder ausgeschlangene Lenkgelenke sind schlicht und einfach Resultate mangelnder Pflege. Defekte Thermoschalter – und in der Folge durchgebrannte Zylinderkopfdichtungen – Ölundichtigkeiten und defekte Lichtmaschinen-Regler sowie gerissene Manschetten bzw. vereinzelt ausgeschlagene Antriebswellen sind dagegen wirkliche Mängel des Supercinq – und die konnten in der Tat nerven. Alles in allem jedoch keine gravierenden Mängel – da haben andere Autos deutlich Schlimmeres zu bieten. Motoren und Getrieben des R5 wird das ewige Leben nachgesagt, sofern sie ein Mindestmaß an Pflege und Wartung bekommen. Überhaupt sind die Mechanik und die Karosserie des Super 5 von Grund auf robust. Rost ist allenfalls an Schwellerfalzen ein Thema. Ansonsten ist der Super 5 bestens korrosionsgeschützt (das Rostproblem betraf die Serie 1 – und hier schlug der Gilb leider äußerst heftig zu).

    In unserer Familie liefen und laufen bis heute 5 verschiedene RENAULT 5 – dreimal Serie 1 (Bj. 1976, 1981, 1982) und zweimal Super 5 (Bj. 1986 und 1989) – und ich kann speziell für „Den kleinen Freund“ die Aussage unzuverlässiges Auto in keinster Weise teilen. Der Super 5 war eines der besten und zuverlässigsten Autos, die ich je gefahren habe.

    Zur Kritik an der Ausstattung: Ohne Handschuhfach waren nur die Basismodelle – z. B. Campus mit dem einfachen Armaturenbrett aus dem Lieferwagen-Ableger Rapid – anzutreffen. Auch war das in dieser Klasse nichts Besonderes – speziell der Polo 86C/2F hatte dies als Fox bis in die 90er Jahre (und auch sonsten keinerlei Ausstattung zu bieten, noch nicht mal Automatik-Sicherheitsgurte hinten…).

    Überhaupt konnten andere Kleinwagenfahrer von der Ausstattung des R5 nur träumen:

    Servolenkung, Klimaanlage, fernbedienbare Zentralverriegelung, Ölstandsanzeige im Cockpit, elektr. Fensterheber, Lederausstattung etc. – diesen Luxus gab es bei VW, Opel und Co. in dieser Klasse zu dieser Zeit nicht für Geld und gute Worte.

    „Der kleine Freund“ war in der Kleinwagenklasse hier seiner Zeit voraus, bot – wie im Artikel beschrieben – ein exzellentes Platzangebot und Raumgefühl, einen hohen Fahrkomfort und eine gute Ausstattung. Der R5 versprühte jeher einen Charme, den viele Mitbewerber nicht zu bieten hatten. Leider half ihm das bei einer großen Zahl seiner – vorwiegend weiblichen Besitzer – auch nicht, die nötige Pflege und Zuwendung zu erfahren. Dies rächte sich irgendwann – mit den im Artikel beschriebenen Folgen.

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