Große Nippon-Happen I: Mazda 929 Youngtimer

Fällt nicht unbedingt auf, ist aber durchaus repräsentativ

Große japanische Limousinen hatten und haben es in Deutschland nie leicht. Erst die Legende von Lexus, Infiniti und Acura musste außerhalb japanischer Grenzen gezüchtet werden, um daran generell etwas zu ändern. Mazda hat diesen Premium-Joker nie gezückt, [Xedos zählt da wohl nicht recht] dennoch hatten sie einmal auch in Deutschland eine Limousine in der gehobenen Mittelklasse: den Mazda 929. In den frühen 80ern spielte dieser sogar mal einen gewisse Rolle auf dem Deutschen Markt – und auch das Coupe hatte einige Fans, wie damals die gesamte Mazda-Modellpalette noch von deutlich mehr Erfolg gekrönt war, allem voran die Mittelklasse 626.

Das Modell ab 1987 hingegen markierte hier bereits das Ende einer Erfolgsgeschichte. Dabei hatte Mazda vordergründig einiges richtig gemacht. Das wirklich schrille US-Cockpit, das das Vorgängermodell noch hatte, war endlich Geschichte, der Wagen wies mit 4,89 ein stattliche Außenlänge auf, die nur noch wenige Zentimeter unter einer W126er S-Klasse lag. Das zeugte schon von einem gewissen Mut zur Stattlichkeit – und wer wollte, konnte sogar zu einem standesgemäßen 3.0 V6 greifen, der es immerhin auf 190PS brachte. Auch das, nicht zu vergessen, ragte 1987 schon deutlich ins S-Klasse Niveau hinein. Preislich hingegen lag der Mazda unterhalb eines 190ers, vor allem dann, wenn man das Ausstattungsniveau mit in die Rechnung einbezog. Vermutlich auch dies einer der Gründe, warum der Deutsche den Wagen suspekt fand: Was nix kost, kann nix!

Da gibt der Teutone ja gerne mal weit mehr für weit weniger aus….
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So war der 1987 vollmundig vorgestellte Mazda 929 leider auch der letzte 929 für viele Märkte, was ihn im Youngtimersegment heute noch etwas wertvoller erscheinen lässt, jedoch auch ziemlich rar macht.

Speziell innen merkt man dem 929 sein Alter heute an – da spürt man einfach die japanische Handschrift der späten 80er in jedem Winkel – schwülstig veloursüberschüttete Sitze, Holzimitate und diese eigenartigen Kunststoffe, die nur Japaner verwendet haben. Und im 929 von all dem reichlich.

Ja…. so bekommen das wirklich nur Japaner hin. Der Innenraum des letzten Mazda 929 ist gigantisch – und trieft vor pathetischen Verloursbezügen und komischfarbenen Kunststoffen sowie Fake-Holz. So muss ein Japan-Youngtimer sein! ;->

Wer im Mazda Platz nimmt, ahnt daher auch schnell, warum dem Wagen hier kein übermäßiger Erfolg beschert war: er wirkt irgendwie deplaziert, könnte auch ein Ami sein. Hier hatte Mazda einfach nicht ausreichend europäisiert. Vom Fahrwerk kann man das nicht unbedingt sagen – das war schon deutlich teutonischer als das des Vorgängers. Wobei man sich auch hier mal wieder fragt, warum Mazda das Wort POWER STEERING so ernst nehmen musste. Die Lenkung ist schier lächerlich leichtgängig und vermittelt dadurch keinerlei erkennbares Gefühl für Fahrbahn, Beschaffenheit, Untersteuerneigung, ähnliches. So fährt man den Mazda ganz natürlich weit unterhalb seiner Möglichkeiten, weil es sich einfach so anfühlt, als sei das eine gute Idee, obwohl das Fahrwerk weit mehr könnte.

Aber was soll’s: zum komfortbetonten Gesamtcharakter des Wagens passt das alles in allem. Zu dem passt auch der V6 mit anständigen 3 Litern, auch, wenn man von diesem Motor im Innenraum im Grunde nichts zu hören bekommt. Dazu muss man schon wirklich fest aufs Gas steigen – was man, wie gesagt, eigentlich nie tut. Dennoch hält auch zurückhaltende Fahrweise den Mazda nicht davon ab, 13 Liter zu verbrauchen, gerne auch mehr. Selbst die kleineren Motoren sind da nicht viel besser.

Notfalls auch mal cool: Mazda 929 Youngtimer Cruiser

Typische Mängel des Mazda sind heute schwer auszumachen, da es bei der geringen Auswahl kaum typische Fahrzeuge gibt. Tüv und Dekra haben den Wagen in ihren Reporten stets ignoriert, da er einfach zu selten war. Das ging schon seinem barocken VorVorgänger immer so. Auffällig ist, dass er, wie auch seine kleineren Markenbrüder an den üblichen Ecken und kanten zu Rost neigt, etwas mehr vielleicht als damalige Teutonen, aber nicht dramatisch.

kulissisch: Easy Rider on a last Ride – Mazda 929 als selbstverständlicher US-Background

schwerer wiegt die Tatsache, dass die Ersatzteilversorgung für den großen Mazda-Youngtimer nicht gerade brillant ist und speziell Teile wie Scheibenwischermotoren oder ähnliche Dinge, die man nicht so oft braucht, bisweilen obszöne Wartezeiten haben. Da kann der Wagen nichts dafür, nerven tut es seine Besitzer dennoch.

Alles andere gilt beim Mazda als weitgehend problemfrei – speziell die verbauten Motoren. Mögen sie auch Säufer sein – robust sind sie allemal.

…wird irgendwann einen ausreichend romantischen Touch aufweisen – kurz, bevor ihm der Xedos den Rang abläuft

Der Mazda 929 mag ein Langweiler zu seinen Zeiten gewesen sein – aber ein sympathischer Youngtimer ist er mit der Reife des alters dennoch geworden. Und sicher war auch der W124 in gewisser Weise ein Langweiler für Spießer. Den Rang ablaufen wird dem Mazda 929 jedoch sehr bald der Xedos – der hatte einfach mehr formellen Charme… Dem Mazda bleibt seine Limousinen-Klasse, die Mazda anschließend so nicht mehr fertigte. Ein großes Auto in vielerlei Hinsicht.



3 Gedanken zu „Große Nippon-Happen I: Mazda 929 Youngtimer

  1. Fünf Jahre später hat sich kaum was verändert: Niemand bemerkt das Auto, niemand will es haben.
    Und “obszöne Wartezeiten” ist gut: gemeint ist wahrscheinlich bis zum Ende der Universums. Wenn man in ein Mazda-Autohaus reinspaziert und alle Ersatzteile für ein 929 kaufen möchte, die bestellbar wären, spaziert man eine Woche später mit zwei Schrauben in der Hand wieder raus: eine etwas längere und eine kürzere. (fragen Sie mich, woher ich das weiss!).
    Allerdings liefert die Suche nach dem Wort “Heckantrieb” in Ihrem Essay auch genau Null Ergebnisse. Deswegen: Heckantrieb, Heckantrieb, Heckantrieb!
    Das mit den 13 Litern kann ich allerdings nicht bestätigen; das mit der Lenkung schon. Man kriegt auf jeden Fall Angst, bevor man den 13l/100km-Bereich erreicht und schaltet dann doch hoch – die Lenkung wird ja immer leichtgängiger bei hohen Drehzahlen, trotz angeblicher Geschwindigkeitsabhängigkeit der Servo-Unterstützung.

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