Opel – die Youngtimer Jahre: The long way down

Es ist schon irgendwie traurig: mein damals designierter Schwiegervater hat den Opel-Untergang bereits Ende der 80er vorausgesagt – und sogar mit den richtigen Gründen.

Die Frage war damals schon schwelend vorhanden: Wer braucht Opel eigentlich? Wenn man einfach irgendwo in der Mitte herum hängt und sich nicht auf ein Profil besinnt, dann muss man sich am Ende des Tages nicht wundern, wenn einen die Chinesen kaufen. Das wiederum hätte mein damals designierter Schwiegervater keinesfalls geahnt – wer war denn China damals….?

Opel Youngtimer: Es fing alles ziemlich gut an

In den 60ern war Opel mal cool. Die heutigen Opel Youngtimer und Oldtimer galten als zuverlässig, Fahrzeuge wie der Opel Kadett B als die Aufsteigerfahrzeuge der vermieften Käfer-Generation – und ein Olympia oder ein Rekord….! Das war schon etwas, als man noch einen Hut aufzog, wenn man das Haus verließ.

Konnte sogar schon Kombi, als der Käfer nicht mal vier Türen konnte: Opel Kadett B [1965-1973

In den 60ern und 70ern – da baute Opel sogar noch Oberklasse in Form von kapitalen Schlachtschiffen wie dem Diplomat, Kapitän und Admiral, die zum Teil mithilfe unvorstellbarer 5.4Liter V8 Maschinen aus US-Produktion befeuert wurden. Wer würde Opel heute noch so ein echtes Oberklasse-Auto abkaufen? Wohl keiner so schnell… Opel muss sich heute ein bis 2 Klassen darunter schon Sorgen machen. Also was ist passiert? Zunächst einmal gilt: Wenn jemand an der ganzen Misere nicht schuld ist, dann ist es sicherlich Opel.

Schaut man sich beispielsweise mal tatsächlich die Opel-Oberklasse der 70er Jahre an, so sieht man da ein Auto, was aus heutiger Sicht zwar irgendwie verflucht Macho-cool aussieht, aber technisch geradezu beleidigend profan gestrickt war. Mutter General Motors wollte hier noch schnell vom Wirtschaftswunder profitieren und schickte ein Opel-gebatchtes US-Modell auf den Deutschen Markt – schnell jedoch begriffen die Deutschen, dass das nicht der Weißheit letzter Schluss war – der Wagen soff zuviel und brachte nicht die lässigen Fahrleistungen, die mit Deutscher Ingenieurskunst von Mercedes Benz in einer S-Klasse vollbracht wurden.

Opel Youngtimer - dekorativ

War leider nur aus der Ferne so richtig staatsmännisch: Opel Diplomat mit dickem US-Unterbau. Im Innenraum war er deutlich weniger Premium

Im nächsten Schritt strich die Konzernmutter die erfolglose große Plattform den Kollegen in Rüsselsheim, die nun auf Basis zweier aufgehübschter Rekord in der Oberklasse mitspielen mussten – und man ahnt es schon… Die heutigen Opel Youngtimer Senator und Commodore konnten da nicht wirklich landen, obwohl sie pauschal keine üblen Autos waren…

Am Anderen Ende der Skala gab es ebenfalls Probleme in dieser Zeit. Nachdem VW lange Zeit kein ernsthafter Gegner mehr zu sein schien und Ende der 60er auf dem Zahnfleisch ging, drehte sich mit erscheinen der Frontantriebsplattformen plötzlich der Wind. während 1973 der Kadett B durch den heckgetriebenen Kadett C ersetzt wurde, der wahrlich kein Wunder an Innenraumgröße war, platzte in Wolfsburg ein Jahr später der gordische Käfer-Knoten und der Kompakte Golf I Typ17 trat auf die Bühne – wo er sofort zum Star wurde. Bereits 6 Jahre nach Erscheinen des C-Kadett musste Opel nachlegen und hatte hektisch den Golf kopiert: Kadett D, der erste frontgetriebene Opel erschien. Damit war Opel sogar schnell als Ford gewesen, die bis 1981 brauchten, um das Konzept Frontantrieb und Kompaktkarosserie zu kopieren. 1981 folge der Opel Ascona C dem Passat-Layout, 1982 wurde im spanischen Opel Werk Saragossa der Opel-Polo unter dem Namen Corsa A aufgelegt – allerdings ein knappes Jahrzehnt nach der Kleinwagen-Konkurrenz der Mitbewerber.

Opel Youngtimer Kadett

Golf I mit Opel-Logo….

Es sah also eigentlich gar nicht so schlecht aus für Opel, oder?

Oder?

Ja, wenn das Wörtlein wenn nicht wär… einhergehend mit den neuen Modellen zogen Qualitätsprobleme bei Opel ein, gepaart mit Sparen an der falschen Stelle. Später sollte der Name José Ignacio López de Arriortúa das Synonym für die Krise der Qualität werden. Aber Fachleute sahen schon beim heute fast ausgestorbenen Opel Youngtimer Kadett D schwarz: Er stellte sich als schlimmer Roster heraus. Dann kamen Mitte der Achtziger die ersten Stimme zur Lackqualität von Opel heraus – Kadett E und Omega A wurden schließlich zum qualitativen Desaster für Opel.

Leider muss man hier sagen: Nur zum Teil zurecht. Beide Autos waren keine Qualitätswunder und auch der erste Corsa war das nicht – aber das eigentlich Qualitätsproblem dieser Tage war die frisch am Markt erschienene AutoBild. Die schossen sich als vermeintlicher Anwalt der Kunden auf Qualitätsprobleme bei Opel ein – das machte Auflage bei dem neu erschienen Billig-Blatt. So wurden die heutigen Opel Youngtimer zu Lebzeiten immer mehr in Grund und Boden geschrieben.

Schimmelte vielzu schnell auf den Hinterhöfen der Opel-Händler vor sich hin… Ascona C, Youngtimer mit viel zu wenig Potential

Als die Qualität sich bereits nachweislich erholt hatte, José Ignacio López längst gefeuert wurde, wollte dann aber auch keiner mehr so recht aufstehen, um zu sagen: Schaut her, die haben sich qualitativ wieder aufgerappelt.

Es hätte aber vermutlich auch keiner richtig zugehört – ausser den stark emotionalen Opel-Fans, die es glücklicherweise gab. Ohne die hätte Opel vielleicht schon früher die Segel streichen müssen.

Opel Youngtimer – Tuning gehoert dazu

Die Tuning-Gemeinde rund um Manta B und Ascona B hielten die Treue – auch in den Qualitativ schweren Tagen. Leider belohnte Opel das nicht in der gewünschten Weise. Vielmehr bestraften sie die Fans mit langweiligen Autos wie dem Vectra A, der kaum eine spezifische Qualität aufzuweisen hatte, die ihn von der Konkurrenz unterschied. Der Passat begann nach höherem zu streben, Ford konzentrierte sich mit Mondeo und Focus auf Sportlichkeit – und das gründlich und gut, womit sie wieder einen Platz fanden. Ebenso stand Ford für „Viel Auto fürs Geld“ und eroberte die Familien wieder zurück, während Opel auf den qualitativ müden Astra F den optisch müden Astra G folgen ließ und die treuen Omas durch schlechte Automatikgetriebe verprellte und, gesteuert von der US-Mutter – den Diesel Zug beinahe verschlief…

Der Rekord E war noch cool – dann ging es wirklich bergab – der hatte sogar den Mega-Hebel aus dem Benz!

Während die Opel Youngtimer der 80er zum Teil noch richtig coole Autos mit starken eigenen Charakter sind, verlor Opel Ende des Jahrtausends immer mehr an Boden. Und die Marketing-Story stimmte einfach nicht mehr – man gab den Kunden keine gescheite Antwort mehr mit auf den Weg auf die Frage „Warum hast Du dir denn einen Opel gekauft?“. Im Bürgerlichen Lager war Ford sportlicher und größer geworden, VW luxuriöser und qualitativ im besseren Ruf – Günstig war keine Lücke, da die bereits aus Japan und Korea beantwortet wurde – und plötzlich saß man in Bochum und Rüsselsheim auf einem Haufen Marketing-Schrott…

Objektiv ist Opels langer Weg in den Abgrund ein hausgemachtes Problem, bei dem alle strategischen Optionen immer wieder von der Mutter mit Füßen getreten wurden, um den profitablen Deutschen Hersteller zu melken und seine Innovationen im Konzern zu behalten, während die Opel Youngtimer Generation gute Gene hatte.

Heute ist Opel in dieser Klasse längst nicht mehr vertreten – mit dem Como Youngtimer ging noch was…

Heute steht Opel leicht unprofiliert im Nichts. Dass die Qualität längst wieder Top ist, ist bewiesen – interessiert aber nicht mehr. Opel hat sich abgeschafft. Dabei hätte der Weg ein anderer sein können. Hätte Opel an seinem Markenbild in der heutigen Youngtimer-Phase konsequent gearbeitet – wie etwa kürzlich dargestellt bei Audi – dann hätte es breite strategische Marktlücken gegeben, die man hätte besetzen können.

Opel hätte einen coolen eigenen Oberklasse-Wagen auf die Räder stellen können, hätte an Qualität arbeiten können, hätte aus dem Potential der coolen Kombis etwas machen können, bei denen sie weit voraus waren. Sportlichkeit hätte man ernsthaft besetzen können – die Fans wollten es…

Ein Haufen verpasster Chancen pflastert statt dessen heute den Weg einer Marke, die nun vielleicht mal nach China gehen soll.

Gut, dass mein damals designierter Schwiegervater das nicht mehr erleben muss…




13 Gedanken zu „Opel – die Youngtimer Jahre: The long way down

  1. Tja die deutschen raffen es nicht,wo bleibt MADE IN GERMANY,Opel mit seinen Kollegen Mercedes und BMW sind schlecht geworden,VW und Audi haben gelernt,schauen auf das was Kunden möchten,übersichtlichkeit ist nicht mehr gegeben,früher hatte man auf den Käfer geschimpft der unübersichtlich war und baute dementsprechende Karossen wo man Anfang Ende und die Seiten klar wusste

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