Youngtimer Volvo 240 / 260: Luft raus?

Das waren noch Zeiten

Es ist schon irgendwie erstaunlich: Volvo war in der beginnenden Youngtimer-Szene der 80er Jahre neben Mercedes und Saab immer ganz weit vorne mit dabei. Ein Strichacht oder einen 140er Volvo, das war eine durchaus relevante Entscheidung.

Schauen wir jetzt in unsere Statistiken, die natürlich immer nur einen Teilausschnitt bilden, sehen wir den Volvo 240 zwar mitschwimmen, aber nie so recht im Fokus des Intereses – während etwa der Saab 900 immer noch gut dabei ist, von allen Benzen und dem E34 von BMW, der in derselben Klasse spielt, mal gar nicht zu reden.

Jetzt könnte man sagen: „Hey, die Leute sind wohl alle zum „Nachfolgemodell“, dem 760er oder meinetwegen auch dem Volvo 850 abgewandert – aber weit gefehlt. Beide haben mal hier und da ihre Peaks, aber große Zahlen erreichen sie eigentlich auch nicht durchgängig.

Das Suchvolumen spricht eine klare Sprache

Wirft man hier mal wieder einen Blick auf das, was bei Google gesucht wird, so stellt man tatsächlich fest, dass das Suchvolumen zum Thema Vovlo 240 sich in den letzten 5 Jahren halbiert hat, während andere konstant sind oder gar wachsen. Das alleine sagt ja noch nichts – vergleicht man aber die Suchvolumina der 5 Premiummarken zum Keyword „Youngtimer“, so zeigt sich tatsächlich, dass Volvo und Saab hier auf einmal keine echte rolle mehr spielen, während die älteren sich noch an Ausgaben der Oldtimer-Markt erinnern, in denen der Kleinanzeigenteil zu Volvo gigantisch war.

Wie kann das sein? Spurensuche…

Wir sprechen mit 2 ehemaligen 240er Fahrern, die in Clubs organisiert waren und heute sagen: „Bei Volvo ist echt die Luft raus – aber das hat nicht so viel mit Volvo zu tun. Schweden und diese ganze Geisteshaltung ist irgendwie weg. Klar gehen die Leute noch zu Ikea – aber die gehen auch zu McDonalds ohne die USA cool zu finden.“

Stand für einen speziellen Lifestyle-Charme: Volvo in den 70ern – wer mit diesem Image aufgewachsen ist, tut sich heute schwer, sich mit Volvo zu assoziieren

Eine andere Meinung hören wir aus einem hessischen Volvo-Club, der signifikant Mitglieder verloren hat. „Die Szene, die Du in den 80er und 90er Jahren hattest bezüglich Volvo Youngtimern stirbt. Der Amazon war cool, der Buckel Kult, der 240er war irgendwann irgendwo zwischen arrogant und mainstremig – irgendwie haben die Nachfolgemodelle da nie recht nachgezogen.“

Woran das aber liegen mag, da zucken alle drei mit den Schultern. Einen Handfesten Grund schließlich hören wir von einem 29jährigen Fan aus Münster: „die Dinger waren einfach irgendwann so überbewertet, dass es nicht mehr ging. 500.000 auf der Uhr und Rost rechtfertigen einfach keine 4000€ – auch nicht für den Kombi. Und eigentlich,“ ergänzt er, „ist der 240 eher was für ältere – vielleicht altern die Youngtimer einfach mit ihren typischen Besitzern – in meinem Alter schauen die Leute auf ganz andere Autos – Volvo 240 kann ja jeder. Lieber einen schrulligen Scorpio oder einen raren Japaner. Schließlich willst Du doch einen Youngtimer auch deshalb, weil Du keinen Golf haben willst, sondern etwas Individuelles.“

Da war noch alles klar

Tatsächlich sehen auch wir das im Vergleich. Über Jahre war der Volvo 240 in unseren alten Foren und unseren Websites weit vorne – jetzt raucht da kein Server mehr – das tut er dann mal lieber bei einem Renault 25 oder Lexus LS, die schon zu Lebzeiten nicht an jeder Strassenecke standen.

Hinzu kommt ausserdem, so Tim [28] aus Kiel, Besitzer eines Volvo 245 GLT und eines restaurationsbedürftigen 164ers: „Die Volvo Szene war immer auch eine Club-Szene. Ich hab keine Lust auf einen Club und das ganze drumherum mit Kassenwart entlasten und den ganzen Blödsinn! Das können meine Eltern machen. Ich freu mich auch, wenn mich jemand auf meinen Wagen anspricht und ich mach auch mal eine Ausfahrt mit; das ist schon sehr geil von ganz vielen Gleichgesinnten umgeben zu sein – aber der ganze Rest entspricht einfach nicht mehr meinem Lebensstil.
Hinzu kommt die Arroganz der Volvo-Clubs – 850er? Du kommst hier nicht rein…“

Keinen Bock mehr auf Vereinsmeierei und Entlastung des Kassenwartes? Klar: die Szene verändert sich

Liegt das Problem also eventuell gar nicht im Auto oder der Volvo-Szene begraben, sondern einfach in einer geänderten Geisteshaltung beim Youngtimer-Fahrer? Im Falle Volvo ist es vielleicht tatsächlich ein bisschen von beiden. Volvo stand immer auch für ein bisschen Nonkonformität und ähnliche Qualitäten, die heute in der DNA der Marke praktisch nicht mehr vorkommen. Man mag den neuen V60 mögen – aber unterscheidet der sich vom A4 oder dem 3er BMW noch so richtig?

Zunächst wurde Volvo von hier nach da geschubst, zu neuen Besitzern geschoben – und vielleicht färbt das so langsam ab, denn in jedem Marketing-Handbuch lernt man doch auf Seite 3, dass man einen USP, also etwas, dass einen von allen anderen unterscheidet, haben soll – welcher ist das eigentlich bei Volvo?