Youngtimer – Oder: was es früher alles nicht gab und warum das wurscht ist

Eine Youngtimer-Kaufberatung muss eigentlich immer mit der Frage nach Verzicht anfangen: Was hatten Autos zwischen 1980 und 1990 nicht, was man heute vielleicht als

Golf Typ 19 GTI Youngtimer

Klares, einfaches Design, 900 Kilo, kein Airbag, kein Tinneff

Selbstverständlich empfinden mag?

Stossen wir mal in die Mitte: 1985. Die bestverkauften Autos der Zeit waren der Golf II in der kleinen Klasse, der Passat eine Klasse drüber und der W124.

Keines dieser Autos mutet heute absurd alt an – der heutige Youngtimer Golf II wurde bis 1992 verkauft, der Passat nicht mehr arg lange, der W124 dafür bis 1996 [zumindest als T-Modell] – und das ist ja eigentlich noch gar nicht so lange her].

Aber was haben die Wagen der Klasse heute, worauf Du verzichten musst?

Sicherheitstechnologien haben in der Zeit zweifelsfrei die größten Fortschritte gemacht:

  • ABS war extrem unüblich, obwohl es tatsächlich bereits entwickelt war. Jedoch: 1985 führte Ford den Scorpio ein und der hatte es serienmäßig – wie immer zogen die anderen nach.. Im Passat jedoch? Keine Chance. Im Golf? Hier waren viele Käufer ja schon froh, Scheibenbremsen zu haben. Und da, wo es die Features gab, wurden sie nur selten geordert.
  • ESP? Totale Fehlanzeige – kam erst in den frühen 90ern in großen Autos zum Zug und wäre wohl ohne die A-Klasse nicht so schnell zur Massenware geworden.
  • Airbags? Theoretisch ja – praktisch… eher unüblich. Mercedes punktete mit der genialen Kampagne zum Beifahrerairbag – heute hat praktisch jedes Gelenk einen eigenen Airbag [was die Macher von der nackten Kanone bereits ahnten….] [youtube http://www.youtube.com/watch?v=ANihfOkeolA&w=640&h=390]

Youngtimer-Komfort? Definitionssache

Im Komfortbereich waren die Fahrzeuge der Nachkriegszeit noch recht ähnlich:

  • Fenster kurbelte man selbst runter – ja, mit Muskelkraft
  • Elektrische Aussenspiegel? Luxusklasse
  • CD-Player… Die CD kam wenige Tage später – die meisten haben natürlich nachgerüstet – kein Mensch weiß heute mehr, was für eine harte Arbeit Tapes mischen war….!
  • Klimaanlagen… die kamen so langsam, aber wirklich langsam in Mode – wobei sie eigentlich keiner brauchte, weil die Scheiben noch nicht so flach standen
  • Servolenkungen – die gab es, die waren beim W124 an Board, beim Passat nur gegen Geld, beim Golf auch – und weil der serienmäßig auf 155er Reifen daher kam, orderten die nur rüstige Omis die Servolenkung [und Automatik und das Carat-Paket!]

Simple and Straight: Passat Kombi Youngtimer aus dem Jahr 1982 – Auch hier: die dürren Säulen gewähren brillante Rundumsicht

Welche der ganzen Features vermisst man heute am meisten? ABS ist schon wirklich schön – und jeder, der es mal benutzen musste, erkennt den signifikanten Sicherheitsvorteil – im Ernstfall ist auch der Airbag schön.

Wer seinen Youngtimer aber eher für die gediegene Wochenendausfahrt nutzt, mag sich schon fragen, warum er das alles an Board haben sollte – denn eines der Kernelemente des Youngtimer-Fahrens ist sicherlich die schöne überschaubare Technik, der Reiz des einfachen, den ein Jetta II, ein Rekord E oder ein Ford Sierra heute vermitteln.

Und die Übersichtlichkeit! Die war wirklich formidabel zu Zeiten der dünnen A-B- und C-Säulen – riesige Fensterflächen kennzeichneten die damaligen Autos, wenn man den Vergleich zu heutigen hat!

Youngtimer: Langzeitautos?

Hinzu kommt: all die modernen Features, die wir heute einfach so hinnehmen, haben einen ganz großen Einfluss auf das Gewicht. Und gerade hier punkten die Youngtimer. Das leichte Gewicht ermöglicht auch einem 70PS-Mittelklassewagen wie dem Jetta I formidable Beschleunigungen – das Fahrgefühl ohne Servolenkung ist ein viel direkteres – das hat aus heutiger Sicht etwas Go-Cart haftes, das erinnert an damals, als man all das gelernt hat, Fahrverhalten erforscht hat mit Papas geliebtem W123… Und all das ist plötzlich wieder da und bringt einem dieses Gefühl der guten alten Zeit zurück, als das Leben so kompliziert war, wie die geradlinigen Autos… Und vielleicht ist das der Grund, warum sich immer mehr Leute umdrehen – auch nach den Brot- und Butter-Autos dieser Zeit und beginnen, umzudenken und sich zu fragen, ob das Langzeitauto nicht doch seinen Charme hat….



1 Gedanke zu „Youngtimer – Oder: was es früher alles nicht gab und warum das wurscht ist

  1. Ein 8 Zylinder Diplomat wog damals so viel wie ein heutiger Golf.Manche 6 Zylinder hatten grad mal 1000kg,und konnten sogar ohne Servo gefahren werden.Die Autos waren sparsamer als heute,da soll mal einer sagen die Elektronik regelt das schon,ein Golf GTI brauchte nur 9 Liter wenn man ihn quälte.BMW und Mercedes haben es bis heute mit dem Verbrauch nicht im Griff.Wer will den schon einen neuen Wagen der ständig piept,alles selbst regelt,mir persöhnlich würd ne ENTE reichen

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