Fuhrpark des Youngtimer-Staatsmannes: Lexus Youngtimer

Macht was her und ist diskret gealtert: Youngtimer Lexus GS300 ab 1989

Unsere Nachbarn sind ja einiges gewohnt von uns. Die haben in den letzten Jahren so viele meist alte Autos kommen und gehen sehen, dass sie sich nicht mehr wirklich wundern.

Zwei Oberklasse-Autos vor der Tür zu haben, das ist neu – und zu allem Überfluss sieht es so aus, als hätten wir die beiden Lexus-Limousinen quasi als Urlaubs-Andenken mitgebracht, wie andere Leute Muscheln und Seesterne…

Wie konnte das passieren?

Der LS400 war ein lange gesuchtes Element gewesen. Regelmäßige Leser unseres Blogs wissen, dass wir hinter dem LS400 schon lange her sind, wenn auch nicht mit zu viel Glück.

Typischer Japanischer Youngtimer mit „Hightech“-Konsole der 90er Jahre: Lexus GS300

Mit dem neuen Lexus Youngtimern sieht das bislang anders aus – den haben wir in den Niederlanden ersteigert und hatten um die 330 Detailbilder von den beiden Einstiegen, die Rost zeigen. Der eine nur vorn, der andere vorn und hinten. Mit dem Verkäufer haben wir 4 mal telefoniert – und irgendwann war in etwa klar, was an dem Wagen gemacht werden muss und welche Substanz vorhanden ist. Und was haben wir bezahlt? 1438€ für ein Oberklasseauto von 1990 – 4 Liter Hubraum, 245PS, ausgezeichnete Luxus-Ausstattungen mit Leder, Klima, allen erdenklichen elektrischen Helferlein… und gerade mal lächerlichen 168.000 Kilometern auf dem Zähler. Warum ist der Wagen dann so günstig? Vermutlich, weil er sehr ehrlich dargestellt wurde… Sicher, an dem müssen wir was machen – aber das sieht man von Außen nicht – – und unsere Nachbarn kotzen vor Neid, denn der Lexus LS 400 der ersten Generation schwappt immer noch oberklassig weich über Bodenwellen, bügelt Straßen glatt wie einst der W126. Da hat man immer das Gefühl, Staatsbesuch zu haben, wenn der vor der Garage steht.

Der LS400 ist immer noch ein Traumwagen der gehobenen Klasse, der es in seiner Art einfach noch schwer und feist nach außen ausstrahlt, dass es einem gut geht.

Schwapp.

Die Dynamik eines W220 hat er natürlich nicht, auch nicht den fein ziselierten Innenraum eines A8 von heute, vermutlich nicht einmal das ausgeklügelte Fahrverhalten eines Insignia – aber ein großes Auto der Oberklasse ist er allemal. Eher majestätisch als technikprotzend, eher erhaben als dekadent. Ein Auto mit ruhigem überlegenen Charakter.

„Notfalls auch dynamisch“ sollte duieses Pressefoto damals sagen – stimmt: Die aktive Sicherheit des ersten Lexus ist brutal!

Der GS300, der unseren Staatsbesuch dreist zuparkt, kam ganz anders zu uns, wie Facebook-Follower wissen. Wir hatten den LS400 abgeholt und zu einer befreundeten Werkstatt in der Nähe von Arnheim gebracht, damit alle Formalitäten zum Betrieb in Deutschland gemacht werden können, während wir 2 Wochen in den Niederlanden Urlaub machen. Trödelnd auf dem Fahrrad, einen Haufen Brötchen und lustiger Brotaufstriche im Rucksack, passieren wir einen kleinen Gebrauchtwagenhändler – gerade einmal 6 Fahrzeuge auf dem Hof. Und mittendrin ein Lexus Youngtimer GS300… Der war unsere Alternative zum LS400, ist aber weitaus seltener, auch in den Niederlanden. Und der hier sah im Morgenlicht wirklich ganz gut aus… so im Vorbeifahren…

Dann wurden wir auch noch hemmungslos unter Druck gesetzt… Und am Ende haben wir auch hier für einen schier lächerlichen Preis von 2350€ zugeschlagen – Einstiege und Auspuff müssen gemacht werden – wobei der Auspuff irgendwie lässig klingt…

Der GS300 ist einer der meistunterschätzten Wagen, den es in der Klasse gibt. Ein schnelles, aber unaufgeregtes luxuriöses Auto mit sehr berechenbaren Fahreigenschaften, sportlich, aber nicht hektisch.Wenn Dich an der Ampel ein Jugendlicher bedrängt, hängst Du ihn einfach ab. Ein wenig wie der BMW E39. 1994 gebaut gehört er zur ersten Serie, die parallel mit dem LS400 entwickelt wurde und ihm in vielem ähnelt, sich aber eben kerniger fährt.

Alles da, wo es hingehört – mit schwach barockem Charme in der Farbwahl

Aus diesen Baujahren gibt es so gut wie keine Fahrzeuge vom Typ GS300, wenn man gezielt danach sucht – und gute Exemplare kosten in Deutschland dann auch eher mal das Doppelte oder haben 300.000 drauf. Aber man muss sagen: Das ist fair. Der Wagen hat einerseits eine gewisse unauffällige Patina, ist diskret und toll verarbeitet. Der Innenraum des Wagens ist trotz 181.000KM einfach wie neu. Und doch hat er dieses japanische, hat hier und da eigenartige Farben im Innenraum, Materialien, die nur Asiaten verwenden.

Die Einstiege, die bei beiden Wagen gemacht werden müssen, sind eher die Ausnahme. Da gibt schon eher mal die Automatik den Geist auf, aber alles in allem reden wir hier von Toyota Quality in Upper-Class Version. Mit diesem Wagen durfte Toyota sich keinen Fehler erlauben – und das spürt man bis heute. Die Solidität beider Limousinen ist genial, der Motorklang des LS400 ein Traum. Alles in allem kann man nur sagen: Die Lexi sind unauffällig und definitiv Traumwagen, die heute bezahlbar sind – und viel individueller geht es kaum, viel oberklassiger auch nicht. Teuer ist die Versicherung, speziell für den LS400 – aber das ist beim zeitgenössischen W140 auch so.

Auffällig: Unsere Nachbarn haben bis zum Einbruch der Dunkelheit gewartet, bis sie sich die Nasen platt gedrückt haben. Wie ein Benz aussieht, wissen sie – aber diesmal waren sie sich einfach  nicht sicher, was das ist, das da vor unserem Haus parkt.

Schweigen und Geniessen.

Schwapp.


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