Youngtimer-Exkursion: Mit den Lexi nach Polen

Youngtimer restaurieren? In Polen? Zbigniew und Jerzyk kennen wir jetzt schon seit knapp 1000 Jahren oder so. Die beiden haben für uns schon Autos repariert und aufgebaut und restauriert, als die Erde noch eine flache Scheibe war, Polen von einem EU-Beitritt nicht einmal träumen durfte [zumal die noch EG hieß] und noch bar und in Mark bezahlt wurde.

Und das kam so… Zbigniew ist ein Fan alter Schweden – wir besaßen eine Volvo 164 mit einem leichten Rempler an der vorderen Stossstange. Reparieren dieses damals schon über 20 Jahre alten Wagens war bei Schüler-Budget bei Volvo unmöglich, die knapp 3.500 Mark dafür haben wollten – ich bin mir nicht mal sicher, ob das schon mit Mehrwertsteuer war oder nicht.

Volvo 164, unser dritter Youngtimer – so fing damals alles an – der Beginn einer wunderbaren Freundschaft…. ;->

Dann trafen wir Zbigniew auf einem Autobahnparkplatz in der Nähe von Kamen mit seinem polnischen Hänger. Vor dem Hänger ein Volvo 164 wie der unserige – auf dem Hänger ein Volvo 144 in völlig verranztem Zustand. Aber der Wagen vorne mit dem Haken – der war damals 22 Jahre alt, sah aber aus wie neu!

Ein Zufall bringt uns zusammen

Es ergab sich ein Gespräch, das aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse pantomimische Züge gehabt haben muss – aber am Ende stand ein Preis: 450 Deutsche Mark in bar! Das war ein Wort.

Knapp 2 Wochen später machte Zbigniew wieder seine Runde und kam diesmal auch bei uns vorbei. Meine Eltern witterten Ungemach und Gefängnisaufenthalte, weil wir einen „Illegalen Polen“ beschäftigen wollten – aber am Abend desselben Tages stand der Volvo 164 blitzeblank vor unserer Ausfahrt und wir waren verleitet, beim Volvo-Händler vorbeizufahren und ihm die Zunge rauszustrecken und zu sagen, was das ganze gekostet hatte :-))

Das ist wie gesagt lange lange lange her. Zbigniew und sein Kollege Jerzyk leben heute in einem EU-Land, das zum Glück keinen Euro hat und seine Währung sogar vor knapp 2 Jahren noch einmal abgewertet hat.

Die Einstiege lassen wir in Polen machen – dann haben wir einen der besten Lexi am Platz…

Die beiden nehmen EC Karte – aber auch noch bar – und haben mittlerweile 6 Angestellte. Sie arbeiten für Russen, für Engländer, für Polen und Tschechen – und auch für ausgewählte Deutsche, wenn auch nicht mehr für viele, weil die kompliziert seien, sagt Jerzyk. „Deutsche feilschen erst ewig um einen schon guten Preis – und dann nörgeln sie am Ergebnis rum, um den Preis nochmals zu drücken – das geht nicht.“

Für Deutsche Arbeiten? Nee…

Also wer würde da für Deutsche arbeiten wollen? Für uns arbeiten sie noch – aber sie wissen auch, dass wir dafür gerne mal mit einem Teil aus Deutschland aushelfen. Und wir beauftragen sie regelmäßig, wenn es um die großen Sachen geht – zum Beispiel damals mit unserem Audi Coupe 5S – aber das ist eine eigene Geschichte.

So, wie wir mittlerweile gerne Geschichten tauschen – denn wenn wir uns treffen, gehen wir mittlerweile irgendwo nett essen, gerne mal polnische Hausmannskost. Aber wir waren auch schon bei den Beiden im Garten grillen – und die beiden ebenso, wenn sie in unseren Gefilden sind – Youngtimer verbinden uns seit über 20 Jahren.

Endlich wahr geworden: Unserer Traum Japanischer Oberklasse 🙂

Am Wochenende bringen wir unsere beiden Lexi in die Nähe von Zabrze – ein Ort, den Deutsche auch mit viel Training kaum aussprechen können [Sabschäh trifft es ganz gut] und lassen unsere Einstiege machen, vielleicht ein bisschen Kosmetik. Und wieder einmal wird es nicht nur ums Geld gehen – es geht auch um handwerkliche Leistungen. Jerzyk, Zbigniew und die Jungs haben ihr Handwerk noch ganz anders gelernt – ersetzen nicht immer gleich, sondern reparieren noch wie früher – und das auf ausnehmend gehobenem Niveau. Sogar für das eine oder andere Museum haben sie schon was gemacht. Und für eine lange Ahnenreihe unserer Autos. Und natürlich: das ist schon günstiger – und dennoch ist es ein fairer Deal, denn wir zahlen viel mehr als der gemeine Polnische Kunde aus der Umgebung – also haben alle was vom Europäischen Währungsgefälle – und wir haben dann wieder 2 Youngtimer, die wie neu sein werden: unseren Oberklasse Lexus LS400 und den kaum wirklich kleineren Lexus GS300, die uns zugelaufen sind, wie unsere Facebook-Follower wissen.

Und den 164er, den hat Zbigniew immer noch – aber den Hänger, der mittlerweile 2 Wagen schafft, den zieht ein Volvo 850 mit zweieinhalber Diesel und 140PS – auf der Uhr stehen knapp 400.000 Kilometer – und wie immer sieht der Wagen aus wie neu.

Wir freuen uns auf die Reparatur, wie immer.