Volljährige Italiener: Alfa Romeo 33 Youngtimer

Alfa 33

Knackige Linie – aber vor dem Facelift grundsätzlich knackiger

Italienisches Auto? Und dann noch ein Altes? Da würde mein Vater gleich wieder die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Und da hätte er noch nicht mal ALFA ROMEO gehört. Für die würde er sich vermutlich nicht mal mehr die Mühe machen, sich aufzuregen, sondern was sagen wie „Kind….“ und dann würde ihm die Luft wegbleiben, was soviel bedeuten würde wie „Hab ich Dir denn in den Jahren gar nichts beibringen können?“ ;->

Ich muss meinen Vater in Schutz nehmen – er hatte von 84 bis 92 eine Alfa Vertretung, die er aufgrund der qualitativen Probleme drangegeben hat…

Ist also was dran an den Sprüchen unserer Eltern? Im Falle Alfa und der Bauphase, von der wir hier sprechen, leider schon… Aber der Reihe nach – wovon reden wir hier?

Alfa 33 - ein echter Youngtimer geworden

Gesicht in der Menge: Alfa 33 Youngtimer

Brot- und Butterauto von Alfa Romeo in der Youngtimer-Phase war der Alfa Romeo 33, der von 1983 bis 1994 gebaut wurde. Böse Zungen sagen, dass dieser Wagen quasi das solideste Fundament für den Niedergang von Alfa in dieser Zeit war – und im Grunde haben sie recht, angefangen beim Namen, der bei Alfa zwar eine gewisse Tradition hatte, aber dennoch: Wer denkt sich denn Sowas aus? Da gab es wenige Jahre zuvor noch Gulias und Guliettas, den Montreal und dann das: dreiunddreißig

Das hatte für viele altgediente Fans der Marke etwas beleidigendes – obwohl wichtige Konkurrenten wie BMW sich auch nie klangvolle Namen ausgedacht haben, aber wer erwartet das von einem Volk, das seine Kinder Malte und Kevin nennt? ;->

Der Alfa 33 hatte im Grunde keine schlechten Gene. Die Karosserie war knackig verpackt – gemessen natürlich am Stil der Zeit, in der Kanten ja als schön und vor allem „modern“ galten.

Whow – der Innenraum ist zwar 80er kunststofflastig – aber in dem Zustand schon sehr cool

Speziell das kurze stummelige Heck macht auch heute noch einen knackigen Po – und neben dem Escort der frühen 80er oder gar dem Golf II kam das immer noch locker rüber wie Riverra versus Timmendorf. Dennoch: Den Schwung früherer Karossen hatte der Alfa 33 verloren – der Vorgänger Alfasud war qualitativ übelst gewesen, aber schnittiger und angriffslustiger wirkte er dennoch.

Immerhin ließ Alfa Romeo sich nicht lumpen und hielt an den Boxermotoren fest – obwohl die im Alfa 33 leider keinen Klang haben – da kann jeder Subaru den Alfa outperformen – oder ein 5 zylindriger Audi. Die haben dem Alfa leider auch Qualitativ einiges voraus: Die Vergaser der frühen 33er Versionen sind ein Alptraum, die später verwendeten Einspritzanlagen weit besser aber auch nicht durchgängig fehlerfrei. Rost war ein weiterer Feind des 33ers – um den Tankdeckel herum nagt der immer zuerst. Radläufe, Einstiege, die ganze Palette blüht gern – auch im Verborgenen. Insgesamt nicht so schlimm wie manche Franzosen, aber im Bereich hinter der B-Säule ist der 33 einfach immer gefährdet – und das war er schon in einer frühen Phase seines Lebens. Der seltene Kombi ist da noch schlimmer betroffen, was ihn nochmals seltener macht.

Gammelzustände sind beim Alfa 33 Youngtimer eher die Regel als die Ausnahme

König im Bereich Rost ist leider der zeitweilig angebotene Allrader, der vermutlich durch gröbere Wintereinsätze noch mehr Korrosionsangriffen ausgesetzt war, die er nur unzureichend verkraftete. Den gibt es heute daher auch praktisch nicht mehr.

Leider waren auch andere Teile nicht übermäßig Robust. Die Wasserpumpen hatten ihre Schwächen, Ölpumpen nicht durchgängig aber recht regelmäßig. Die Schaltungen neigen zu Hakeligkeit, speziell beim Rückwärtsgang, die  Getriebe beanstandete der TÜV gerne wegen Undichtigkeiten, zum Teil schon bei der ersten Vorführung eines jugendlichen Exemplares – das war schon beim Alfasud so und sollte auch beim 145er so bleiben…

Ist der Alfa 33 also ein Alptraum?

Nein. Er braucht nur ein bisserl mehr Liebe als ein Honda Civic oder Toyota Celica aus vergleichbaren Baujahren. Die Mechanik ist dankbar übersichtlich, Elektrik für ein Italienisches Auto ganz passabel – dennoch: Die gesamtheitliche Zuverlässigkeit war und ist für viele Besitzer ein Grund, entnervt aufzugeben.

Überraschend viel Platz für Passagiere – und beledert beinahe ein wenig Maserati-Flair

Das ist durchaus schade, denn ein fahrtüchtiger Alfa 33 fährt sich wirklich sehr cool. Der Wagen ist von solider Sportlichkeit ohne sinnlose Härte geprägt. Der Alfa 33 ist ausgeprägt handlich, was ihn von vielen Youngtimern unterscheidet. Die Motoren klingen zwar nicht wie Boxer, zeigen aber deren Spritzigkeit und Drehfreude, was allem voran für den 1,7er mit 118PS gilt, der sogar mehr Fahrfreude vermittelt als der knapp 20PS stärkere 4Ventiler. Und sogar langlebig sind die Motoren. Zudem ist der Alfa 33 einfach erfrischen und überraschend in seiner Art – Golf kann schließlich jeder, oder?

Der fahrerische Charme ist wirklich schwer zu vermitteln – wir reden hier nicht direkt vom Delta Integrale – aber doch schon ein wenig von seinem kleineren Bruder. Und irgendwie geht es doch beim Youngtimer fahren auch ein wenig darum, sich angenehm von der automobilen Masse abzuheben, oder?

Dafür ist der Alfa 33 einfach ein guter Griff mit viel Potenzial – und eben einer, der diesen augenzwinkernden Charme des Undeutschen hat. Ist das nicht ein wenig Liebe wert?





8 Gedanken zu „Volljährige Italiener: Alfa Romeo 33 Youngtimer

  1. definitiv ein sehr schönes Fahrzeug,habe insgesamt 2 gefahren,ohne Probleme.
    Aber wie sagt man……guter Geschmack macht halt einsam.
    Bin der Marke heute immer noch treu,und werde es auch bleiben.

  2. Wollte immer einen haben,weil der Alfasud so stark verrostet war das ichs Reserverad mit Wanne verlor.Als ich mir den 33 angeguckt habe war ich überrascht das er wesentlich schlechter gebaut wurde und mit 3 Jahren schon Mängel hatte.Ich fand den Boxermotor einfach toll mit seinen guten Drehmoment,so kam ich zum ersten Toyota

  3. Die großen Italiener sind noch die geilsten

    Alfa 164+166 sollten jetzt gehamstert werden. In 10 Jahren sind die das 10fache wert.

  4. Toller Artikel über ein viel zu wenig beachtetes Auto. Aber was den Sound bettifft – ich hatte einen 1.4 und einen 1.7: Röhrig, rauchig, schmetternd…einmalig! Ein Subaruboxer klingt viel domestizierter.

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