Rover SD1 – der letzte echte große Brite

Eckdaten Rover SD1:
Bauzeit: 1977-1987
Motoren: 91-193PS
Heckantrieb


Als der Rover SD1 1977 vorgestellt wurde, ruhten mächtig viele Hoffnungen auf ihm. Gebeutelt lag Rover / Brtish Leyland und alle britischen Derivate dieser unheiligen Allianz darnieder – viel schlechter konnte es kaum noch kommen.

Dass Rover sich in dieser Situation für ein Schrägheck in dieser Klasse entschied, kann man entweder als strategischen Mut oder blinde Dummheit bezeichnen. Man kann Argumente dafür finden: Schrägheck machte Sinn in einer Klasse, die damals für Kombis noch als zu edel galt – und: Wie wollte ein Hersteller wie Rover weltweit gegen die etablierte Konkurrenz anstinken, wenn man nicht etwas jenseits vom Mainstream 5er-E-klasse-Audi100 anbot? Die Autos, die sich an Individualisten richteten, trugen das Schrägheck alle mit Stolz: Citroen CX, Saab 900

rover sd1

wirkt ohne standesgemäßes Leder noch viel französischer…. Innenraum Youngtrimer Rover SD1

Auf lange Zeit erwies sich das Schrägheck dennoch für Rover als Kassengift – aber andere Gründe sollten da auch eine Rolle gespielt haben. Wie Jaguar vor John Eagan war Rover in den 70ern im Bereich Quality nicht gerade ein Stern – on top kam: Es musste nach der großen BL-Umstrukturierung an allen Ecken gespart werden und mit beamtenartigen Zuständen aufgeräumt werden.

Schlechtere Startbedingungen sind nur schwer vorstellbar.

Rover SD1 – Schlechte Startvoraussetzungen

Setz dich in einen Rover 3500 mit geschlossenen Augen, spüre den Wagen, fühle Materialien und Qualität… Da stimmt was nicht. Die Innenräume waren sehr verschleißfreudig, die hintere Achse leider auch. Dass Rover hier gegeizt hatte, war nicht so schlimm – die Straßenlage eines 3500er Rover Youngtimers kann sich auch heute noch sehen lassen. Nur die hinteren Trommelbremsen wollen da nicht recht reinpassen. Insgesamt fühlt sich der Wagen irgendwie französich an – und speziell innen sieht er teilweise auch so aus.

Dennoch: die Straßenlage und Beherrschbarkeit des Rover SD1 war ausgezeichnet – nach kurzer Zeit machte das Wort vom „Aston des kleinen Mannes“ die Runde – Rover hatte also ganze Arbeit geleistet.

rover sd1

Umweht von dynamischem Charme war der Rover sowohl zu Lebzeiten als auch später. Seine Ausgewogenheit empfiehlt ihn auch heute noch für sportliche Youngtimer-Fahrer

Auch der Motor – speziell der V8 hat Charme. Technisch gesehen handelt es sich hier zwar um einen modifizierten Smallblock, wie ihn jede amerikanische Hausfrau in den 60ern spazieren fuhr – Rover hat diesem Motor aber viel Kultur beigebracht – mehr, als alle anderen, die das bei amerikanischen Motoren versucht haben – und das schließt selbst sympathisch exclusive Spinner wie Bristol ein… und das soll etwas heißen! Die kleineren Motoren sind ebenfalls nicht übel, bilden aber einfach kein vergleichbares winning Team mit dem restlichen Rover. Der Diesel ist leider Mist – und mit 91PS eh irrelevant für ein Fahrzeug dieser Klasse.

Beinahe noch ein Traumkombi des Rover SD1

Ein Schmankerl aus der Klasse der Youngtimer-Träume baute Rover tatsächlich in vermutlich 3 Einzelstücken: Einen Kombi des heutigen Youngtimers Rover 3500. Wäre das ein good shot gewesen? Vielleicht. Solche Fahrzeuge waren damals rar – und Youngtimer Sammler von heute würden den Wagen vermutlich lieben. Noch klüger jedoch wäre vermutlich gewesen, auch ein konventionell konservatives Stufenheckmodell anzubieten. Rover kam bei Nachfolgemodell zum selben Schluss.

rover 2600 gelb britisch

That mustard-colour actually looks pretty british on that nice youngtimer, right?

Jedoch: Der geriet bitter langweilig und basierte auf dem ersten Honda Legend. Das Coupe war cool – dennoch sah Rover sich genötigt, die trauernde Fangemeinde zu befriedigen und baute auch wieder eine Schräghecklimousine in zum Teil lässig sportlichen Versionen.


Die Marktlage in Deutschland darf heute als katastrophal gelten: Einen SD1 in Deutschland zu erstehen, ist nicht einfach – in einem normalen Monat findet man in allen relevanten Publikationen und Börsen zusammen mit Glück 10 Stück – Das Wort Auswahl mag einem da nicht so recht über die Lippen gleiten.

Aber der Rover ist toll! Lasst ihn nicht verkommen! Durchschnittliche und gute Exemplare gibt es heute kaum noch unter 3500€ – und wie gesagt: sie sind rar. Der Weg nach UK macht auf unserem Markt ja leider nur begrenzt Sinn – schon allein, weil das Lenkrad auf der falschen Seite ist. Aber auch dort gilt: Seit einem umfangreichen Revue in der „Practical Classics“ haben die Preise respektable Niveaus erreicht. Man traut sich kaum es zu sagen: selbst hier sind die Niederländer gut sortiert, ebenso Österreich, Dänemark und die Schweiz. Leider ist der Import

wäre ein Traumwagen geworden – der Rover als Youngtimer-Kombi. Heute würden sich die Leute nach diesem Wagen die Finger lecken – faktisch müssen wir froh sein, gute Exemplare mit Schrägheck zu finden…

aus der Schweiz schmerzhaft und lohnt sich vermutlich nur in seltene Fällen für Hardcore-Fans.

Die Ersatzteillage beim Rover SD1 ist eher mittelmäßig. In England bekommt man noch alles Mögliche, Deutschland ist nicht eben perfekt, obwohl die wenigen Clubs ganz anständig sortiert sind. Dennoch: Alltagstauglich ist anders – hier braucht man vielleicht besser ein anständiges Schlacht-Exemplar für einen Tausender extra.


Fazit:

  • Der Rover SD ist ein individueller Youngtimer, kurz vor der Grenze zum Exoten 
  • Der Deutsche Markt ist schlecht sortiert – sucht den Wagen besser in NL
  • die ersten Jahre sind Qualitativ schlecht, kauft die Modelle ab 1982
  • Der 3500er V8 passt am besten zum Rover, die Automatik ist nur durchschnittlich
  • Preissteigerung? Garantiert
  • Anfänger-geeignet? Eher nicht.
  • Alternativen? Hm… in dieser Art so gut wie nicht vorhanden