Youngtimer im Fokus: Autobianchi / Lancia A112

Lancia A112 Youngtimer

Sieht irgendwie im Stand schon schnell aus: Youngtimer Lancia A112 Abarth, Rennsemmel der 70er

Sollte es je eine echte Alternative zum Original Mini gegeben haben, dann war es der Autobianchi A112. Jeder, der dieses kleine Auto einmal gefahren ist, und wenn auch nur kurz mal eben schnell um den Block, kann das bestätigen. Es gibt bis heute kaum einen Wagen – ausser eben den von Sir Alec Issigonis – der mit dieser Leichtigkeit mithalten kann, die der Autobianchi, später Lancia A112, an den Tag legte. Selbst der Lancia Delta Integrale spielt da in einer anderen Klasse, da er brutaler auf der Strasse liegt, nicht so unschuldig wie ein Lancia A112, kerniger, kräftiger und mal sicher nicht im klassischen Sinne leichtfüßig….

Heute sollte man den Youngtimer natürlich nicht so bewegen, wie wir das noch respektlos vor 15 Jahren mit den verbrauchten Modellen für 1000 Mark gemacht haben, das ist unangemessen. Offensichtlich jedoch haben eine Menge Leute exakt das getan, denn: Viele Exemplare gibt es heute wirklich nicht mehr.

Lancia A112 Autobianchi Youngtimer

In diesem Zustand nur noch in trockenen sonnigen Ländern zu finden…

Im Normalfall war der Wagen ab zweiter Hand stets in bösen Händen. In erster Hand gehörte er hin und wieder noch Ehefrauen, in Zeiten, als Führerscheine bei Frauen gerade erst so richtig populär wurden. In zweiter Hand gehörte er dann eigentlich immer schlimmen verhinderten Walter Röhrls…. Aber es machte auch einfach irrsinnig Spaß, wie der Wagen um Kurven schob, wie man ihn kontrolliert fliegen lassen konnte – alles so schön abgezirkelt mit diesem Lenkrad, das in diesem eigenartigen Winkel im Auto steht.

Lancia A112 Youngtiumer – nein – kein Trab(b)i

Jüngere halten den Wagen aufgrund seiner lustigen Kotflügel/Scheinwerfer-Kombi schon mal für eine Art Sport-Trabant [!]. Das begegnete uns bei unseren aktuellen Erlebnis-Fahrten tatsächlich immer wieder – selbstverständlich nur in den alten Bundesländern.

Was im A112 noch erlebbar ist, dass PS ja mal meinte: Die Kraft eines ganzen Pferdes – und wer sich jetzt mal 70 Stück davon auf einem Haufen vorstellt, der kann sich in etwa überlegen, was ein 70PS-Motor in einem so kleinen und leichten Wägelchen [knapp über 700 Kilo] anrichten kann – eine Menge! Das macht auch heute noch einen regelrecht kindlichen Spass, dem man sofort erliegt….

Rostet ebenso gerne wie gründlich: Karosserie des Lancia A112 – der Motor blieb Zeit seines Lebens drehmomentbefreit….

70 PS war nämlich die Leistung des Abarth-Modells zu Zeiten, als ein GTI-Golf 110PS hatte und damit zumindest in der Stadt oder auf Serpentinen auch nicht so viel quicker war als der kleine Lancia. Allerdings nur, wenn der Motor munter und mutig auf Drehzahl gehalten wird – Drehmoment hat der Lancia nie gehabt [86NM…. ein zeitgenössischer 70PS VW-Motor hatte rund 30% mehr]

Auf dem heutigen Markt ist das Abarth-Modell das Modell der Modelle des Youngtimers A112. Motorisierungen mit 40PS sind im Grunde gegenstandslos geworden – viele der ursprünglich schwächer motorisierten Modelle wurden auch schlicht auf die stärkere Motorisierung umgerüstet – nicht immer ganz fachmännisch…. Wer den kleinen Sportler will, der will ihn aber nun mal richtig. Gerne auch mit fetten Zusatz-Hellas im Gesicht und breitem Schuhwerk, wenn es sein muss auch von ATS oder ATU, Hauptsache dick. Tatsächlich nämlich ist das breite Schuhwerk hier durchaus wichtig, um die Untersteuerneigung, die der Wagen konzeptionell durchaus aufweist, ein wenig einzudämmen.

Lancia A112 Youngtimer – im Ausland?

In Italien, Frankreich und Spanien findet man auch die kleineren Motorisierungen und Fahrzeuge im sachlich goldigen Originalzustand – aber 40PS haben in diesem Auto irgendwie nix zu suchen, oder? Auffällig jedoch: Selbst die kleinen Motoren in nicht übermäßig gepflegten Exemplaren dämmen den Preis nicht unbedingt ein. Ein gutes Exemplar des Zwerges, der mit immerhin 6 Facelifts von 1969 bis 1986 gebaut wurde, schlägt schnell mal mit 5.000€ zu Buche. Da kommt der eine oder andere natürlich schon ins Grübeln – für das Geld bekommt man auch schon Minis in substanziellem Zustand.

Der Innenraum der sportlichen Modelle hat einen rohen Charme hinter dem LKW-Lenkrad

Und die rosten nicht ganz so schlimm, wie es der A112 von Natur aus von Geburt an tat. Wie in den 80ern üblich, wurde das hier und da mit Plastik-Zierrat kaschiert – richtig geholfen hat das traditionell nicht. Alle Karosseriespitzen des Wagens werden gerne angefressen – am schlimmsten zeigt sich das normalerweise im Motorraum und im Kofferraum, der generell für nicht viel mehr als den Rost Platz bietet… Auf holprigen Strassen drückten sich die Federbeine hier und da schon mal schnell am Rost vorbei und erwischten unter Spannung andere Teile des Wagens – gefährlich. Die wenige Elektrik des Wagens ist auch gerne mal mangelhaft im Zustand. Viele Leitungen sind nicht klug verlegt, schwer zugänglich, gammelgefährdet ebenso wie gerne mal feucht.

Es ist wie mit so vielen Italienern: Rein sachlich gibt es bessere Autos – Irgendwie muss man den Wagen einfach emotional mögen…



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