Youngtimer verkaufen: Was machen Autohändler eigentlich mit Youngtimern?

Youngtimer beim Händler verkaufen – geht das? Das ist eine Frage, mit der wir immer mal wieder zu tun hatten und zuerst war das auch nur eine latente Recherche, bis wir uns da in eigenartigen Dingen verbissen haben. Und dabei kamen diesmal wirklich eigenartige Verhaltensweisen zutage, die sich über die letzten Jahre ganz schlimm verändert haben. Korrekt müsste die Frage wohl tatsächlich lauten:

Was dürfen Autohändler mit Youngtimern machen?kann man hier Youngtimer verkaufen

Die Antwort ist schräg und wirft ein komisches Licht auf den Autohandel in unserem Land.

Aber langsam: Ein Freund von uns wollte einen schönen Youngtimer [Audi Coupe, Baujahr 82, TopZustand] in Zahlung geben und bei einem der drei Premium-Marken seinen neuen Dienstwagen mitnehmen [entweder Audi A4, C-Klasse oder 3er BMW]. Klingt eigentlich nicht so schwierig, oder?

Doch – er wollte keinen Verschrottungspreis, sondern einen realistischen, der wohl irgendwo zwischen 3000 und 5000€ gelegen hätte. Die Geschichte endete in Belgien bei einem Audi-Händler, der den Wagen begeistert ganz vorne auf seinen Parkplatz stellte – In Deutschland wollte ihn keiner haben – außer zum Verschrotten vielleicht. Die einen natürlich aus Gründen wie „Für den können wir ja keine Garantie geben“, was ja akzeptabel erscheint. Dann aber kam es hier und da mal durch „Den kann ich mir ja nicht auf den Hof stellen“ „Wieso?“ „Na ja….“

„Youngtimer verkaufen? Da krieg ich von ganz oben was drauf“

Da denkt man, man hört nicht recht – aber es ist wahr. Ein Händler, der hier ganz klar nicht genannt werden will, sagt uns, dass seine Marke das nicht möchte, dass „So eine olle Möhre“ auf dem Hof steht. Dort sollen glänzende neue Premium-Autos stehen, basta. Mazdas, Ford und Opel verschachert er mittlerweile gleich bei Kollegen, weil die einfach nicht ins Konzept passen – und manchmal zahlt er dabei sogar drauf.youngtimer verkauf beim markenhaendler

Warum das so ist, versteht man nicht ganz – nicht nur der Youngtimer-Fan schüttelt da den Kopf. Ein Premium-Händler in Augsburg sagt uns verschwörerisch, dass es aus seiner Sicht keine bessere Werbung für eine Marke geben kann, als einen gepflegten Youngtimer. Der signalisiere ja einerseits „Schau, wir haben schon vor 30 Jahren coole Autos gebaut“ und andererseits auch, dass die Qualität ja wohl stimmt.

Dem stimmen wir vollumfänglich zu und begeben uns in etwas ländlichere Gebiete und fragen weiter, wie Youngtimer verkaufen hier funktioniert.

[Ganz am Rande erfahren wir hier von 2 Verkäufern, dass sie den Youngtimer-Blog lesen – Balsam! Aber das ist eine andere Geschichte].

Youngtimer verkaufen: Auf dem Land sieht es besser aus

Dass es auch anders sein kann, erfahren wir in der Eifel und im Westerwald auf der Tour. Hier sind die Händler sehr entspannt – und zwar bei allen 3 Premium-Marken. Man kennt sich untereinander. Der Mercedes Händler schnappt sich das Telefon, ruft aus dem Kopf die Nummer des nächsten Audi-Händlers an und fragt, ob er den Youngtimer nehmen würde. Am Ende des Tages würde ihn beide nehmen, wenn auch zu sehr verhaltenen Preisen [1800 bzw 2000€, aber immerhin]. Angesprochen auf die Sorgen der Händler in Großstädten, wird hier entspannt die Schulter gezuckt.

„Bei uns guckt man nicht so drauf“ wird da gegrinst auf der einen Seite; auf der anderen heißt es „Keiner der Verantwortlichen verlässt die großen Autobahnen so gerne – das sagen die zwar ihren Chefs, aber da setzen sie sich doch lieber 2 Stunden in den nächsten Mc Donalds und spielen mit ihrem Blackberry.“

Wir ziehen noch ein wenig weiter – aber die Regionen sind schon die besten von allen. Im Kölner Raum stoßen wir auf einen Volvo-Händler, auf dessen Hof ein strahlender 244 parkt. Der grinst schließlich und erklärt die Ausnahme mit „gehört unserem Azubi – da machen wir mal ’ne Ausnahme“. Dass wir den mit seiner Niederlassung im Hintergrund fotografieren, will er dann aber auch nicht so recht.

Dafür bringt er uns schließlich auf die Spur der Holländer und Belgier, die am Ende den Deal machen [was auch noch eine andere Geschichte ist….]. Klar ist nur: der Händler gibt uns schon im ersten Telefonat den Glauben an die Menschheit zurück „Den würde ich mir gerne ansehen – eine bessere Werbung gibt es nicht“.



8 Gedanken zu „Youngtimer verkaufen: Was machen Autohändler eigentlich mit Youngtimern?

  1. Also mich würde das schon interessieren von welcher Marke der Kommentar mit der alten Möhre ist. (gerne auch per Mail)
    Ich fahr nämlich so eine alte Kiste und mich würde brennend interessieren ob ich das noch mit gutem Gewissen weiter tun kann. 😉

    1. Rainer,
      welche Marke die „olle Möhre“ nicht haben will ist eigentlich ganz klar.
      Wenn man sich einen A4 als Dienstwagen gönnen will, und dafür einen A4 Vorgänger in Zahlung geben will, so geht man i.d.R. als erstes wohl nicht zu BMW und Mercedes, sondern zu der Marke, die beide o.g. Autos hergestellt hat.
      Und zu dieser Marke passt auch der Spruch mit der „ollen Möhre“ am besten von den besagten 3 Premiumherstellern, denn diese Marke verkauft Heute eher Lifestyle als Autos. Das tun die anderen zwar auch, aber dort steht man positiver zu den Fahrzeugen, die diese Marken einst berühmt gemacht haben, und von denen sie Heute noch zehren, obwohl sie keine Autos mehr verkaufen, sondern Lifestyle.

      So würde ich das mal einschätzen.

  2. Hatte was ähnliches beim örtlichen Mercedes-Händler, als ich mal wegen Inzahlungnahme meines W124 gefragt habe. „Ein W124 gehört nicht mehr zu den Autos, Die wir uns auf den Hof stellen wollen….“. Es ist schade, daß diese Perlen der Automobilgeschichte offensichtlich in ihrem Ursprungsland nicht mehr erwünscht sind.

  3. Selbst, wenn mein Händler meine 24 Jahre alte Celica nur zu Inspektionen sieht, stellt er sie, wenn sie fertig ist, immer strahlend sauber und prominent ganz vorne auf den Hof, meistens neben den GT86 Vorführer.

  4. Es würde mich auch wunder nehmen wegen Youngtimer bei Autohändler. In der Schweiz eher selten oder fast gar nicht, etwa bei Exporthändler, Fahrzeugverkaufsbörsen, etc.

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