Renaults W124: R25 – Stattlich staatlicher Qualitäts-Flop

Renault R25

Zwanghaft staatstragend? Im Alltag fällt der R25 mit seiner Linie kaum auf – optisch hatte er wenig spezifisches, wirkte alles in allem reizarm. Heute weiss man: Die Glasflächen sorgten für eine Rundumsicht, die später nie wieder erreicht werden sollte

Der Renault R25 war angetreten, alles besser zu machen. Die Modelle R20/R30 waren außerhalb Frankreichs ganz schlimm gefloppt – zurecht vermutlich, weil sie in vielen klassischen Qualitäten einer Limousine der gehobenen Mittelklasse versagt hatten: Rostvorsorge war sicherlich ein Thema gewesen – gepaart mit dem französisch weichen Fahrwerk, dass dem Durchschnitts-Germanen irgendwie nicht recht autobahntauglich erschien und den Europa-V6 war das in vielerlei Hinsicht verständlich.

Was setzte dem der R25 entgegen? Hm… am Ende des Tages nicht so sehr viel, wie die neue Karosserie zunächst vermuten ließ. Die Werbung versprach eine Art französischen Mercedes – und das zu einem deutlich schnuckligeren Preis – Renault-Verkäufer priesen vor allem den unfassbar futuristischen Bordcomputer an, der mit dem Stimm-Timbre eines osteuropäischen Schwimmtrainerin auf allerlei Zeug hinwies und Sätze wie „Bitte Waschwasser auffüllen“ beherrschte – als weit wichtigerer Satz entpuppte sich jedoch „Bitte suchen Sie einen autorisierten Renault-Fachhändler auf“. Selbst fanatisch religiöse Renault-Händler geben heute zu, dass nur der unselige Nachfolger Safrane noch signifikant schlechter zusammengebaut war als der Renault R25.

Renault R25 in Top-Ausstattung

So kann man es sich schon mal gutgehen lassen: Youngtimer R25 Baccara; selten

Speziell die Elektronik [nicht nur die des Bordcomputers] macht sich wenig Freunde. Darüber hinaus ist der R25 auch bei Renault-Mechanikern nicht eben beliebt, gilt als verbaut, eng und schlecht zu reparieren. Die Motor-Klassik brachte es kernig auf den Punkt „saloppe Verarbeitung und marode Langzeitqualität“ hatte man Renault ohnehin nachgesagt – der R25 machte daraus ein trauriges Gesamtpaket.

Renault R25: Das Schraegheck war zu mutig

Dass das Schrägheck ihn zum Kassengift machte, besiegelte sein Schicksal.

Dabei muss man ihn heute mal wirklich in Schutz nehmen. Wagt man heute eine Ausfahrt im Renault R25 Youngtimer, so präsentiert sich dieser nicht nur von schlechten Seiten. Der Innenraum ist ungemein luftig, das futuristische Cockpit sorgt für ein eigenartig gutes Kontroll-Gefühl, das man nach wenigen Minuten wirklich zu schätzen lernt.

Mehr noch gefällt an dem Youngtimer von Renault heute noch die Tatsache, dass sein geringer Luftwiderstandsbeiwert von 0,28-0,30 [je nach Modell] den Wagen sehr leise durch die Welt gleiten lassen – da wird selbst der zeitgenössische Audi 100 Youngtimer blaß. Das wiederum richtet unweigerlich noch mehr Aufmerksamkeit auf die Motoren – die Vierzylinder sind brummig, die Sechszylinder haben einen unwürdigen Klang. Das ist wirklich schade – macht doch der Renault R25 fahrerisch gar keinen so schlechten Eindruck – weder ist er kategorisch überdämpft wie sein Vorgänger noch unterdämpft wie manche seiner Nachfolger. Der Wagen fährt sich glatt und rund – vor allem, wenn die Automatik erworben wurde. Die gilt zwar auch nur als begrenzt langlebig, macht das Fahren aber wirklich sehr angenehm und passt unheimlich gut zum Gesamtcharakter des Wagens.

fürstliche Platzverhältnisse… da hält kein W124 mit. Sonst ist er dem R25 jedoch eher überlegen…

Außerdem sollte Leder an Bord sein. Die Ledersitze machen auch in hohem Alter oft noch einen sehr guten Eindruck, während die der Stoffversionen sich zum klassischen Rückenschmerz-Sitz entwickeln, ähnlich den frühen 190ern.

Was kostet ein solcher Youngtimer heute? Schwer zu sagen. Es gibt zwar hier und da mal wirklich gute Exemplare, auch mit frischem TÜV und rostfrei, aber eben nicht gerade häufig. Obwohl der Wagen zwischen immerhin 1984 und 1992 nach Deutschland kam, kauften ihn nicht übermäßig viele – schlechte Pflege tat schnell den Rest, was dem R25 heute eine eher unfreiwillige Exklusivität beschert.

Selbst die guten Exemplare liegen jedoch selten über 3.000€ – außer in Belgien oder Frankreich, wo der Wagen eine deutlich höhere Popularität hatte.

Renault R25

Bei dem Anblick feiert der Renault-Mechaniker gerne mal krank…. Andere Mechaniker erst recht

Alles in allem dürften die Preise auch nicht so schnell oder signifikant steigen, wie an manch anderem Ort – dafür ist beispielsweise auch die Ersatzteil-versorgung einfach zu schlecht.

Alles in allem ist der Renault R25 damit nicht eben ein Youngtimer für Anfänger – und dennoch hat sein stattlicher Fahrcharakter eine gewisse Aufmerksamkeit verdient. Ein gescheites Baccara-Exemplar aus einem rostfreien Land dürfte seinen Weg machen – unterm Strich aber ist der R25 ein typischer Youngtimer für Leute, die in einem solchen Wagen aufgewachsen sind. Hier entfaltet er seinen sehr spezifischen Reiz – und das entzieht sich einer sachlichen Beurteilung. Mit den aktuellen Preisen kann man es aber vielleicht mal probieren.