Youngtimer für Einsteiger I/VIII: VW Jetta II Typ 19

VW Jetta YoungtimerRucksack-Golf schimpften sie 1979 den ersten Jetta – und viele Auto-Zeitschriften lachten darüber, dass VW einen Wagen ins Programm nahm, der bei Opel gerade in Form des C-Kadetts aus dem Sortiment gestrichen worden war. Der Jetta II, der Ende 1983 erschien, hatte schon mehr Freunde in Fachkreisen – und auch unter den rüstigen Rentnern Europas wurde der Jetta II vom Typ19 außergewöhnlich gut angenommen.

VW Jetta – Baukasten @ its best

Das Konzept des Jetta war ebenso genial, wie es trivial war: Man nehme einen Kompaktwagen, hänge einen Kofferraum an, profane Großserientechnik unter der Haube, unzählig oft erprobt.

Die Idee war nicht von Volkswagen – Fiat hatte das bereits mit dem 128 gemacht, eine halbe Klasse tiefer. Aber der Jetta traf dort, wo er treffen musste: in einer Klasse, in der die Entwicklung eines eigenen Modells im Grunde  nicht bezahlbar war und die Rentner-Kundschaft

Jetta Youngtimer Front

Ein offenes und ehrliches Youngtimer-Gesicht: Jetta II

etwas gediegen verlässliches wollte, ohne dafür gleich das ganze Ersparte  auf den Kopf zu hauen.

In seiner Bauzeit bis 1992 zog der Jetta II das beste Zielpublikum an, das wir uns als Youngtimer-Freunde wünschen konnten Solide Rentner, die den Wagen häufig als letztes Auto fahren, auch wenn das bei der Anschaffung nicht immer so geplant ist.

Der Jetta II ist einer der letzten echten Youngtimer: Einfache und überschaubare Technik, simpel und zuverlässig. Hier ist kein sinnloser-HighTechTinneff verbaut. Der VW Jetta ist sehr mechanisch, sein Design einfach und symmetrisch – bis auf den leicht hohen Kofferraum. Mit dem Facelift von 1989 wurden die Proportionen des Jetta-Youngtimers sogar noch etwas besser.

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Aufgeräumt: Jetta Typ19

Generell bietet der facegeliftete Jetta  II Vorteile: Das sinnlose kleine Dreiecksfenster entfiel bei dieser Maßnahme, was nicht nur mehr Platz zum Arm heraushängen bietet, sondern auch einen besseren Blick in die Aussenspiegel gewährleistet.

Die Ersatzteilversorgung des VW Jetta Typ19 ist nach wie vor sensationell und die Teile sind konkurrenzlos billig – ganz gleich, ob es sich um Verschleißteile oder Karrosserieteile handelt.

Hinzu kommt, dass das Fahrverhalten des VW Jetta auch aus heutiger Sicht noch vorbildlich und berechenbar zuverlässig ist – berechenbar, verlässlich, klare Grenzbereiche. Das geringe Gewicht von unter einer Tonne sorgt zudem dafür, dass die Benziner mit 8-9 Litern auskommen, die Diesel zum Teil mit unter 6 Litern zufrieden sind.

Von wie vielen Youngtimern gibt es so viel Positives zu berichten?

Trivial: das kann jeder

Der Jetta II ist der ideale Youngtimer für Einsteiger und daher auch der Opener dieser Serie.  Seine Einfachheit macht auch heute noch Spass, alles fühlt sich sehr direkt an, sehr ursprünglich – so, wie es bei einem Youngtimer sein soll. Selbst Modelle ohne Servolenkung sind heute noch sehr fahrbar.

Top-Score bei der Motorisierung des VW Jetta ist der 1.8er mit 90PS, der sowohl sparsam als auch durchzugsstark ist – schließlich wurde er als GTI mit 112PS geboren. Aber auch die 75PS Maschinen reichen vollkommen aus. Der Turbodiesel mit 70PS ist eher selten und die 1.3 Liter Benzin-Version ist ein wenig schwach auf der Brust, während die 54 Diesel-PS dank höherem Drehmoment sehr ausreichend sind. Jedoch sind die Diesel grundsätzlich früher verbraucht worden und heute eher selten.

Auch das ist Jetta II: Getunete Youngtimer von diesem Typ findet man hier und dort in gutem Zustand. Nahezu alles, was man an den Golf bauen konnte, konnte man auch hier verwenden, was für einen gigantische Teileflut sorgte

Preise zwischen 800 und 2000€ werden für VW Jetta fällig, die auf dem Land häufiger zu finden sind, als in typischen Ballungsräumen. Das ist ein fairer Einstieg für ein angenehm spießiges Auto, in der simplen Art, die kurze Zeit später leider ausgestorben sind.