Proton Youngtimer? Die einzigen No-Timer

Es passiert uns ja immer wieder mal, das jemand uns schreibt: „Schreibt doch mal was über den Wagen,“ „Recherchiert doch mal dazu“ „Könnt ihr nicht mal…?“ – manchmal sprechen und auch Leute an, wie neulich geschehen auf einer Veranstaltung, auf der wir eigentlich inkognito waren, bis uns der Veranstalter outete, weil er damit negativer Berichterstattung über sein Newtimer-Treffenvorbeugen wollte – oder Vorschub leisten wollte, das war wirklich schwer zu unterscheiden. Hiermit gönnen wir ihm beides nicht ;->

Da wird man leicht schläfrig…

Unsere Meinung zu Newtimern ist nicht geheim und hat sich auch nicht geändert.

Nach unserem unfreiwilligen Outing, von dem bestimmt irgendwo Bilder oder Videos kursieren, fasste sich Ronny aus Schkeuditz ein Herz und sprach uns mit einer dieser Bitten an, der wir hier mal zu unseren Terms & Conditions nachkommen wollen. Ronny bat uns, doch mal einen Blick auf die tollen Youngtimer von Proton zu werfen. Eine dieser Marken, die wir noch vage kannten, aber leicht und erfolgreich verdrängt hatten.

Eins vorab: Zurecht.

Das Proton-Programm  kenne ich noch im Original – da hießen die Wagen noch Mitsubishi Colt und Mitsubishi Lancer – mit Ausnahme des Proton Coupes 418, das unseres Wissens nach von keinem Mitsubishi Band in dieser Weise lief. Jedoch: Man mag es auch nicht spontan bereuen…

Setzt man sich in die beiden vermeintlichen Volumen Modelle der Serie 300 [Colt] und 400 [Lancer], so ist denen eines gemein: Bei beiden meint man, der Hersteller habe sie penibel entlang des zurecht wenig populären Leitfadens „How to sell no cars“ entworfen und gebaut.  Tristesse der schlechten Japaner, gepaart mit norddeutscher Beamtenseeligkeit der frühen 90er – blutleer erscheint hier schon als Kompliment.

Technisch gesehen irgendwie schon ein Coupe – aber neben dem wird einem plötzlich klar, wieviel Design-Hirnschmalz Hyundai in sein S-Coupe gesteckt hat

Für einen kurzen Moment klingelt es da im Hinterkopf. War das so nicht auch mit den ersten Japanern? War das so nicht auch mit den ersten Koreanern?

Nein.

Die ersten Japaner hatten diese unschuldig schrullige Mischung, die sich den Amerikanern gleichermaßen anbiedern wollte wie uns Europäern – und dann kamen ein paar coole Kisten wie der Celica, schließlich gar der Palast LS400. Hyundai baute zuerst auch auf Lizenzen von Ford und Mitsubishi auf – aber sie strickten eine eigene Markenstory darum, lernten hinzu, wurden eigenständig und wagten hier und da mal was: Coupes, Oberklasse, SUV.

Proton hingegen zeigt die Phantasielosigkeit offen: Einen Mitsubishi genommen und um teilweise schlechte Innenraummaterialien ernüchtert und erniedrigt. Perodua folgt diesem Konzept heute noch recht erfolglos – beispielsweise in England.

Lebenslang für den Designer – und Sicherheitsverwahrung für die Jungs von der Farb- und Materialauswahl…

Diesem Konzept können wir keinen Vorschub leisten – für die Protons und Peroduas dieser Welt gilt: 2 Daumen runter, kein Hype zu erwarten, keine Wertsteigerung, nichts. Selbst die paar Leute, mit denen wir sprechen konnten, deren Eltern einen hatten, sagen: No way, weg damit. Tatsächlich wurden die Wagen praktisch nur im Osten der Republik gekauft, nach der Wende, weil sie als ebenso billig wie simpel galten. Im Westteil der frisch zusammengeführten Republik kaufte sie kaum jemand und kurz danach waren sie verschwunden. Nochmals kurz darauf verschwanden sie vom Deutschen Markt. und irgendwie ahnt man warum… doch selbst ihre kurze Bauzeit hievt sie nicht auf irgendein Treppchen  – dann lieber einen ehrlichen Lada Samara oder  E-Kadett. Gemessen am Allerlei der Protons wirken die interessant. Oder warten, bis Kia Shuma und Sephia endlich alt genug sind – die sehen zumindest schrullig aus.



7 Gedanken zu „Proton Youngtimer? Die einzigen No-Timer

  1. Mal ehrlich, ich persönlich finde den Golf II im Innenraum ehrlich gesagt auch nicht gerade spannend. Meine Familie hatte mal einen Golf II Function CL Turbodiesel. Sparsam war er. Aber innen eben langweilig.

  2. Zu größten Teils korrekt, allerdings mit 2 Ausnahmen: zum einen war Proton mit dem Wira in der Rallyescene -an der Basis, wo sonst- unterwegs.

    Und dann gab es noch den 318 GTI. Ein von Lotus aufgemotzter ehemaliger Colt GTI der alles hatte: Super Sitze, Spitzenfahrwerk, Leistung, Sound und Optik, wenn man auf solche Krawallbüchsen steht. In Sachen Fahrspass pro Euro nicht zu schlagen und eine Neubewertung von Euch wert.

    1. Der Rallye-Wira hat es sogar bis in gehobene Computerspiele geschafft. Hier müssen wir in der tat zugeben, dass der schon aus unserem mentalen Cosmos verschwunden war, valider Punkt

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