Hexenverbrennung: Youngtimer Citroen BX

in allem ein wenig eigen: Youngtimer Citroen BX

Ich höre sie schon wieder – unsere Freunde von den Citroen-Foren dieser Welt: Der BX war kein schlechtes Auto, viel besser als diese ganzen Japaner – Und technische Probleme hatte er auch nie…

Ja ja… Speziell bei CX-Fahrern zieht sich hier häufig eine Linie durch, die am anderen Ende des Flures mit Religionskriegen und Hexenverbrennung endet. Warum ist das eigentlich so?

Weil selbst wir zugeben müssen, dass ein CX und selbst der kleinere BX oder früher der GS / GSA einfach saucoole Autos sind – aber eben nur, solange sie fehlerfrei fahren – und das tun sie leider entschieden zu selten.

Bleiben wir mal bei den Fakten: Der Citroen BX war eines der schlechtesten Autos seiner Zeit. Tüv und Dekra bescheinigten ihm im Schnitt über die Jahre gut 50 bis 70% mehr Mängel als dem Durchschnitt aller Fahrzeuge. Gerne genommen: Gewrackte Bremsleitungen, Rost an wichtigen Elementen, Undichtigkeiten an so ziemlich jeder Stelle – am liebsten an den Federkugeln. Und speziell letztere machen einen so großen Teil des Charmes dieses Wagens aus.

Citroen BX innen

Bequemer, als sie aussehen: Die Sitze des Citroen BX, die sehr langstreckentauglich sind

Die Hydropneumatik, die Citroen in ihrer Urform bereits 1955 auf den Markt brachte, ist von ihrem Fahrkomfort her betrachtet wirklich das Non-Plus-Ultra und über jeden Zweifel erhaben. Jeder, der etwas von Autos versteht, sollte dieses Erlebnis einmal gehabt haben – dieses Schwebe-Wanken ohne schwammig zu wirken ist wirklich eine spirituelle Erfahrung.

Hier macht auch der BX keine Ausnahme. Obwohl der Wagen von aussen unspektakulär wirkt, kantig für einen Citroen seiner Zeit, ist sein Fahrverhalten nach wie vor so leicht durch nichts zu toppen und lässt den Wagen aufgrund seines hohen Komfortgrades ungemein oberklassig wirken. Und das Ding mal an der Ampel neben einem jungen Tiefergelegt-Typen herunterzufahren ist immer noch ein feiner Spaß. Auch die Strassenlage des Wagens ist ungemein lässig und erlaubt durchgängig hohe Geschwindigkeiten, wenn man sich erst mal mit dem zunächst leicht vagen Lenk- und Federgefühl arrangiert hat, dem es an jeglicher GSI-Härte mangelt, die man für solche Geschwindigkeiten für nötig hält.

Aber der BX ist auch zickig – das kann jeder bestätigen, der bei hoher Kurvengeschwindigkeit mal Gas wegnehmen musste… Hier zickt der BX und das Heck führt ein erstaunlich selbstbewusstes Eigenleben.

Das gilt umso mehr für den Kombi, dessen Überhang beladen das ganze noch verstärkt. Und der Wagen verleitet zu schnellem Fahren, speziell die Diesel, die für damalige Verhältnisse bereits unglaublich Dampf haben – lange, bevor VW in diese Szene einstieg.

Youngtimer BX Break

Der BX Break ist ein Kind der 80er – nicht traditionell schön, aber lässig

Überlebt haben seit dem Bauzeit-Ende in 1993, als der BX vom Xantia abgelöst wurde, vorwiegend BX Break [so nennt Citroen den Kombi] mit Dieselmotorisierungen. Hier findet auch man hin und wieder Exemplare mit weit über 200.000Km auf der Uhr [<= das ist euer Einsatz, religiöse Citroen-Fans… ;-> ], die sich durch gute Pflegezustände auszeichnen.

Die meisten Exemplare sind jedoch sehr verwohnt, was vor allem auch auf die teils verbauten Materialien zurückzuführen ist, die einen deutlich verwohnteren Eindruck hinterlassen als notwendig, speziell in den schlechter ausgestatteten Modellen.

Aber wer nach dem geleckten Rentnerexemplar sucht, wird nur selten fündig – zu avantgardistisch war das Zielpublikum, zu wenig Pflege-fixiert.

Wer einen einfach zu handhabenden Alltags-Youngtimer sucht, dem sei geraten: Finger weg. Wer etwas cooles, etwas wirklich cooles sucht, der sollte sich hier anstellen – ab 1500 gibt es vertretbare Exemplare – je näher an Saarbrücken, umso besser. Denn eines muss man dem BX natürlich lassen: Er ist ein Vertreter aus dem Bereich Individualität, wie man sie heute viel zu selten findet. Und dafür muss man halt hier und da ein Opfer bringen.



7 Gedanken zu „Hexenverbrennung: Youngtimer Citroen BX

  1. Hatte von 1998 bis 2000 einen BX GTI.
    Ich vermisse ihn immernoch.
    Anfangs hatte ich auch ein paar technische Probleme aber mit der Zeit wurde es besser.
    Insbesondere der Innenraum war sehr gut verarbeitet und hatte trotz 230.000 km kaum Abnutzungserscheinungen.
    Da war der Volvo 480 den ich von 2005 bis 2007 hatte deutlich schlechter verarbeitet.

  2. Man, man – du bist anscheinend den BX nie länger mal gefahren. Bischen viel Blödsinn der hier pauschal verbreitet wird von einem möchtegern Wissenden.

    Ja, es gibt zickige und rostende, genau wie bei VW. Opel und vielen anderen.
    Ja, es gibt sehr zuverlässige mir sehr wenig Rost.
    Habe vor 2 Jahren wieder einen 14 TGE von einem Hinterhof für 200€ erstanden (weit weg von Saarbrücken). KEIN Rost!! Hat 2 Jahre gestanden, ist sofort angesprungen, hat sich erhoben (ein göttlicher Anblick) -läuft und läuft und läuft.
    Pflegen muss man sie, aber das gilt ja für alle Old- und Youngtimer.
    Hier:http://bx.hotsurface.de/index.php gibts kompetente Beratung.
    Natürlich habe ich eine verklärten Blick, kenn den BX sehr gut und weiß was ich machen muss – auch das gilt für Eigner jedes alten Autos!
    Wer einen guten und zuverlässigen BX sucht wird fündig.

    Habe 6 BX gefahren und aktuell 2 im Alltagsbetrieb.
    KEINER hat mich im Stich gelassen oder ist mir unter dem Hintern weggerostet.
    Also fahre und Pflege ich sie weiterhin, Autos, die ohne den ganzen Elektronikblödsinn auskommen und deswegen auch nicht liegenbleiben können.

  3. Dem Gerede bzgl. Rost kann ich nicht zustimmen — klar hat auch der BX seine Schwachstellen, aber auch nicht mehr als andere Autos aus den 80ern, eher weniger. An meinem Break mit ’ner halben Mio km auf der Uhr mußte nach 21 Jahren das erstemal geschweißt werden. Find ich okay.

    Zur Zuverlässigkeit, naja, gemischt. Bei mir sind in gut 4 Jahren Alltags-BX zwei HP-Rücklaufschläuche abgefallen (trivial zu fixen), einer geplatzt (das war etwas mehr Aufwand), ein Motor festgegangen und einer abgebrannt. Diese kapitalen Pannen können Dir aber mit jeder alten Karre passieren (das Feuer, wenn die Spritleitungen morsch sind — wann hast Du Deine zuletzt gecheckt?). Sonst war: Nix. Nur Verschleiß. Auspuff, Bremsen. Wie alle alten Autos.

    Vorteil BX aber: längst nicht so verbaut wie frühere HP-Citroens (DS, GS, CX) und längst nicht so elektronisch wie spätere (XM, Xantia, C5) — das mit Abstand schrauberfreundlichste Hydropneumatikauto überhaupt! Teile sind (noch) billig, Autos auch.

    Mein Fazit: Diese Kombination aus Coolness, liebenswerter Verspultheit, Komfort und Alltagstauglichkeit ist nirgendwo preiswerter zu haben. Muß man mögen, aber dann gibts nix Besseres.

    Und, ach ja: Euer Aufmacherfoto ist extrem unvorteilhaft. Bedient Euch gerne bei meinem Website-Link für ein schöneres!

  4. Schade, dass ich erst jetzt auf diesen Blog gestoßen bin, aber auch heute noch scheit dieser Eintrag nach Richtigstellung, jetzt, wo schon einige Exemplare mit H-Kennzeichen herumfahren.

    Fangen wir mal mit der TÜV-Statistik an: Du schreibst ja schon selber, das Zielpublikum wäre „zu wenig Pflege-fixiert“ gewesen, das relativiert das ganze ja schon. In Bezug auf die Bremsleitungen liegt die Vermutung nahe, dass die Statistik auch die Hydraulikleitungen mit einreichnet , davon hat der BX naturgemäß viel mehr als konventionelle Autos, insofern ergeben sich dann auch häufiger Leckagen. Insgesamt ist eine Leitung aber nicht weniger langlebig als eine normale Bremsleitung.
    Dass Rost überproportional häufig vorkam, darf man angesichts der Teilverzinkung in Zweifel ziehen, andere Hersteller waren in Bezug auf Rostvorsorge tendenziell schlechter, sieht man mal von vollverzinkten Audis ab. Jeder Mercedes oder BMW aus der gleichen Zeit rostet mehr!
    Insgesamt kann man sagen, dass eben Citroen-Könner an dem Auto rumschrauben sollten, damals wie heute. X-beliebige freie Werkstätten hatten und haben einfach keine Ahnung davon, wie man eine Hydropneumatik instandhält. Das wirkt sich natürlich negativ auf die TÜV-Statistik aus. Wer sich aber vorher nach einer fachkundigen Werkstatt umschaut, wird viel Spaß im BX haben, Ersatzteile sind ausreichend vorhanden.
    Es gibt immer wieder alte/ehemalige Vertragswerkstätten, die einen BX reparieren können, vor allem in Städten, aber auch im ländlichen Raum. Und mit etwas Glück wohnt ein BX-Spezialist um die Ecke. Umschauen! Manche haben tatsächlich richtig Bock auf das Auto.
    Noch ein paar Worte zu Fahrstabilität: Der BX ist für ein so komfortables Auto sehr fahrstabil, Hydropneumatik eben. Die Zuladung beim Kombi kann man da kaum als Negativkriterium nehmen, dieses „Problem“ haben alle Kombis. Der BX eher weniger – schließlich sorgt die HP für Niveauausgleich.
    Ich fahre seit 3 Jahren neben einem CX Break Turbodiesel übrigens ein Rentnerexemplar (BX 14, damals 90 tkm, mit neuem TÜV für weniger als 1000 Euro, übrigens kein Einzelfall) und hatte am Anfang schon viel zu reparieren, einige Verschleißteile waren wegen der sehr langen Standzeit eben so alt wie das Auto selbst. Mittlerweile scheint der Wagen durchrepariert, ist ein wirklich enspannter Alltagsoldie und aufgrund der guten (!) Rostvorsorge braucht man da im Winter auch kein allzu schlechtes Gewissen haben.

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