Volljährige Japaner VIII/VII: Toyota

Über Toyota ist ja in den letzten Jahren vermutlich alles geschrieben worden, was man schreiben konnte… Zuverlässig sind sie, dann das coole Warenwirtschaftssystem, die lean production, Kaizen as a spirit – und nicht zu vergessen: Amis sind offensichtlich zu doof, um in ihnen geradeaus zu fahren ;->

Heute findet man Gebrauchtwagenhändler mit Schildern wie „Alle Deutschen Fabrikate und Toyota“ – im Autoland Deutschland praktisch der doppelte Ritterschlag!

Als Toyota in Deutschland startete, war das alles gar nicht mal so wahrscheinlich – die ersten Modelle sahen alle gruselig aus und einige fuhren sich auch so…

Macht mit seinem knackigen Po immer noch eine gute Figur: Toyota Celica Youngtimer… äh – Okay, Oldtimer

Die Modellvielfalt ist schier unüberschaubar und wir werden und noch einigen im Detail widmen – wie ja bereits mit dem Celica geschehen.

Interessant, aber leider so gut wie verschwunden ist der Toyota Carina II, in Deutschland

Zu brav einerseits – und in Polen andererseits

bis Anfang 1993 erhältlich. Der Carina ist nicht etwa verschwunden, weil er nichts taugte – er ist praktisch geschlossen nach Polen exportiert worden – dort gehört er zum Straßenbild wie hier der Golf III. Der unauffällige Japaner war der Pannenvermeider erster Güte, etwa so groß wie ein Passat und tatsächlich durch nichts zu zerstören – außer durch Rost; der setzte ihm vor allem an den Türen und Radläufen gerne zu. Für den Carina gilt leider: Die wenigen noch vorhandenen Modelle in Deutschland sind kaum der Rede wert – es scheint beinahe, als wäre hier wieder ein Klassiker verloren gegangen…

Jahrelang meistverkauftes Fahrzeug der USA, von Deutschen sträflich geschmäht und daher selten: Der Toyota Camry

Ein Treppchen darüber ruhte der Toyota Camry, der Toyota erstmals nicht nur bei seinen zufriedenen Besitzern Meriten einbrachte, sondern auch in der Fachpresse stattliches Lob einheimsen konnte. Der Wagen war einfach gut: Leise, sehr ruhig und butterweich zu fahren – wenn auch nicht gerade ein Kurvenjäger. Kein Wunder, dass er die gesamten 90er hindurch die Pole Position der US-Verkaufscharts belegte. Und Toyota fand den Camry so gut, dass sie ihn parallel auch als Lexus ES250 auf den Markt brachten – Batch-Design at its best.

Der Es250 kam nie nach Deutschland – und der Camry blieb nicht da… Afrika und erneut Polen waren begehrte Ziele – dadurch sind Toyota praktisch die einzigen Fahrzeuge, die aufgrund ihrer Qualität ausgestorben sind.

Leider hat man auch mit den anderen Toyotas in vielerlei Hinsicht wenig Youngtimer-Freude. Neben dem Celica  ist der Corolla, der in etwa dem Golf entsprach, noch zahlreich zu finden, obwohl auch von dem viele nach Polen, auf den Balkan und in Staaten, die es vor 1990 nicht gab gegangen sind.

Dem Corolla, der als meistgebautes Auto der Welt quasi die Brot-und-Butter Motorisierung unseres Planeten darstellte, fällt auch eingefleischten Toyota-Fans häufig schwer. Wer hier noch ein seltenes Coupe aus den 80ern findet, mag das anders sehen – der Rest ist einfach zu normal und zu langweilig. Und nicht nur das: Auch für üble Exemplare werden da gerne noch 3000€ und mehr aufgerufen, weil der Toyota ja schließlich ewig hält… Ob das auch gilt, wenn die Teile, die halten könnten, schon weggerostet sind, bleibt dann häufig rätselhaft.

Alles in allem ist das sehr schade, denn die Toyotas haben im Grunde wirklich das Zeug für langfristigen Fahrspass, wie der Celica zeigt.

Ein paar eigene Bücher lassen sich dem Land Cruiser widmen. Dieser Geländewagen, der zusammen mit dem Suzuki SJ und dem Mitsubishi Pajero praktisch die Geländewagenszene in Europa erst real werden ließ, ist in zahlreichen Formen im Angebot gewesen – kurz, lang, Heavy Duty oder eher Boulevard, großer LC, kleiner LC – und all das über Kreuz. So entstand ein brutal umfangreicher Mix, der von kleinen Nutzfahrzeuge bis hin zu großen Oberklassetrümmern reichte. Und – der aufmerksame Leser ahnt es schon: Die

Opfer böser Umbauten und gern gesehener Gast der russischen Szene: LC80

Oberklassetrümmer fanden ihren Weg aus dem Land heraus – Diese wiederum vorzugsweise nach Russland. Dennoch sind von diesen Wagen einige erhalten, auch in unserem Land. Wer hier jedoch von H-Kennzeichen und ähnlichen dingen träumt, wird recht schnell enttäuscht, da das Wort Originalzustand hier eigentlich nicht vorkommt. Vielmehr wurde der LC, der heute im Youngtimer-Alter ist, immer schon gerne mit abenteuerlichen Eigenanfertigungen, An- und abbauten verändert und dem persönlichen Geschmack, der zum Teil exzentrisch technik-affinen Zielgruppe angepasst. So sind viele der Toyota Landcruiser in der Lage, spontane Mondexpeditionen antreten zu können, werden aber mit dieser Ausstattung jeden Morgen auf der Autobahn von Bochum nach Herne gefahren… Aber man weiss ja nie, wann die Aliens zwecks Entführung herunterkommen werden. Dass die selbst auch in einem Toyota Landcruiser der Heavy Duty Serie kommen, ist relativ wahrscheinlich. Angeblich fährt sogar Bin Laden einen – und der wurde in den letzten 10 Jahren ähnlich oft gesichtet wie grüne Männchen ;->

Alles in allem sieht damit das Bild der Toyota-Youngtimer in Deutschland eher müde aus, oder?

Nicht ganz – der Celica bildet wie gesagt eine sehr rühmliche Ausnahme – und der Carina E könnte in ein paar Jahren ebenso Beachtung finden, wie der letzte nach Deutschland importierte Camry – allein schon, weil diese Fahrzeuge in nennenswerten Mengen verkauft wurden. Mal sehen, ob von denen ein paar in Deutschland bleiben…



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