Youngtimer-Größe im Fokus: Ford Taunus

Ford Taunus Heck vor dem letzten FaceliftFord Taunus… Das hat schon was – provinziell, wenn man so will – wer würde heute noch einen Wagen nach einem mittelhessischen Gebirge benennen….? Da klangen Capri und Granada schon irgendwie vielversprechender – aber Ford hatte sich Jahre zuvor auch nicht gescheut, einen Ford „Köln“ an den Start zu bringen.

Der letzte Taunus ist etwas besonderes – er ist wieder so ein Ende einer Ära, denn Taunus stand bei Ford lange Zeit für das gute Bürgerliche, dieses kleine Reihenhaus-Erlebnis von „geschafft haben“. Vom letzten Taunus mochte das am Ende keiner mehr so recht behaupten – als der im Herbst 1982 vom Ford Sierra abgelöst wurde, da war es höchste Zeit, denn der Ford Taunus war überaltert und wollte keinen Test mehr so recht gewinnen. Das hatte er auch die Jahre vorher schon nicht mehr so recht geschafft. Das Konzept „Viel Autos fürs Geld“, das ihn in den 70er Jahren groß gemacht hatte, schaffte sich gerade ein wenig ab. Ford Taunus Silber Letztes ModellDie Auto-Zeitungen bevorzugten die sachlich clever konstruierten Wagen – der VW Passat hatte die Klasse neu geformt und war zu Beginn der 80er Jahre mit einem so starken Modell erschienen, dass der Taunus wirklich nicht mehr haltbar war.

Und vielleicht macht ihn gerade das auch immer so spannend. Die letzte Version hat schon etwas verzweifeltes – da ist die 80er-Jahre Pflicht mit großen Rückleuchten, sachlichen Kopfstützen und dieErnte23! US-Referenz holziger Innenräume, die bis zuletzt im Programm befindlichen 6Zylinder-Motoren, die sonst in der Klasse so keiner hatte.

Das macht den Taunus schon zu einem schrullig schrillen Original der Reval Ohne und Ernte23 Generation.

Sein Wertverlust war gigantisch – das machte ihn leider schnell zum Wegwerf-Auto. Wenn man im Tatort der späten 80er einen heruntergekommen Trinker sah, wusste man immer gleich, in welches Auto er steigen würde – in einen braunen Knudsen, alternativ grün oder orange…

Das machte ihn dann aber auf der anderen Seite schneller kultig, als man das je erwartet hatte.

Einmal war am Ford Taunus cool, dass man ihn so spottbillig kaufen konnte, dass man noch Geld für coolen Lack und dicke Räder hatte. Und dieser US-Charme! Der Wagen wurde zum Kultmobil der Motoraver, die ihn schier verzweifelt amerikanisierten, bis nichts mehr von ihm übrig war.

Ford Taunus 1977

Der macht schon was her – leicht amerikanisch, aber nicht so viel, dass man bei den Nachbarn anecken würde

Originale Ford Taunus sind dadurch dann unliebsam schnell rar geworden – der Nachfolger Sierra hatte es da weitaus besser, ebenso der Granada, der zwar auch gerne mal mit US-Tinneff geschmückt wurde, aber doch eher das Modell der ersten Generation als das der letzten. Einen Originalen Ford Taunus zu fahren, ob die frühe Knudsen-Serie oder die späten Modelle ist daher heute wirklich cool.

Obercool.

Einer der Sieger der Herzen aus dem Frühlings-Foto-Wettbewerb

Einer der Sieger der Herzen aus dem Frühlings-Foto-Wettbewerb

Auch wenn das Fahrverhalten heute doch eher betagt wirkt – da helfen auch dicke Räder nur in Grenzen. Die Sitze sind immer ein bisschen zu schwammig, die Lenkung galt schon zu Lebzeiten nicht gerade als Präzisionsinstrument. Die S-Modelle, die tatsächlich über Gasdruckstoßdämpfer und Stabilisatoren verfügen, sind da wirklich ein Meilenstein und können viel mehr. Anfällig sind beim Taunus die Elektrik, die Vergaser und die Zündung. Außerdem neigen speziell die Sechszylinder zu allerlei Undichtigkeiten – selten ernst, aber es nervt eben ungemein.

Ford Taunus Turnier

Ausgezeichneter Lastesel – der Ford Taunus als Turnier. Heute in Deutschland so praktisch nicht mehr zu bekommen, sondern bei Umzügen über die Jahre einfach verheizt

Natürlich sind die 6 Zylinder Maschinen des Ford Taunus irgendwie lässig und klingen natürlich geil – speziell im Vergleich zu den V4 Motoren von Ford. Aber sie sind gehörige Säufer, nicht einfach nur durstiger als die Vierzylinder. Die beste Wahl ist der große Vierzylinder mit 101PS, der beherzt zur Sache geht, fast besser als der 2,3 Liter V6.

Spaß machen sie alle auf ihre Weise, weil sie so gestrig sind. Einzige Ausnahme bildet hier wirklich der 1300er mit schier lächerlichen 59PS. Das war ausreichend für einen VW Jetta – für einen Ford Taunus, der schon mit dem 1600er nicht gerade ein Rennwagen ist, war es lächerlich.

Ford Taunus Coupe Argentinien

Bis 1994 kam das Taunus Coupe in Argentinien zu Ehren

Allerdings gilt hier: So groß ist die Motorenauswahl am Markt auch nicht mehr – zumindest in Deutschland. Holland, Belgien, Dänemark, Schweden und diverse ehemalige UDSSR-Staaten sowie Polen kennen den Ford Taunus immer noch – Форд Таунус ist bei uns immer wieder ein wichtiger Suchbegriff… Ebenso wichtig: die Türkei natürlich. Hier ist übrigens auch die Ersatzteillage für die meisten mechanischen Teile nach wie vor ausgezeichnet. Dort wurde der Taunus bis 1993 gebaut, in Argentinien sogar noch bis 1994 – sogar als sagenhafte Coupeversion, die es am Ende auf 135PS aus 2300 Kubik brachte und sogar ein aufgemöbeltes Fahrwerk hatte. Zu der Zeit hatte hierzulande sogar schon der Nachfolger Ford Sierra abgedankt.

Da kann man mal sehen – war doch ein richtig großer, der Ford Taunus.



9 Gedanken zu „Youngtimer-Größe im Fokus: Ford Taunus

  1. Gerade Ford-Fahrzeuge mit diesem leichten amerikanischen (Kompaktwagen-) Design sind doch echt mal Klasse! Und dann eben halt mit recht starken Motörchen, was dem ganzen fast schon einen „Pony Car“ Einschlag gibt.

    Die Opels hatten vor Jahrzehnten stellenweise auch so einen kleinen Ami-Charme. Aber richtig getraut haben die sich leider nie das ganze mal richtig auf den Punkt zu bringen.
    Natürlich sind Full-Size-Kreuzer etwas zu groß für germanische Verhältnisse, aber dennoch tut etwas freches Ami-Design immer gut!!!
    Schade, dass das bei Opel immer nur so am Rande durchschimmert und auch Ford lässt es nicht so recht zu heutzutage.

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