Youngtimer im Fokus: Honda Legend, S-Klasse und Ludenschleuder

Der erste Honda Legend war einfach zu sehr Honda Accord. Dennoch war er ein qualitativ gutes Auto – sein Nachfolger ist jedoch der schönere Youngtimer

Ende der 80er Jahre machten sich die großen Autohersteller Japans auf, auch in Europa die Luxusklasse mit ihren Modellen zu beglücken. Infiniti von Nissan, Lexus von Toyota und Acura von Honda waren das Ergebnis.

Keiner war dabei so konsequent und erfolgreich wie Lexus – aber auf dem US-Markt landeten auch Infiniti und Acura

Unterschied sich nie ausreichend von seinem Limousinen-Pendant: Youngtimer Honda Legend aus der ersten Serie – könnte auch ein aufgepumptes Mazda 626 Coupe sein….

langfristige Treffer, wenn auch heute Acura nicht mehr ist, als ein rebadgeter Honda. In Europa jedoch durfte die Fantasie-Marke nie zum Zug kommen. Acura NSX und Legend wurden hierzulande unter dem Namen Honda verkauft. Der NSX fand eher Beachtung bei der Generation, die ihn im Computerspiel 4DSports Stunts

Hier war der Honda / Acura NSX ein gerngesehener Gast

kennenlernten, der Honda Legend erschloß sich nur einem sehr ausgewählten kleinen Kreis, obwohl viele seiner Qualitäten eigentlich wirklich formidabel waren.

Das gilt zumindest ab dem zweiten Modell. Das erste Modell wirkte schon optisch zu sehr wie ein aufgeblasener Accord – zudem musste der Wagen gleichzeitig die Plattform für die leicht seelenlose Nachfolge des Rover 3500 bilden. Das einzige, was der Wagen halbwegs gut konnte, war leise fahren und lange halten – bis auf einige nichttragende Teile, die zu Rost neigten. Aber es fehlte dem Wagen einfach an spezifischen Qualitäten. In den USA wurde er im wesentlichen vom Toyota Camry outperformed. Seine Maschine mit zunächst 2,5, später 2,7 Liter Hubraum wollte einfach nicht zum Prestige reichen.

Mit dem Nachfolgemodell sah dies schon ganz anders aus. von 1990 bis 1996 stellte Honda hier erstmals ein ernstzunehmendes Oberklassegefährt auf die Beine, dass sich eine echte Fan-Gemeinde erarbeitete. Speziell als Coupe hatte der Legend einen sehr speziellen Charme. Der üppig mit Leder ausgeschlagene Innenraum, die schier endlosen Türen, die langgestreckte Linie – all das hatte etwas vom gerade verblichenen Mercedes W126 Coupe, an dem sich zu dieser Zeit wohl jeder orientierte, der in der internationalen Oberklasse etwas erreichen wollte.

Honda Legend Coupe

Das große Coupe aus der Serie II ist einfach sexy und hat eine zeitlose elegante Linie. Leider fand der Wagen nie einen Nachfolger

Hochinteressant ist, sich einmal Tests aus Magazinen wie Car and Driver oder Whatcar? anzusehen – dort nämlich erreicht dieser Legend tatsächlich Spitzenwerte. Ganz im Gegensatz zur Deutschen Presse, bei der man kein Verschwörungstheoretiker sein muss, um zu verstehen, wer sie füttert. Tatsächlich war auch der zweite Legend ein herausragender Gleiter, der einerseits angenehm leise war, über eine ausgezeichnete Automatik verfügte und einen flüsterleisen, angemessenen 3,2 Liter Sechszylinder mit immerhin 205PS unter der Haube hatte, der einen gewissen Antritt sicherstellte.

Was man dem Wagen im Gegensatz zu seinem Vorgänger zur Last legen muss: er lässt sich nur schwer unter 13 Litern bewegen.

Leider hatte Honda etwas absurde Preisvorstellungen und bot den Wagen für 82.000DM an – zu dem Preis spuckte Mercedes auch einen 320E als Coupe aus – mit schlechterer Ausstattung versteht sich und eigentlich eine halbe Klasse drunter angesiedelt.

Das Coupe ist mittlerweile ein gesuchtes Auto, während die Limousine in Vergessenheit geraten ist und 1996 von einem leicht gesichtslosen Nachfolger ersetzt wurde, der zu sehr nach Honda Accord meets Lexus LS430 aussah. Leider gerieten die meisten Coupes, wie das bei großen Wagen mit hohem Wertverlust der Fall ist, schnell in schlechte Hände – der Gebrauchtwagenhändler spricht hier vom typischen Zuhälterauto: Dicke Felgen und großer Wartungsstau…

Im Innenraum hat der Legend Coupe heute die nötige Patina – der Wagen ist einfach ein schöner erhaltenswerter Youngtimer für verhältnismäßig kleines Geld.

Dennoch haben sich vom Legend hier und da ein paar gut erhaltene Exemplare aus Rentnerhand gehalten, vorwiegend in Norddeutschland und den Niederlanden. Exemplare mit geringen Laufleistungen sucht man hingegen im Regelfall vergeblich – 150.000 stark aufwärts heißt die Währung hier, ähnlich wie auch beim Lexus LS400., von dem es leider nie ein Coupé gab.

Der Honda Legend gilt als zuverlässig und leicht zu warten. Der 6 Zylinder ist verhältnismäßig anspruchslos – einzig das Automatikgetriebe ist als nicht ganz so robust bekannt, der Verschleiß an Bremsen ist eher hoch – aber das gilt sicherlich für viele schwere Automatikfahrzeuge.

Die Limousine ist in den Niederlanden und Belgien noch recht zahlreich, während sie in Deutschland schon ein wenig auf dem Rückzug ist. Die meisten verfügbaren Exemplare befinden sich hier in einem überdurchschnittlich guten Zustand.

Für richtig gute Exemplare sind selten mehr als 3000€ fällig – immer vorausgesetzt, man findet eins.

Der Legend sollte nicht sterben und nicht ausschließlich in den Händen von Gangs mit zweifelhaftem gewerblichem Interesse in der Bahnhofsgegend enden – dafür ist er sicherlich zu edel und zu schade. Auch heute noch macht sein sicheres Fahrverhalten, gepaart mit dem komfortabel luxuriösen Gesamtanspruch Spaß – und man fährt ein Auto mit hoch individuellem Charakter. Wo kann man so etwas heute schon noch bekommen?



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