The Long way UP: Youngtimerproduzent Volkswagen im historischen Review

nasenbaerMachen wir uns nix vor: Ende der 60er war VW sowas von im Eimer… Im Grunde baute VW den Käfer [seit weit über 20 Jahren] – dann den VW BUS, der ja am Ende des Tages nichts anderes als eine Art kastenförmiger Riesenkäfer war – und solch dämliche Dinger wie den VW 411, den 1500 und den 1600TL – allesamt irgendwie … naja Käfer eben: Heckmotor, Luftkühlung, der ganze Schmarrn.

Jetzt mag man sagen: Hey, war doch bei Porsche auch immer cool… – ja klar, aber in der Großserie eben nicht. Wie beispielsweise baut man einen gescheiten Kombi oder BUS, wenn da, wo man was reinladen möchte, der Motor ist? Eigenartiger Weise hat VW in Deutschland den Motor nie vorn eingebaut – obwohl sie diesen Schritt in Brasilien sehr wohl vollzogen haben. Aber in Deutschland wurde gegen Ende der 60er immer klarer, dass der Käfer nach dem Krieg lustig war, robust und einfach zu reparieren – aber daß dann irgendwann eben auch die Nachkriegszeit mal zu Ende war…. Nur bei VW nicht – die hatten geschlafen.

Volkswagen Passat 1974

Vorbote einer neuen Generation und prinzipiell ein Audi 80 mit Schrägheck: Youngtimer Volkswagen Passat I. Daher war VW auch nicht gerade in dem Verdacht, irgendwo in der Nähe einer Premiummarke zu sein oder so – vielleicht sogar eher im Gegenteil. Ab einem gewissen Zeitpunkt wurden die Käfer-Fahrer eher belächelt – der röhrende Motor mochte noch so lange laufen, die fehlenden hinteren Türen… alles wirkte irgendwann gestrig, während Opel schon Oberklasse versuchte und Ford gehobene 6 Zylinder offerierte.

Volkswagen kann Sport, geht doch – die Ablösung des Karmann Ghia war fast noch überfälliger als die des Käfers…

Beinahe wäre das schief gegangen, beinahe….

Die Rettung kam als Konzern-Lösung für Audi und Volkswagen gleichermassen – aus der Erbmasse von NSU kam der Mitteldruckmotor, der Frontantrieb und all die Dinge, die VW wieder auf die Spur brachten. Und dann feuerte Volkswagen bei den heutigen Old- und Youngtimern gleich das komplette Feuerwerk ab: Passat, Golf, Scirocco, Polo– von einem Tag auf den anderen war Volkswagen plötzlich Vollsortimenter geworden – ein ernstzunehmender obendrein, der bis zur Mittelklasse nun alles abdeckte und sich wieder zur bedrohlichen Konkurrenz aufschwang. [Gut, den K70 wollte wirklich niemand, obwohl der heute cool ist…]

 

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der spiessigste alle Spießer: VW K70 – ein ungeliebtes Stievkind

Aus der Käfer-Zeit nahmen die neuen Volkswagen darüber hinaus zurecht den Ruf der Solidität mit – obwohl die Volkswagen der 70er eher zu Rost neigten. Dennoch: Mechanisch grundsätzlich langlebig und konzeptionell sehr durchdacht, fuhr Volkswagen fortan immer an der Spitze mit. Nachdem der Golf einmal die Spitze der deutschen Zulassungsstatistik erreicht hatte, gab es kein Zurück mehr. In einem kurzen schwachen Moment wurde er mal vom Auslaufmodell des Kadett D abgehängt und einmal vom Auslaufmodell des Mercedes W123 – ansonsten ist der Golf praktisch seit seinem Erscheinen das Maß der Dinge in dem nun „Golf-Klasse“ getauften Segment geworden. Vom Golf werden heute Monat für Monat mehr Autos zugelassen als von der kompletten Opel-Modellpalette [!].

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Als Opel und Ford auf Kompaktklasse umstellten, spielte VW den Baukasten-Joker und zockte praktisch das ganze Segment ab

Zurecht?

Ein finales Urteil hierüber zu fällen, wäre vermessen – auffällig ist aber allemal, dass VW die ganze Zeit über auf ein paar Themen wert gelegt hat: Konsistenz, ständige Verbesserung und Werterhalt. Speziell das Thema Facelift und Detailverbesserung wurden von VW zu beinahe rituell erhobenen Qualität gesteigert. VW erlaubte sich in den folgenden Jahren wenig Ausrutscher, ebenso wie keinerlei Kehrtwenden oder unklare Strategien. Ein Golf-Nachfolger sah im Grunde immer aus wie sein Vorgänger, während Kadett / Astra praktisch mit jedem Modell etwas neues versuchten – Escort / Focus phasenweise ebenso.

Ebenso arbeitete Volkswagen ständig am Baukasten-Thema, was uns Youngtimer-Fahreren im Grunde entgegenkommt. Nicht nur, dass die generelle Verbreitung von Volkswagen im Youngtimer-Segment extrem überproportional ist – die Teile von Golf, Scirocco, Passat, Jetta, Polo sind sich alles in allem weitaus ähnlicher als beispielsweise bei Ford oder Opel und darüber hinaus häufig sozusagen aufwärts- und abwärtskompatibel, was bei den anderen Marken weitaus weniger häufig der Fall ist.

Lego-Baustein Nummer 1 – der Golf Typ 17 definierte viele VW Standards der folgenden Jahre

Speziell der Baukasten brachte darüber hinaus lustige Blüten hervor. Der Jetta etwa wurde von VW praktisch aus dem Hut gezaubert, als er den anderen Marken gerade fehlte. Der erste VW Caddywäre so von keinem anderen Hersteller zu einem solchen Kostensatz produzierbar gewesen. Waren die VWs deshalb billig? Nein – zu keiner Zeit… Speziell in der Ausstattung zeigte sich ein Geiz, den keine andere Marke kannte. Bis weit in die 80er hinein musste man bei VW Aufpreise für rechte Außenspiegel oder Intervall-Schaltungen beim Scheibenwischer bezahlen…

Durfte noch eine Zeit den Boxer im Heck behalten, obwohl es hier eigentlich am dümmsten war

Im Youngtimer-Alter stört das nicht mehr. Viele der wichtigsten Youngtimer kommen von Volkswagen und sind aufgrund ihrer damaligen Verkaufszahlen zahlreich vorhanden.

In Deutschland kein echter Hit, aber die Bahn und die Post mochten ihn irgendwie – ebenso zahlreiche lustige Tuner, die mit diversen Umbauten auf den Markt kamen

Hinzu kommt: bevor der leicht unselige Golf 3 auf den Markt kam, war VW qualitativ wirklich einer der besten Anbieter am Markt, was und heute zugute kommt. Auch die Ersatzteilversorgung der Wagen ab 1973 ist zuverlässig und gut organisiert – vielleicht nicht so gut wie bei Mercedes, aber ansonsten sehr verlässlich. Auch in Bereiche hinein wie Reparaturbleche, etc. – von denen müssen allerdings auch viele Fans Gebrauch machen – neben den gruseligen Antriebswellen war Rost an ein paar typischen Stellen auch ein Baukastenphänomen, das die gesamte VW-Palette betraf.

Richtig selten sind heute die Stufenheckversionen, die VW nie so recht erfolgreich unters Volk bringen konnte: VW K70 ist ein ausnehmend seltener Oldtimer geworden – der Santana oder später auch Passat Stufenheck steht ihm perspektivisch in nichts nach, während alle Golfs und Passats sehr gut verfügbar sind, ebenso wie Sciroccos und Polos, hier speziell der Golf 2 und der Polo 86c, sehr verfügbar sind.

Mit dem Golf II tun sich viele noch schwer – außer als Country, der praktisch 3 Minuten nach Erscheinen Kult-Status hatte

Mit dem Golf II tun sich viele [zurecht] als Youngtimer schwer… Irgendwie sieht er wohl im Straßenbild immer noch viel zu selbstverständlich aus – im Gegensatz zum Jetta II aus der selben Phase – hier wird sogar sehr bald der Vento akzeptiert werden, der zu Lebzeiten ein Flop war. Ebenso übrigens wie der Corrado, der Volkswagen nach Jahren der Erfolge in diesem Segment mit Scirocco und Scirocco II in die Knie zwang, bis das Segment der Sportler von der Stange schließlich aufgegeben wurde.

Eine gute erste Informationsbasis bietet Volkswagen mittlerweile selbst an. Wir haben uns bei Volkswagen zwischenzeitlich gewidmet:

Polo I
Polo II
Jetta I
Jetta II
Passat B2
Passat B3
Scirocco II
Corrado
Golf GTI Typ17,

während wir den Käfer immer gemieden haben… diese Szene hat sich in etwa so sehr verselbständigt wie die rund um den 911er Porsche und treibt nach wie vor beeindruckende Blüten. Vermutlich könnte VW heute, 40 Jahre, nachdem das Festhalten am Käfer sie beinahe in die Knie gezwungen hat, den Wagen sofort wieder bauen und eine neue Fangemeinde aus dem Stand um sich scharen…



1 Gedanke zu „The Long way UP: Youngtimerproduzent Volkswagen im historischen Review

  1. Ich weiss nicht warum der VW Käfer so verpönt ist,ich muss sagen es war mein 3 tes Auto,er war sparsam,hatte ein Serienmässiges Bett für 2 personen zum Reisen,ja ihr hab richtig gelesen,ein Bett vorderen Sitze nach vorne geschoben,die hintere Sitzbankim Fussraum gelegt und hinten umgeklappt ergab es ein Bett.Ein weiterer Vorteil war man konnte das Auto,so hab ich es gemacht mit 3 Tonnen Steine beladen ohne das er muckte,er lag zwar auf den Anschlagpuffern,aber man bekam es weg.Den dritten Vorteil gabs man konnte den Käfer in heisseste Ländern fahren oder nach Sibierien,er lief immer.auch der Stauraum war ok,man musste nur zusehen wie man immer alles unter kriegte.
    Ich würd den Luftgekühlten heute noch kaufen.
    Und wenn er kein Blechtank gehabt hätte hätte er sogar sehr gut im Crashtest abgeschnitten

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