Maut-Autobahn: Die Französische Auto-Industrie in ihrer Youngtimer-Phase

frankreich-karte!Schaut man auf ein Land wie Frankreich, sicherlich in vielen Belangen eines der führenden Länder in Europa, kann man sich durchaus fragen, warum die Auto-Industrie dort nicht die breite Vielfalt und Blüte erlebt hat wie beispielsweise in Großbritannien, wo es eine schier unüberschaubare Fülle an Fahrzeugherstellern gab, selbst ohne Berücksichtigung der KitCars.
Frankreich war immer schon ein recht zentralistisches Land – so auch im Autobau – und dennoch gab es zumindest früher noch mal die eine oder andere Marke mehr, an die sich heute keiner mehr erinnert, wo die Dreifaltigkeit aus Citroen, Peugeot und Reanult Frankreich motorisiert – und das eher mit wachsender Langeweile.

Peugeot 504 Cabrio youngtimer

Da wage mal einer zu sagen, FRanzosen konnten keine schönen Autos. Das Coupe des Peugeot 504 war unerträglich schön, das Cabrio fiel dagegen schon fast ab und darf dennoch als Maß der Dinge in diesem Segment gelten

Simca etwa agierte noch bis 1978 auf dem französischen Markt, wenn auch schon längere Zeit nicht mehr mit dem Erfolg, der den Aufwand gerechtfertigt hätte. Dennoch erinnert sich der eine oder andere noch an die teils auffällig schrulligen Fahrzeuge der Marke, die in ihren späten Jahren teilweise mehr durch ihre gruselige Qualität auf sich aufmerksam machten.
Leider war dies im Bezug auf die französische Automobil-Industrie ein durchgängiges Thema in den relevanten Youngtimer Jahren. Rost war ein Dauer- und Flächenproblem. Schlimm auch: die Fertigungsqualität, die nicht einmal pauschal schlecht war, sondern eher durch unfassbare Schwankungen in der Serie auffiel.
So gab es hier einen Renault R20, der 120.000 Kilometer halbwegs mängelfrei lief, während der des Nachbarn 4 von 5 Tagen in der Werkstatt verbrachte. Ein Trauerspiel, das in den frühen 80ern seinen Tiefpunkt erreichte, als Dauertests mit Citroens rund um den Globus abgebrochen wurden, weil es einfach keinen Sinn hatte.

Talbot Solara

Nicht alle französischen Youngtimer sind schön. Als der Talbot Solara entwickelt wurde, waren die Designer vermutlich gerade im Streik und da musste es der kleine Sohn vom Chef machen oder so. Langeweile hat einen Namen

Das erholte sich allerdings auch wieder. Der Peugeot 205 beispielsweise galt als eher robust, was sich bis heute bestätigt.
Matra war in Frankreich für die Experimente zuständig. Die dreisitzigen Yountgtimer Bagheera und Murena sind eine Klasse für sich – vom Matra Rancho mal gar nicht zu sprechen, der seiner Zeit versehentlich Generationen voraus war.
Experimentall teilweise auch Citroen, dafür uneingeschränkt cool – zumindest für mutige Zeitgenossen… Aber immerhin nahm man Citroen in Europa die Oberklassigkeit, die gehobene Mittelklasse ab. Peugeot scheiterte mit dem 604 kläglich, der Talbot Tagora war ein lächerlich schlechtes Auto, dessen gehobene Mittelklassigkeit nicht den Hauch eines Anklangs bei uns fand und schließlich sogar in Frankreich milde belächelt wurde und trotz gigantischen Entwicklungs-Investments nach 34 Monaten eingestellt wurde.
Renault dokumentierte Frankreichs kollektive Gleichgültigkeit in Umwelt-Themen beeindruckend dadurch, dass sie als letzter Hersteller in Europa endlich ihre Komplette Modellpalette mit Katalysatoren ausstatteten – kein Wunder: In Frankreich wurden diese oftmals bereits im Showroom wieder ausgebaut….

simca_mit_gesichtDennoch war Renault nicht nur in Frankreich sehr erfolgreich – auch in Deutschland hatten die Wagen trotz einiger Qualitäts-Tiefs wie dem R14 oder dem späteren Laguna immer Fans. Der Renault 5 – als der kleine Freund beworben – hielt sich in Großstädten tatsächlich ewig, ebenso der Klassiker R4. Einen Renault 30 heute zu finden, ist hingegen praktisch ausgeschlossen, Renaults wie der R21 schier ausgestorben, Golf-Konkurrent R14 vom Erdboden gefegt. Für die lange Beziehung taugten viele Franzosen den Deutschen nicht… Dafür schrieben heutige Französische Youngtimer wie die frühen Renault Espace Geschichte und begründeten Genres.

Franzöische Kleinwagen hatten stets mehr Pep als der Polo und  selbstverständlich längst 4 Türen als die

Gerne auch mal anders: Coupe mit 3 Sitzen von Matra

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Deutschen das noch lange nicht auf die Reihe bekamen. Ebenso wussten Franzosen schon serh früh, wie man große Kombis bauten – Französische Familien hatten im Schnitt eben häufiger auch mal 3 oder 4 Kinder, als in Deutschland die 2Kind-Familie schon gesiegt hatte…

Solche großen Kombis heute zu bekommen, wie generell französische Youngtimer, erfordert Geduld und viel Liebe zum Objekt… Heute wollen wir uns die mal nehmen 😀