Kammenbär: Youngtimer in Frankreich

Verbannt in den Alltag – Youngtimer im Pariser Stoss- und Kratz-Umfeld

Was in Deutschland der W123 oder W124 ist in Frankreich der Citroen CX, die moderne Diva. Da dessen größtes Problem im Grunde ohnehin der Rost war, lebt er in einem Land mit dem Klima Frankreichs vergleichsweise  besser und länger als bei uns Germanen. Und: hier wurde der Wagen zum Teil auf dem Niveau gepflegt, wie man das in Deutschland eher von BMW und Mercedes-Youngtimern kennt. Das gilt vor allem für die Langversion.

Der Citroen CX sieht heute noch so futuristisch aus wie 1976 – wenn sie nur die Qualität je so gut im Griff gehabt hätten…

Aber auch hier gilt: 10.000€ sollte man für gute Exemplare des technisch komplexen Autos bereithalten, wie uns ein französischer Autohändler erklärt  – 2000 zum Kaufen, 8000 zum reparieren… Dennoch – wie um den W123 oder W124 hat dieser Wagen es zu einer Fan-Szene gebracht.

Und danach? Kommt in der Youngtimer-Szene erst mal ein großes klaffendes Loch.

Nach unserem letzten Youngtimer-Marktcheck in Frankreich im Sommer 2006 hat sich in der Szene hier erstaunlich wenig getan. Youngtimer sind in Frankreich keine echte Szene geworden, auch heute nicht – zumindest dann nicht, wenn man das mit anderen Ländern vergleicht. Die meistgelesene Zeitschrift in dem Segment ist beispielsweise die Practical Classics – fraglos eine großartige Zeitung, aber eben auch nicht gerade mit dem Fokus auf Frankreich gesegnet.

Einerseits liegt dies zweifelsfrei schon mal daran, dass die Franzosen ihre Autos einfach nicht so früh wegwerfen, wie wir Deutschen das ja gerne und gründlich tun. Das, was wir hier gerne als Youngtimer feiern, steht an den Ausfallstraßen von Paris noch fröhlich verbeult im Alltag herum.

Sowas annonciert der Franzose noch gerne als „guter Zustand“ – Peugot 505, Endphase, schlechte Substanz, anspringen wollte er leider auch nicht…

Vor allem verbeult… Das ist ein Thema, dass uns Deutschen den französischen Youngtimer-Markt im Grunde komplett verschließt. Youngtimer ohne Beulen und Kratzer unterhalb der Radlauflinie gibt es praktisch nicht – zumindest nicht in den Städten und innerhalb der Städte schon mal gar nicht in Paris. Hier gilt diese Aussage auch für neue Autos – im Grunde könnte man die Kratzer gleich werksseitig installieren…

Glücklicherweise lässt das mildere Wetter die Peugeot 504 dieser Welt nicht so schnell rosten wie in unseren Gefilden. Dennoch: Die grundsätzlichen Zustände der Fahrzeuge machen wirklich wenig Spaß.

Hinzu kommt: die wirklich coolen Autos sind auch in ihrem Ursprungsland teuer – Citroen CX und Peugeot 505 etwa sind in Frankreich effektiv eher teurer –

In Deutschland gab es den schon neu nicht wirklich, geschweige denn gebraucht. Der Peugeot 604 ist als Youngtimer selbst in seinem Herkunftsland eher rar – aber hier und da für 3-4000 zu haben.

zumindest dann, wenn sie einen guten Zustand haben, was in Frankreich eben so rar ist, dass es den Preis entsprechend marktgerecht in die Höhe treibt.

Schnäppchen kann man nur auf dem Land machen, wo manch einer seinen Wagen länger behält und pfleglich behandelt – und auch der Parkraum nicht so rar und eng ist. Die Bretagne taugt hier ebenso wie der Südwesten Frankreichs – was günstig ist, weil man dort auch prima Urlaub machen kann ;->

Was uns der Golf GTI, war dem Franzosen sein R11 Turbo – leider ein Säufer und gerne sinnlos verspoilert. Schmucke Exemplare gibt es trotzdem für 2500€

Speziell im Süden findet man noch die ganzen schrulligen Renaults, die es hier schon nicht mehr gibt: R11, R9 und R14, die in etwa Golf und Jetta des französischen Konzerns darstellten und auch von einer sehr vergleichbaren Zielgruppe gefahren wurden, die eher alt ist und eher pfleglich mit ihren Wagen umgeht. Rekordbesitzer eines R9, den wir angesehen haben: satte 91 Jahre, Erstbesitzer.

Auch zu finden: der R25 sowie seine älteren Brüder R20 und R30, die in Deutschland kurz nach ihrem Erscheinen ausgestorben sind, aber wirklich ganz smarte Fahrzeuge sind. Unerträglich: Selbst halbwegs gepflegte Exemplare

Renault R25

Hier gibt es keine Rückenschmerzen: Renault 25 in der seltenen Langversion – angeblich aus prominentem Vorbesitz [zwinker, zwinker…]

haben Sitze, auf denen auch junge sportliche Menschen Rückenschmerzen bekommen. Die ohnehin wenig optimale Polsterung wird mit den Jahren nur schlimmer…

Ein Highlight hatten wir dann am Ende aber doch noch: Nachdem wir uns trotz Navi verfahren hatten, stießen wir zufällig auf ein R5-Treffen, dass sich gerade auflöste. Die meisten von stattlichem Rost überzogen.

Andere Länder, andere Sitten.



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