Renault R14 – Poire oder Untergang durch Schrott mit Schliff

renault_r14_birne

Einer der schlimmsten Flops der französischen Werbeagentur Publicis – die übrigens bis heute für Renault tätig ist

Der Renault R14 trägt einen äußerst zweifelhaften Preis: In einer internen Umfrage im Jahr 1991 zum Thema Qualität wählten ihn die Renault-Mitarbeiter zum schlechtesten Auto – wohlgemerkt: Zum schlechtesten Auto, dass sie selbst je gebaut hatten… Renault gab sich alle Mühe, diese Geschichte unterm internen Deckel zu halten – aber wie das nun mal so ist… dort garte sie, köchelte vor sich hin…
Tatsächlich stand der R14 pauschal nicht von Anfang an unter einem schlechten Stern, beileibe nicht.
Er wurde von einem völlig neuen Team entwickelt und sollte vor allem dadurch glänzen, dass er interdisziplinär entwickelt wurde, was damals in Europa nicht unbedingt üblich war. Will meinen: bei jeder wichtigen technischen Entscheidung war auch ein Designer am Tisch, bei jeder Marketing-Entscheidung auch ein Ingenieur.
Das klingt nicht dumm.Renault R14
Faktisch ging das leider in vielerlei Hinsicht komplett daneben – nicht nur bezüglich der gefertigten Qualität. Die Entwicklung verzögerte sich und wurde entschieden zu teuer – und das war noch nicht alles: Die Interdisziplinäre Entwicklung fand zusammen mit Peugeot statt, die den Wagen ursprünglich auch bauen sollten, sich dann jedoch immer mehr aus dem Projekt zurückzogen. Der Wagen erschien schließlich ausschließlich als Renault R14, nur der Herz-Motor stammte von Peugeot und war ein überarbeitetes Aggregat aus dem entschieden kleineren Peugeot 104 – aufgebohrt für die Leistung, die der Golf Konkurrent Renault R14 benötigte.
Bei seinem Erscheinen wurde der R14 sogar von der frankophoben Teutonen-Presse bejubelt. Der Wagen war genau das, was die Golf-Klasse brauchte: Luftig war er im Innenraum, weit leiser als der erste Golf oder der Kadett D. motorraum_renault_r14Bis heute fühlt sich der Wagen an, als sei er im Grunde eine halbe Klasse größer gewesen, langstreckentauglicher oder, wie Renault später für sich [zurecht] beanspruchen sollte: Ein Auto zum leben.
Leider stellte sich sehr sehr bald heraus, dass die Verarbeitung, wie später auch die Renault-Mitarbeiter bestätigen sollten, zum schlechtesten gehörte, was man damals kaufen konnte.
Ein belgisches Auto-Magazin landete einen eigenartigen Zufallstreffer: Während eines Langzeit-Tests blieb der Renault R14 der Redaktion überproportional oft liegen, beziehungsweise startete nicht, wenn er warm war. Grund war ein falsch verlegtes Kabel, wie sich nach langem Forschen herausstellte. Also beschaffte sich die Redaktion einen anderen Renault R14, bei dem das Kabel tatsächlich vollkommen anders verlegt worden war. Drei weitere Vergleichsfahrzeuge zeigten, dass das betreffende Kabel komplett zufällig verlegt wurde – ohne erkennbaren Grund… R14_renault_garageInsgesamt stellte sich die Fertigungsqualität des Renault R14 als sehr zufällig und schwankend heraus. Und die Rostvorsorge als eher lächerlich.
Effektiv war der Renault R14 hier ein echter Sargnagel am Stammtisch, wo fortan jeder wusste, dass Renault qualitativ Mist baut, was sie leider mit Renault 18 [in Grenzen] und Renault Fuego [vollumfänglich] bestätigen sollten. Als schließlich auch die üblichen Regierungsbehörden Stützkäufe, wie damals in Südeuropäischen Ländern eher üblich, ablehnten, zog Renault die Leine der Schadensbegrenzung und stampfte den Renault R14 nach nicht einmal einer Million Exemplaren [993.000] ein, obwohl seine aufwendige Entwicklung eher 4 Millionen Exemplare benötigt hätte, um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. Nur die französische Polizei in Nordfrankreich kaufte satte 6.000 Exemplare.
Zu allem Überfluss zog zu Lebzeiten ausgerechnet Haus-Werbeagentur Publicis den Renault R14 auch noch unbeabsichtigt in den Schmutz – ein desaströser Fall.

Während Publicis mit einer Birne die organischen Designkomponenten des Renault R14 hervorheben wollte, die ihn beispielsweise vom Golf abhoben, nahm die Bevölkerung die wenig charmante „Birne“ fortan dankbar als Spottnamen des Renault R14 auf, den er bis zuletzt behielt. Und nicht nur das: Renault hatte – und das passte eigentlich ins Birnen-Bild – den guten Luftwiderstandsbeiwert des Renault R14 bekanntgegeben. Prompt mass eine Autozeitung nach und kam auf einen deutlich höheren Wert. Allen Bemühungen zum Trotz: aus der Nummer kam Renault nicht mehr raus.

Renault R14

Schlichte schöne Modelle des R14 sind in Deutschland nicht mal mehr rar – es gibt sie nicht

Der Renault R14 wurde zum Abschreibungsobjekt. Die geplante Turbo-Version, die dem Golf GTI Paroli bieten sollte, wurde auf den Renault R11 verschoben. Der Renault R14 ging in Ungnade und musste sogar noch nach Bauzeitende zwei Rückrufaktionen erdulden.
Alles in allem ein ungemein unrühmliches Ende für einen Wagen, der in seiner Innenraum-Konzeption dem Golf der Zeit ebenso überlegen war wie dem Escort oder Kadett dieser Jahre. Immerhin hatte der Renault nicht nur klappbare Sitze – man konnte die hinteren Sitze sogar mit 4 Handgriffen entfernen und den Renault R14 so praktisch zum Kombi machen, der dann tatsächlich mehr Ladefläche bot als der Escort Kombi!
Der Renault R14 hätte cool sein können, daran gibt es gar keinen Zweifel – wäre er nur nicht so nachlässig gehandhabt worden.



11 Gedanken zu „Renault R14 – Poire oder Untergang durch Schrott mit Schliff

  1. Mir gefällt er. Das schlechteste Auto jenerJahre war schliesslich der Golf I. und nicht die wegweisenden Franzosen.

  2. Seit diesem Jahr Besitzer einer Birne 😉
    Werde das Auto komplett restaurieren, bis auf den Innenraum, der sieht noch wie neu aus… der Rost frisst gerade das Auto weg…
    Bin kein Renault Fan, aber das Auto hat es mir angetan…
    Ein Hinkucker, oder Blickfang ist das Auto auf jedenfall, egal wo man hinfährt die Leute haben ein Fragezeichen auf dem Kopf…
    So gesehen schade was damals alles schief gelaufen ist bei Renault….

  3. Technisch war der Renault sicher nicht schlechter als die Produkte der Konkurrenz jener Jahre.
    Von Konzept her war er jedenfalls überzeugend.
    Überhaupt nicht klar war den Leuten jedoch jener Jahre die hysterische Wirkung der Medien jener Jahre, welche Vorkommnisse ins Unendliche aufbauschte, gibt etliche Beispiele.
    Wie hier beim Renault, war die öffentliche Meinung erst mal gekippt (War ja klar, nen Franzose) wars vorbei und nichts mehr zu retten.

  4. Das war mein erstes Auto (Baujahr 1979) als Student 1985 für stolze 1900 DM.
    Der Wagen war wirklich erstaunlich leise und komfortabel gefedert. Die Schaltung war aber sehr hakelig. Auch der Innenraum wahr sehr geräumig und schön plüschig.. Der Rostbefall war aber katastrophal (Wassereinbruch durchs Handschuhfach ;-)), auch der Verschleiß der Bremsbeläge vorne. In der Zeit habe ich alles selbst repariert, auch riskante Dinge wie Wechsel des Bremskraftverstärkers. Insgesamt denkt man aber an sein erstes Auto positiv zurück, auch wenn es unterm Hintern zerbröselt ist.

  5. Mein Vater kaufte, nachdem er einige Jahre einen R16 fuhr, 1977 einen nagelneuen R14 TL in Grünmetallic. Ich erinnere mich gerne an das Auto. Meine Schwestern und ich hatten bei sonntäglichen Ausflügen sehr großzügigen Platz auf der Rücksitzbank. Er war sparsam, leise, geräumig und unglaublich variabel. Einfach eine ganz andere Nummer als ein Golf 1. Leider wurde unser R14 schon nach 7 Jahren ein Opfer des Eisenoxyds. Mit nur 70.000Km auf dem Tacho wurde er 1984 vom Verwerter abgeholt. Die hinteren Federdome waren abgerostet. Trotzdem freue ich mich heute immer wenn ich doch mal irgendwo einen R14 sehe, der -aus mir unbegreiflichen Gründen- den Weg ins neue Jahrtausend geschafft hat..

  6. Ich hatte während meiner Lehrzeit bei Renault einen 14er. Ich würde heute ein gut erhaltenes Auto sofort kaufen. Allein die Schmierung von Motor und Getriebe: genial. Und der war wirklich Stressresistent und hat alles mitgemacht. Mit umgeklappten Sitzen und einer Matratze konnte man fast drin wohnen. Leider stimmtdas mit dem Rost. Zum Ende führte eine abgerostete Schwinge hinten links. Ich hab sie oft geschweißt, aber als sich der Wagen wie ein Mähdrescher fuhr und hinten mehr lenkte als vorne hab selbst ich mit meinen jungen Jahren Bedenken bekommen.
    Geile Site übrigens. Macht Spass:)

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