Youngtimer im Fokus: VW Vento – Opas letzter

Der VW Vento trat ein eigenartiges Erbe an: Er war der Nachfolger von Jetta 1 und Jetta 2 – beides erfolgreiche Wagen mit einer klaren Zielgruppe, obwohl Volkswagen diese beim VW Jetta immer zu verleugnen versuchte. Und dann kam der Vento, der andere Name – und der Flop.

VW Vento

Behütet vor Hütte in Hütte – das ist beim Vento eher das Mindestmaß. Die Besitzer des VW Vento stehen für aussterbende Werte

Lag das eigentlich wirklich am Vento und seinem bescheuerten Namen oder seinem bescheuerten Heck?
Vermutlich gilt es hier, ein bisserl weiter auszuholen.
Kleine oder kompakte Limousinen waren in den 70ern aufgefressen worden von der Kompaktklasse, wie speziell die Entwicklung von Escort, Kadett und Golf zeigen – die Gewinner waren kompakt und hatten ein Schrägheck – erst recht eine Klasse drunter, wo VW es mit dem noch glückloseren Derby versuchte.

VW Vento

Ordentlich und langweilig – VW Vento

Opel hatte mit dem Kadett C noch an dem Konzept festgehalten und damit eine valide, aber eben auch schrumpfende Zielgruppe angesprochen. Das waren damals die Rentner, deren Kinder „aus dem Haus waren“, wie man so schön sagte – Bürgerliches Lager. Mitte der 70er waren solche Leute etwa Jahrgang 1915-1925 und waren noch mit ganz anderen Paradigmen aufgewachsen und hatten sich vom Käfer emanzipiert und hielten Diesel und Kombis für Teufelszeug.
Die nachrückende Generation sah das schon anders. Diejenigen, die das noch so sahen, wurden plötzlich von Ford und Opel nicht mehr bedient und sollten Kompaktwagen wie den Escort und den Kadett D fahren. Und da kam VW mit dem ersten Jetta dann gerade recht – Ein VW Manager brachte es 1979 auf den Punkt: „Mit dem Jetta haben wir den Wagen im Angebot, den Opel aus dem Programm geworfen hat“ [Woraufhin Opel verzweifelt Chevettes importierte…].

VW Vento

Die Werbefotografie der 90er setze das Heck charmanter in Szene als es in der Realität der Fall war. Ein Großer Kofferraum ist das eine – aber das Heck des Vento ging vielen einfach zu weit

Jetta I und Jetta II hatten diesen Kunden die neue Anlaufstelle schlechthin geboten. Als dann jedoch 1992 der VW Vento kam, hatte der nicht nur einen dicken runden Hintern, der der Zielgruppe nicht gefiel. Die Deutsche Zielgruppe für den Wagen war auch so ein bisserl weg gestorben. Während die Amerikaner den Wagen noch halbwegs begeistert aufnahmen, blieb der Vento weit weit hinter den nötigen Verkaufszahlen.
Und nicht nur das. Wusste jeder Mechaniker in den 80er Jahren noch, dass der Jetta ein grundlegend grundsolides Auto war und meist besser als der Golf, machte der Vento schnell mit Macken auf sich aufmerksam. Da der Wagen aber häufig das typische letzte Auto älterer Männer war, war ausgerechnet der massiert auftretende Rost, wie man ihn auch vom Bruder-Modell Golf 3 kennt, absolutes Kassengift für den VW Vento.

Er ist tot, Jim - Rost war und ist ein Thema beim Vento

Er ist tot, Jim – Rost war und ist ein Thema beim Vento

Die Kunden wanderten ab in Richtung Kompakte – und Ford und Opel besannen sich auf Konkurrenzmodelle, von denen keiner wirklich erfolgreich war.
Der VW Vento hat dennoch seine Berechtigung – als Youngtimer mehr denn je.
Die heute übrigen Exemplare sind oft die typischen letzten Autos der Generation, die in den 90ern in Rente ging und nun so langsam nicht mehr fährt. Da sind Modelle im Umlauf aus erster Hand, die keine 40.000 Kilometer drauf haben, aber 15 Inspektionen hinter sich – mit dem sinnlos getauschten Öl könnten ganze Familien 10 Jahre fahren… Was man hier natürlich oft sieht, sind die üblichen kleinen Rentner-Kratzer. Und leider noch öfter: der Rost hinter den vorderen Rädern – in allen Evolutionsstufen, oft jedoch entweder gut geflickt oder mit Tauschteilen ausgerottet.

Vor Zweit- und Drittbesitzern nihct sicher: der VW Vento

Vor Zweit- und Drittbesitzern nicht sicher: der VW Vento

Sonst kann man dem Vento nichts vorwerfen, was man nicht auch allen anderen VWs der 90er Jahre nachsagen müsste. Außer eben überproportional guter Pflege bis ins hohe Alter.
Bester Motor für den Vento ist eindeutig der 1,8 Liter mit 90PS und solidem Drehmomentsockel. Der Langhuber hat mehr Drehmoment als der 1.6er, der satte 10PS mehr hat – und das schon bei 2500 Umdrehungen. Geil. Der macht wirklich Spaß. Wichtig: Bei der Probefahrt auf die Temperatur achten – der Kühler macht beim 1.8er gerne Mucken.
Die Automatik, die manch einer speziell für diesen Motor gern kaufte, konnte nie so recht überzeugen – angefangen bei der lächerlichen Plastik-Bedienung. Das muss man schon mögen. Außerdem bringt sie realistisch Anderthalb Liter Aufschlag. Also lieber handgeschaltet, zumal auch die Akustik, die das dappige Schalten hervorruft, nervt.
Alles andere rechtfertigt ein frühes Sammeln der bereits sehr seltenen VW Ventos. Die Preise sind fair – die Verfügbarkeit überproportional gut in Vororten größerer Städte.

Baby, mal ganz unter uns: Du hast einen fetten Hintern...

Baby, mal ganz unter uns: Du hast einen fetten Hintern…

Generell gilt: Die späten Modelle ab dem leichten Facelift sind qualitativ weit besser und wirken ebenso schrullig. Die Straßenlage ist bei beiden verlässlich, ruhig, satt und zeitgemäß bis etwa 160 KM/H.
Die Preise beider Versionen unterscheiden sich nicht besonders, während die seltenen Klimaanlagen zu strammen Aufpreisen bem VW Vento Youngtimer führen. Und das, obwohl sie nicht mal so sehr nötig sind und zudem dafür sorgen, dass die Motoren im kalten zustand ruckeln und schlecht Gas annehmen.
Verzichtbar.
Aber die Preise des Vento stimmen im Moment – da kann ihm keiner was.



7 Gedanken zu „Youngtimer im Fokus: VW Vento – Opas letzter

  1. Zuverlässig und sehr PFLEGEELEICHT. Typisch der beschriebene TIM ROST!
    1,8 Motor mit 75 Ps bringt mich zuverlässig übeall hin.Zulassung 03.1997- 160Tkm.
    Regelmäßige Wartungen wurden immer in einer zuverlässigen Werkstatt durchgeführt!
    Ich mag den Vento nicht missen.
    Klima, gute Sitzposition, Servo, Türfernbedienung,
    elektr. fensterheber, elektr. Spiegelverst. und Heizung. Viel Platz im Kofferraum.
    Und das wichtigste günstiger Verbraucht.
    Ich mag meinen VENTO.
    Karosse muß gemacht werden.
    Ich verspreche es gerne.
    Mache ich selber, habe ja JAHRELANG Käfer aufgebaut und repariert.
    Zu DDR Zeiten. Das rief zwar die Überwachungsorgane auf den Plan, aber wir VW-Käfer-Fans waren eine verschworene Gemeinschaft. Das ist aber ein Thema für sich!!!
    Bin 77Jahre und möchte erleben,
    das mein VENTO OLDTIMER wird.

    1. Servus Vento Freunde,
      ich liebe meinen Vento. Ich bin 18 Jahre jung und habe meinen Vento von einen älteren Herren abgekauft. Er ist in einem sehr guten Zustand und das gefiel mir sehr. Mein Vento hatte für mich eine sehr schöne Grundsubstanz, für meine „Verschönerung“ (liegt im Auge des Betrachters). Habe ein Fahrwerk von KW verbaut und natürlich schöne klassische goldene BBS Felgen. Ich kann mir keine besseres Erstes Auto wünschen, ich fühle mich so sicher mit diesem Auto, obwohl nicht mal ein Airbag verbaut ist.
      Meiner ist aus dem BJ 1992 und hat eine der besten damaligen Ausstattungen. Er hat ein schönes Tornadorot, was sehr gepflegt ist, Er war damals ein Garagenwagen und wurde nur im Sommer gefahren und das führe ich fort. Er ist über den Winter abgemeldet und steht in einer trockenen Garage und von Rost ist nichts zu sehen.

      Sehr solides, schönes Auto

  2. Ich mochte den Vento immer und das hat sich nie geändert. Zur Zeit fahre ich einen maritimblauen 1,8er CL mit 75 PS in Magerausstattung, der außer Servolenkung keinerlei Extras besitzt. Der ist Baujahr 95 und hat jetzt 178.000 km gelaufen. Mehr als regelmäßige Wartungen bzw. die üblichen Verschleißteile war bislang nie nötig, das Auto hat mich noch nie mit außerplanmäßigen Reparaturen oder dramatischen Ausfällen genervt. Ich fahre ihn sehr gerne, die Sitze sind bequem, der Vebrauch pendelt bei normal-zügiger Fahrweise zwischen 6 und 7 Litern / 100 km, der Motor rennt wie die Pest und ist schön elastisch, zudem eine sehr solide und zuverlässige Konstruktion ohne Schnickschnack. Diese Langzeitqualität wird man bei den heutigen hochgezüchteten Kisten nicht mehr erleben! Rost ist außer der Kante an der Kofferraumklappe überhaupt kein Thema. Die Verschleißteile sind meist günstig, überall zu bekommen und das Auto ist aufgrund seiner simplen, übersichtlichen Konstruktion leicht und schnell zu warten. D.h. ein Glühlampenwechsel dauert nur 2 Minuten, aber nicht eine Dreiviertelstunde wie bei heutigen Autos, wo erst allerhand Kram abgebaut werden muß um an die Lampen heranzukommen. Ich bin sehr zufrieden und werde den Vento weiterfahren, um ihn als Youngtimer zu erhalten. Ich fahre ihn sehr gerne und möchte nichts anderes haben.

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