Fiat 124 – das zweite Leben, Teil 1

Fiat 124

Modern – und dann auch noch unerwartet zeitlos…

Unser Youngtimer fristen ja auch so etwas wie ein zweites Leben – das Leben des entspannten Youngtimers. Viele Autos jedoch bekommen quasi noch zu Lebzeiten ein zweites leben – auch wenn das ein Muster ist, was nun langsam auszusterben scheint, jetzt, da es einfach keine gescheiten Ostblockländer mehr gibt und das, was man früher Entwicklungsländer nannte. In diese Richtungen nämlich wurden die meisten Baumuster exportiert, die Autos ein zweites Leben einhauchten. Fahrzeuge, die hier Youngtimer, teils Oldtimer waren, während sie in anderen Ländern immer noch neu vom Band rollten.

König der Klasse „Das zweite Leben“ ist ganz eindeutig der Fiat 124.

Fiat 124

zeitgenössische Werbefotografie…

Bereits 1966 wurde dieser Wagen der Öffentlichkeit präsentiert als Nachfolger des wunderschönen Fiat 1300. Der Wagen wurde zunächst in Turin sehr gemischt aufgenommen. Zu sachlich, gemessen an seinem Vorgänger. Aber vielleicht war es just die Klarheit in der Form, die dem Wagen das Zweite, das Dritte und das zehnte Leben einhauchen sollte.

Der Fiat 124 sieht in etwa so aus, wie man in den 70ern als Kind ein Auto zeichnete: Eine klassische 3 Block Konstruktion, bei der hinten und vorne jeweils ein gefühlt gleichgroßer Block sind für Motor und Gepäck – und dazwischen ein gefühlt 4 mal so großer Block für Passagiere. Der VW Jetta kam diesem Ideal noch sehr nahe und der letzte Ford Granada – Schlichtheit, Schnörkellosigkeit, Geradlinigkeit im wahrsten Wortsinne. Dagegen wirkte ein Ford Taunus regelrecht kindlich verspielt.

Neben der einfachen, weltweit geschmackskompatiblen Linie, glänzte der Fiat durch Technik, die ein 7jähriger halbwegs überblicken kann. Das ist schon reichlich cool: Ein Motorraum mit Platz zum Schrauben, konventioneller Antrieb – der jedoch zu einem ziemlich passablen Fahrverhalten führte.

Fiat 124

Seat 124 – der erste Klon in einer langen Reihe – immerhin mit dem Versuch eines eigenen Gesichtes

Der erste Klon des Fiat 124 erschien bereits 16 Monate später als Seat 124, immer noch leicht als Fiat 124 zu erkennen. Seat war damals eng mit Fiat verbandelt, was noch gute 2 Jahrzehnte so bleiben sollte.

In diesem Zuge coverten die Spanier weiter und brachten den 1430 auf den Markt eine Art Über-124, der eine Mischung aus Fiat 125 und 124 mit ein bisserl Spanien darstellte. Nur: Eins muss man dazu wissen – der Fiat 125 war am Ende auch ein sehr enger Verwandter des Fiat 124, auch wenn das mehrfach anders in die Köpfe der Käufer geprügelt wurde. Auf dessen Karosserie baute FSO später den Fiat 125p auf, der leicht mit dem 124 verwechselt wurde, jedoch lange Zeit die noch ältere Technik des Fiat 125 auftragen musste, weil die einerseits billiger war, andererseits aber auch größere Federwege ermöglichte, die auf Ostblockstraßen ihre Berechtigung hatten. Und natürlich war der größere Fiat 125 der deutlich komfortablere größere Wagen.

Premier 118V - Fiat 124

Lasst Euch nicht täuschen – auch das ist nichts anderes als ein indisch verpackter Fiat 124…

Anfang der 70er schließlich wurde das Baumuster noch an Asia Motors verkauft – wodurch später noch viele Teile für Ärger um Lizenzen und Patente sorgten, die in Kias und diversen Roctsta Modellen auftauchten…

Dann kamen die beiden wirklich großen Deals: Zunächst gründete Fiat in langwierigen Verhandlungen ein Joint Venture mit Koc – unter dem Label Tofas wurde mit dieser Fabrik dann ab 1970 der Murat 124 gebaut …. und man ahnt schon, welche Technik in ihm steckte…

Doch das war noch nicht das Ende der mehrfachen Leben des Fiat 124, der zu dieser Zeit ja wohlgemerkt immer noch gebaut wurde.

Einerseits klonten die Polen ihren 124er noch einmal unter einer pseudomodernen Karosse mit Teilen des 125 als Polonez – doch das war noch nicht das Ende seiner Ostblockverwendung. Die prominenteste Wiedergeburt war eindeutig der Lada oder auch Zhiguli 1200.

Lada Riva im Schnee

Schnee konnte der Lada ziemlich gut

Über 40 Jahre sollten die Russen den Fiat 124 noch bauen, was zu dieser Zeit wirklich niemand ahnen konnte. Und was die sich mit dem Lada noch alles leisteten, war schon cool. Ganz Rußland muss wohl rechnerisch irgendwann mal in einem solchen Wagen gefahren sein oder hat darunter gelegen – und einer kulturell tief verankerten Ostblocktradition folgend – am Strassenrand irgendwelche Teile getauscht.

Polonez

Die beste Tarnung des Fiat 124 ist eindeutig der Polonez – in Polen damals gefeiert wie die Erfindung von geschnittenem Brot, obwohl der am Ende auch nur aus wiederverwendeten 124er und 125er Fiats mit eine Heckklappe besteht.

Was für eine Karriere! Selbst Premier in Indien baute den Wagen noch bis in dieses Jahrtausend hinein.

Und das eben alles auf eine sehr sowjetische „unser-vorhang-bleibt-verschlossen“-Art: Als wir das große Glück hatten, Ende 2011 das Stammwerk zu besichtigen, wurde der Lada Nova / Riva, wie auch immer man ihn nennen mochte, immer noch gefertigt, obwohl der eigentlich seit 2010 dort offiziell nicht mher, sondern ausschließlich in Tschtschenien gefertigt wurde.

Polonez!

Heute fest in Händen der Polnischen Youngtimer-Jugend ;D Polonez in cool

Doch die Russen sind die Meister. Obwohl der Wagen dann 2012 unter hochoffiztieller Aufsicht von Putin hochpersönlich letztmalig gebaut wurde, kann man ihn auch 2013 in Tschetschenien noch neu kaufen, wenn auch nicht mehr ganz offiziell – und tatsächlich läuft er sogar noch im Stammwerk in gewisser Weise vom Band, wenn auch nicht mehr so ganz offizielle, aber wer wird das schon kontrollieren? Offizielle Erklärung: Durch diese Auslaufproduktion liessen sich am leichtesten Ersatzteile herstellen, wenn die Bänder ansonsten nicht ausgelastet wären… Klar, das macht Sinn ;D

Aber Ende 2013 ist Schluß.

Angeblich.




19 Gedanken zu „Fiat 124 – das zweite Leben, Teil 1

  1. ….da ist euch aber ein kleiner Fehler unterlaufen..
    Der Polonez bzw. FSO Polonez basiert auf dem 125p, der in Warschauer Presonenkraftwagen Fabrik auf Licenz des italienischen 125 gebaut wurde. Es wurden dabei Teile der Bodenplatte, Motor, Getriebe mit Antiebstrang und das Fahrwerk von dem 125p 1:1 übernommen und im laufe der Zeit ein wenig modernisiert z.B. mit anderen Motoren und Getrieben. Die Top-Ausführung, GTI hatte am ende einen von Honda für den Rover enwickelten 1.4 L 16V Multipoint-Einspritzer mit knapp 110 PS.

  2. „Fiat 125p auf, der leicht mit dem 124 verwechselt wurde, jedoch lange Zeit die noch ältere Technik des Fiat 125 auftragen musste“ ist nicht richtig. 1300/1500 müßte es heißen, denn:
    Der 125p hatte eine dem Fiat 125 sehr ähnliche Karossrie, hatte aber noch Technk von seinem Vorgänger, dem Fiat 1300 / 1500 inkl. Bandtacho und Lenkradschaltung. Der Fiat 125 kam ein Jahr nachdem 124er auf den Markt,war etwas länger und hatte stets den Motor mit 2 Nockenwellen, damsals ein Rennnwagen. Innen war er luxuriöser als der karge 124er. I

    1. …..die Veränderungen des 125p sind auf Grund der akuten Devisenknappheit entstanden. Darum nur wurden die Motoren des Vorgängers übernehmen, genau wie die billiger zu produzierende Innenausstattung.
      Das Blechkleid bis auf die Frontmaske, Zierleisten und Beleuchtung war 1:1 125. Die Beleuchtung wurde auf die in Polen produzierten Einheiten umgeändert, daraus resultierte andere Frontmaske, deswegen auch der optische unterschied zum Orginal.
      Nichts desto trotz hat der Polonez nichts mit 124 gemeinsam, wie auch 125p, der wiederum offiziell ein Lizenzbau des 125 war.

      1. Hm… dem würden wir in Teilen widersprechen wollen. Zig Teile des Polonez stammen aus dem 125er Fiat. Wir waren in Polen bei diversen Umbau- und Austauschaktionen dabei, wo wir das im realen Leben beobachten konnten

  3. Es war nicht der Lada Nowa/Riwa (WAS2105, der bis vor kurzem gebaut wurde, sondern der 2107. Dieser wurde In der DDR als Lada 2107 und in der ehemaligen BRD als „Toscana“ vermarktet.

    1. …. und: Der Urlada, bzw der Schiguli war für noch eine geniale Entwicklung gut. Die Weiterentwicklung, der 2106 gab die Basis für den legendären Niwa.

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