Youngtimer: Leichte Autos & Fahrfreude

Einer der Aspekte, die uns schon ganz lange beschäftigen, ist die Frage, warum das Fahren in Youngtimern sich oft einfach so viel toller anfühlt wie das in modernen Autos. Ist es wirklich nur die charmante Realitätsflucht, die man uns gerne unterstellt? Dummes Zeug.
Was wir beispielsweise ganz analytisch mögen, ist ohne Zweifel auch die Tatsache, dass diese Autos von damals viel übersichtlicher sind, größere Fensterflächen haben. Die zugekleisterten dicken A- B- und C- Säulen heutiger Fahrzeuge haben im Bereich Sicherheit unbestrittene Vorzüge – aber Du kommst dir dennoch vor wie eingemauert und lebendig begraben. Und Du brauchst Parkpiepser, weil alles hinter der B-Säule im Mysteriösen liegt…

Youngtimer Polo

Hier reichten 40PS – 685 Kilo-Youngtimer Polo I. Und zum Einparken schaute man einfach nach hinten…

Ein anderer Faktor aber ist ganz klar dieses ungefilterte Fahren, das klarere, die Rückmeldung, die einem diese Fahrzeuge aus den 70ern und 80ern noch geben – auch diverse aus den 90ern noch, speziell im Vergleich zu heutigen Autos. Mit einem A8 von heute kannst Du ja kaum zweifelsfrei sagen, ob Du gerade ein junges Reh überfahren hast oder ob die Forstaufbrüche nach dem Winter da einfach nur schlecht mit Kalt-Teer geflickt worden sind.
Versuch das mal mit einem Polo von 1975, der gerade mal lächerliche 685 Kilo auf die Waage bringt – das reicht heute noch nicht mal für einen Polo ohne Motor – und was mag ein Reh wiegen….?
Wie krass ist das wirklich?
Wir haben uns mal ein Portfolio ausgesucht, dass es praktisch schon immer gab: Der jeweils am schwächsten motorisierte Polo, der schwächste Kadett, respektive Astra, der schwächste Passat, der schwächste Mercedes der E-Klasse, auch als die noch nicht so hieß – alle als Benziner.

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Stahlkonstruktion? Der erste Passat rollte vollgetankt mit kaum 900 Kilo durch die Gegend.

Der Opel Kadett C wog 1975 gerade einmal 765 Kilo – der aktuelle Astra fängt bei 1373 Kilogramm an. Gewichtszuwachs: 79%.

Ein Passat von 1975 rollte mit 55PS an den Start – Gewicht dabei: Schlanke 865 Kilo. Wenn der kleinste Passat heute die Halle verlässt, schleppt er stattliche 1343Kilo mit sicher herum. Das sind nicht nur 55% mehr – das ist auch weniger als der Astra, was ein komisches Licht auf den Opel wirft.

Aber ein Passat hatte ja auch Papp-Türen im Verhältnis zu einem W123 von 1975, oder? Wir groß kann da der Unterschied ausfallen? Die schwächsten W123er traten damals schon mit dem Gewicht des heutigen Passat [oder Astra, je nachdem] an: 1325 Kilo brachte der W123 mit 200er Benzinmotor auf die Wage – nach der Mopf, vorher war er 10 Kilo schwerer. Der W124 war deutlich leichter, was man fühlte – doch dann kam der Speck wieder. Heute geht nichts unter 1680 Kilo, was immer noch respektable 27% sind.

Na gut - der Wagen war praktisch nackt, hatte nicht mal eine Mittelkonsole - aber ein Golf 1 ließ sich als Diesel mit weniger als 5 Litern bewegen - dafür müssen heute Computer bemüht werden, die fast soviel wiegen wir der Golf I

Na gut – der Wagen war praktisch nackt, hatte nicht mal eine Mittelkonsole – aber ein Golf 1 ließ sich als Diesel mit weniger als 5 Litern bewegen – dafür müssen heute Computer bemüht werden, die fast soviel wiegen wir der Golf I

Man kann sagen, was man will: in leichten Autos war das Fahrerlebnis das bessere. Heute könnte man mit verbundenen Augen kaum noch sagen, was um einen herum passiert – im Porno-Passat von 1975 merkte man das noch ganz deutlich – weshalb man beispielsweise Pornos unters Ersatzrad stopfen musste, auch wenn das in der Presse nur selten erwähnt wurde ;D

Und nicht nur das: man erreichte mit geringer Motorisierung viel Fahrspass – und das wirklich im besten Sinne. Ein Passat mit 75PS wurde schon richtig nach vorn gewuchtet, das hatte was – da achtete man drauf, wie schnell man fuhr. Auch hier gilt: Heute werden ja schon Verkehrsschilderkennungen eingebaut, die einen dann stumm mahnen, weil man einfach keine Ahnung hat, wie schnell man fährt. Die Erkennungssysteme wiegen dann noch einmal 10 Kilo – aber das fällt ja eigentlich kaum noch auf…

damals schwer, heute schwer

damals schwer, heute schwer

Wenn wir uns was wünschen dürften: Kompakte Säulen für mehr Landblick und leichtere Autos… An der Stelle mal ein Lob an Aussenseiter: Ein Dacia Lodgy wiegt nur 1155 Kilo – der Logan MCV, praktisch sein Vorgänger, wog 80 Kilo mehr. Der neue Skoda Octavia kommt mit 1220 Kilo daher, was zuviel ist – aber sein Vorgänger hatte stets 1305 Kilogramm auf der Wage. Vielleicht tut sich dann ja doch mal noch was. Wer den Octavia nämlich mal mit einem kleinen Motor fährt, der merkt: da geht was! Ein 105PS Benziner bringt den schon gehörig auf Fahrt – und braucht einen schlappen halben Liter weniger als die nächstgrößere Maschine und einen satten Liter weniger als der gleich schnelle Vorgänger.

Leichte Autos machen mehr Spaß. Und finde mal einen, der den ersten Golf als Diesel hatte – mit denen kann man über Verbräuche reden…



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