Dumme Auto-Moden im Youngtimer-Zeitalter

Schalt mal runter in den Fünften…
…ein Satz, der uns irgendwie nie so recht über die Lippen gehen mag.

Viele von uns gehören ja noch zu der Generation, die sich an den 5. Gang im Auto erst mal gewöhnen mussten. Mein Opa etwa hielt den kategorisch für Teufelszeug und kaufte sich damals keinen Ford Sierra mehr, sondern einen gebrauchten Taunus mit 4 Gängen, „weil der 5. Gang Unsinn ist und solche Getriebe mit einem Tunnel mehr eh nur kaputt gehen“.

Hm… Mein Opa ist jetzt seit 2 Jahrzehnten nicht mehr auf der Welt und musste den 6. Gang nicht mehr ertragen, der ihm wahrscheinlich das Gruseln bereitet hätte.

Noch schlimmer fand mein Opa jedoch diese „Moden“, die immer mal wieder die Auto-Welt ergriffen und dann um sich griffen, ohne, dass man so recht wusste, warum.

An die schlimmsten erinnern sich nicht mehr viele.

Dumme Auto-Moden, Platz 5: Spritzlappen

Auto-Moden Spritzlappen haben am Auto nix verloren - sie nehmen ihm jegliche optische Dynamik, selbst einem E30... Und dazu gehört einiges.

Spritzlappen haben am Auto nix verloren – sie nehmen ihm jegliche optische Dynamik, selbst einem E30… Und dazu gehört einiges.

Das war so ziemlich das hässlichste, was es in meiner Jugend gab: diese eigenartigen Spritzlappen, die man gerne hinter die Hinterräder montierte – sah man gerne bei Spießern wie Audi 80, Typ 82 aber auch am Volvo 240 des Herrn Oberstudienrates, der damals schon zugab die Grünen zu wählen, jedoch nie auf eine Anti-AKW Demo gegangen wäre. Spritzlappen konnten einem Auto jegliche Dynamik nehmen. Im Ostblock waren und sind sie beliebt, weil sie tatsächlich die Autos sauberer halten. Im Winter jedoch sind sie kompletter Dreck und können sich im Extremfall sogar mit Schneematsch zusetzen. Geht gar nicht, war nie cool – und zu allem Überfluss sammelte sich der Rost gern an den Befestigungen. Fast so schlimm wie bei Radlaufchrom, nur eben mit umgekehrten Vorzeichen ;D

Dumme Auto-Moden, Platz 4: Aufkleber auf der Heckklappe

Heute nur noch Kevin und Schantalle gewidmet - aber früher gerne auf dem Lack der Heckklappe angebracht

Heute nur noch Kevin und Schantalle gewidmet – aber früher gerne auf dem Lack der Heckklappe angebracht

Ja – Hurra. Aufkleber waren in den 70er und 80er Jahren mal generell an den unmöglichsten Stellen zu finden, vermutlich weil die Technologie gerade billig geworden war. Aufkleber hatten stets dumme Aufschriften wie „Ein Herz für Kinder“. Heute kennt man ja nur noch „Nancy an Bord“ – aber die kleben auf Scheiben – in der Youngtimer-Zeit klebte man die auf den Lack – vielleicht weil es mehr Limousinen gab…?
Unsere schwer religiösen Nachbarn hatten im gleichen Design des Herzens für Kinder „Jesus liebt auch Dich“ allerdings in einer verquast altdeutschen Schrift, in der es sich für meine Erstklässler-Augen immer las wie „Jefus“. Verwirrend. Auf dem Taunus von meinem Opa klebte natürlich „Komm zu Kohl – 1982“, was damals in manchen Familien auch schwach religiöse Züge hatte. Das schlimmste: Aufkleber bekommt man nach Jahren nur ganz schwer ab. Dem Rat eines Nachbarn gefolgt, hatte ein Kumpel von mir die Dinger am Ascona B mit dem Fön entfernt – dauerte Anderthalb Stunden, funktionierte zunächst rückstandsfrei. Beim nächsten Kälteeinbruch bekam der Lack dann Risse und bröselte ab…

Dumme Auto-Moden, Platz 3: Blitzableiter

Dann doch lieber im Auto... ;D

Dann doch lieber im Auto… ;D

Erinnert sich daran einer? Diese Dinger, die an manchen Autos irgendwo an einen sinnlosen Ort an der Hinterachse geknotet wurden, um „Den Blitz in den Boden abzuleiten“? Hm… Generationen von Phaysiklehrer verspotteten dieses Autozubehör mit Versuchen zum Faradayschen Käfig, dessen Fehlerfreie Schreibweise ich mir nie merken kann. Aber selbst Physik-Laien können heute nachlesen „Schlägt ein Blitz in einen Faradayschen Käfig, zum Beispiel ein Auto oder ein Flugzeug ein, bleiben Personen im Innenraum ungefährdet, weil die elektrische Feldstärke im Innenraum erheblich geringer ist als im Außenraum.“
Also: Was sollte der Quatsch….?

Dumme Auto-Moden, Platz 2: Holzkugelauflagen

Für den Fakir im Mann....

Für den Fakir im Mann….

Die Dinger waren der Hammer. Ich frage mich sehr ernsthaft, ob man die heute noch irgendwo bekommen kann. Schonbezüge waren schon eine komische Subkultur, gerne genommen von älteren Herren – aber Holzkufgelauflagen waren der Hammer. Einmal erschloss sich die Massage-Wirkung nur langjährigen Fakiren, vor allem auf längeren Strecken. Tatsächlich hatten die Auflagen ja einen Sinn: Man schwitzte nicht in Zeiten, als die Klimaanlage höchstens im W126 verbaut wurde und auch dort nicht serienmäßig. Aber mit dem Einbau wurde all die Arbeit, die sich Ingenieure und Ergonomen in der 8jährigen Entwicklungszeit des Wagen gemacht hatten, mit einem Mal komplett hinfällig, weil man einfach einen Zentimeter über dem geplanten Sitz schwebte und Worte wie Seitenführung damit plötzlich ihre Bedeutung verloren. Unfassbarer Blödsinn… 80er Jahre…

Dumme Auto-Moden, unangefochtener Platz 1: Der Wunderbaum „Vanille“

Da gehört er hin: in die Gosse. Der Wunderbaum versuchte die Fahrzeuginnenräume in den 80er Jahren - und zwar dauerhaft

Da gehört er hin: in die Gosse. Der Wunderbaum versuchte die Fahrzeuginnenräume in den 80er Jahren – und zwar dauerhaft

Okay – Hand hoch, wer damals einen hatte und es jetzt nicht mehr zugeben möchte….? Ich hatte einen – Aber immerhin nicht Vanille. Das eigenartige daran: die deutlich erkennbare Hirnamputation. Man kaufte die Dinger nicht, weil das Auto vorher gestunken hätte oder so – man kaufte sie, weil sie hip waren. Ich kann mich nicht genau erinnern, wann mich der Schwachsinn befiel – aber ich kaufte einen in der Duftrichtung „Wald“. Der wirkte langfristig nicht so penetrant wie Vanille, der das komplette Duft-Arrangement mehrerer Beifahrerinnen noch vor dem Discobesuch mit dem obligatorischen Vanilleduftnebel auf den Kopf stellte. Noch schlimmer war die Wirkung, die abgehärtete Fahrer gar nicht mehr wahrnahmen. Als ich den Wagen gute 15 Monate später verkaufen wollte, fragte so ziemlich jeder Interessent „Haben Sie damit Holz transportiert….?“



7 Gedanken zu „Dumme Auto-Moden im Youngtimer-Zeitalter

  1. Blitzableiter? Nee ich glaub da ging es darum, keinen gewischt zu bekommen, wenn sich der Sitz statisch aufgeladen hatte.
    Damit hatte der Wagen eine dauerhafte Erdung und man bekam keinen leichten Stromschlag wenn man sich reinsetzte.

    1. Ja,genau darum ging es,statische Aufladung abzuleiten,um beim Aussteigen,und berühren der Tür,keinen Stromschlag zu bekommen.

  2. Holzkugelsitzauflagen waren geil im Sommer. Seitenhalt hatte mein Golf I C mit 50 PS so oder so nicht. Aber endlich klebte man nicht mehr am bereits durchgefetteten Sitzgestell.^^

Die Kommentare sind geschloßen.