Fiat 128 – das zweite Leben, Teil 4

Den Fiat 128 liebten in Deutschland damals nicht zu viele Leute. Zumindest die Deutschen selbst nicht. Die zahlreichen Italiener jedoch, die zu der zeit in Deutschland lebten, die kauften ihn – auch die jüngeren Leute, die in dritter oder vierter Hand dann auch viele von ihnen auf dem Gewissen hatte, später, als die Dinger unfassbar billig wurden.

Fiat 128 Súper Europa

Als Fiat Súper Europa hatte der Fiat 128 zum Ende seiner Bauzeit noch jede Menge Karriere vor sich

In Deutschland konnte man den 128er Fiat mit diversen Klein- und Kleinstfacelift und einer stets dabei zunehmenden Menge billiger werdender Kunststoffe von 1970 bis immerhin 1983 kaufen. Fortan war er dem Wertverfall ausgesetzt, der seine etwas zu kleine streng geschnittene kleine Stufenheckkarosserie sehr schnell von den Strassen verschwinden ließ.
Selbst diejenigen, die den Wagen am Stammtisch ablehnten, mussten zugeben, dass er trotz mangelnder äußerer Größe innen ziemlich passablen Platz bot. Darüberhinaus konnte man den Wagen mit seinem kurzen Radstand und seiner tiefen Sitzposition ziemlich knackig um Kurven dirigieren – daneben wirkte ein VW Derby wirklich wie ein Rentnerauto.

Fiat 128

Wenn er wollte, kam er schon ziemlich kernig rüber, der Fiat 128

Vielleicht waren es diese Qualitäten, die dem Fiat 128 ein zweites Leben bescheren sollte, das ihn doch noch ziemlich weit führen sollte.
Auf den Kernmärkten ausgedient, durch den legendär schlecht zusammengebauten Fiat Ritmo und später Tipo längst ersetzt, drehte der Fiat 128 seine Runden – In Ägypten, Argentinien, Südafrika und dem damaligen Jugoslawien. Ganz kurz war der Wagen auch mit Gemischten Logos als Fiat Tofas 128 in der Türkei zu haben – dabei handelte es sich jedoch nicht wirklich um ein zweites Leben – Fiat verkaufte bislang unverkaufte Bestände für kleines Geld in der Türkei und klebte zu diesem Zweck das andere Logo drauf – unterm Blech jedoch stammte alles aus Turin und war zum Teil bereits anderthalb Jahre alt, als es in der Türkei strandete.

Fiat 128 Zastava 101

Nein, niemand sollte behaupten, dass das komische Zastava-Heck den Fiat auch nur für eine Sekunde schöner gemacht hätte, wirklich nicht

Aber eine wirklich wichtige Rolle spielte der 128er in Argentinien. Auf den anderen Märkten bereits zum Alteisen verschoben, brachte er es noch weitere 8 Modelljahre zu Ehren und wurde nochmals aufgehübscht, bis er tatsächlich erstaunlich zeitgemäß aussah.
Der dortige Fiat Súper Europa war sogar qualitativ ziemlich gut und wurde ein begehrtes Tuning-Objekt der jungen Fahrer.

Fiat 128 sport aus Seat Produktion

Fiat 128 sport aus Seat Produktion – die Spanier pickten sich nur die Rosinen heraus

In Jugoslawien blühte der Fiat 128 zu einer ungeahnten Modellvielfalt auf – ähnlich, wie wir das schon vom 124er Fiat kennen – nimm, was Du hast und mach das beste daraus. Als Zastava bekam der Fiat 128 neben dem Stufenheck vor allem das wichtige Schrägheck, das ihn entschieden nutzbarere machte. trotz legendär schlechter Bremsen und teilweise schier lächerlicher Verarbeitung wurde der Zastava so bis ins spektakuläre 2008 hinein gebaut und erreichte mit seinen Derivaten knapp 1,5 Millionen Exemplare – nicht schlecht für einen Wagen, dessen Uhr eigentlich nach der Hälfte der ohnehin schon langen Bauzeit längst abgelaufen war.
Offensichtlich war die Basis, die Fiat mit diversen seiner Modelle in dieser Zeit zur Verfügung stellte, weit erfolgreicher als das, was Fiat daraus machte, wie beispielsweise auch die ehemalige Ehe mit Seat zeigt.
Die bauten den 128er tatsächlich nicht als Limousine nach, wie die anderen – aber das unglaublich schicke Coupé des Fiat 128 bauten sie sehr wohl. Geschmack haben sie, die Spanier.



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