Opel Kadett E – Das zweite Leben, Teil 5

Während der Kadett C, dem wir kürzlich einen Beitrag in der „Zweites Leben“-Reihe gewidmet haben, ein langes erfolgreiches zweites Leben führte, kam dies bei seinem in Deutschland direkten Nachfolger Kadett D so nicht vor. Dessen Nachfolger hingegen, der Kadett E, der konzeptionell wie qualitativ zum Teil sehr umstritten war, spielte noch einmal die Rolle als Weltauto – und führte darüber hinaus ein respektables zweites Leben. Man mag es kaum glauben: Er führt es sogar noch heute!

Opel Kadett E

Der Opel Kadett E – mit seinem ausbleichenden Kunststoffen immer ein wenig auf das hässliche Entchen abonniert

Tatsächlich lief bereits im zweiten Produktionsjahr die Fertigung als Pontiac LeMans an, welcher aufgrund der gewerkschaftlich geprägten Kostenstrukturen nicht in den USA gefertigt wurde, sondern bei Daewoo in Korea. Dort wurde er schließlich ein weiteres Jahr später auch unter lokaler Daewoo-Flagge angeboten – unter dem eher lächerlichen Namen Racer. Als dieser Wagen schließlich ab Mitte der 90er Jahre auch in Europa verkauft wurde, hatte er diesen lächerlichen Namen abgelegt und kam als Nexia auf den Markt. Immer noch unverkennbar ein Kadett E, nicht einmal besonders phantasievoll getarnt, billig und von übler Qualität, vor allem die komplett lächerlichen Bremsen machten ihn bei Europäischen Autozeitungen zum Gespött – und zwar zu Recht. Aber immerhin hatte er in diesem zweiten Leben eine Art eigenes Aussehen, während der Racer visuell extrem nahe am westlichen Kadett E war.

Kadett E in Pontiac-Verkleidung

Der Pontiac LeMans blieb zwar verhältnismäßig lange im Programm, war jedoch für Pontiac in den USA ein echtes Verlegenheitsmodell ohne Meriten. Der einst klangvolle Name litt darunter gründlich

Er wurde nur mit einem 1,5 Liter mit 75PS angeboten, dessen Konstruktion allerdings von Vauxhall Australien zugeliefert worden war und aufgrund seiner erheblichen Lärmentwicklung später nicht für andere Märkte verwendet werden konnte, ohne stark nachgedämmt zu werden.

Opel Kadett E als Nexia 3

Nur in Kasachstan gibt es offizielle Presse-Photos, bei denen irgendein glorreicher Trottel hinten durchs Bild fahren darf und das „Nexia“-Kennzeichen in der semiprofessionellen Post-Production an den Wagen geheftet wird.

Bemerkenswert: Tatsächlich wird bei UsDaewoo in Usbekistan der Wagen bis heute noch gefertigt, ist immer noch als Kadett E zu erkennen, verfügt dort jedoch ebenfalls über einen abgeänderten Motor und einen größeren 1.8er, der auf der Maschine basiert, die Opel auch bei uns in den 80ern in Kadett und Ascona einbaute.

Unter der Regie des GM-Groß-Regals und diverser regionaler und nationaler Abarten, die Teils nur mit neuer Kühlermaske zu neuem Namen gelangten, entstanden auf Basis des Kadett E, der in Deutschland 1992 sein Ende fand, satte 22 weitere Bezeichnungen für den Wagen, einschließlich der Vauxhall Modelle, die bereits den Namen Astra trugen und der sicherlich namentlich bizarrsten Version, die mit Unterbrechungen von 1988 bis 1998 auf dem Südafrikanischen Markt zu kaufen war und auf den eigentlich unfassbaren Namen Opel Monza hörte [zeitweilig wurde der Name ausschließlich für die zweitürige Version verwendet].

Kadett E

Marktführer in Usbekistan und Kasachstan. Hier gut erkennbar: Die Hochbeinigkeit kommt nicht durch Zufall. Auf den schlechten Strassen der Region ist sie ein echter Erfolgsfaktor.

Speziell die Stufenheckversion, die in Deutschland in diesen Jahren ein respektabler Flop war, kam dabei unter der Daewoo-Flagge tatsächlich noch zu Ehren- fast mehr als die in vielen Ländern bei weitem weniger beliebten Kompaktmodelle. Tatsächlich ist er regelmäßig in dieser Karosserieversion der meistverkaufte Wagen Usbekistans und die unangefochtene Nummer 1 seiner Klasse in Kasachstan – auf beiden Märkten wird er ausschließlich als 4türige Stufenhecklimousine angeboten – eine Karosserieform, die auf noch jungen Automärkten überproportional häufig erfolgreich ist.

Vielleicht nicht glanzvoll - dafür erfolgreich. Auf sienen Lebenszyklus für GM hin betrachtet war der Kadett E ein weit größerere Erfolg, als er das auf dem Deutschen Markt war. Ausschnittsdenken

Vielleicht nicht glanzvoll – dafür erfolgreich. Auf seinen Lebenszyklus für GM hin betrachtet war der Kadett E ein weit größerere Erfolg, als er das auf dem Deutschen Markt war. Ausschnittsdenken

Hier darf er sich mit dem Label „Nexia 3“ schmücken, seit seine Heckleuchten geliftet wurden und das Fahrwerk nochmals geliftet wurde – hier allerdings im physischen Sinne: Der Nexia fährt hier auf etwas, das man in Deutschland wohl „Schlechtwegefahrwerk“ nennen würde. Auf dieser Basis wird auch seit mehreren Jahren an einer Allrad-Version gezimmert – angeblich zumindest. Die lange Entwicklungszeit deutet darauf hin, dass dies eine reine politische Aktion sein könnte.

Erstaunlich, aber offensichtlich steckte im Opel Kadett D doch weit mehr, als ihm der Deutsche Markt zutrauen wollte. Zu seinen Lebzeiten war er beispielsweise in Holland und Belgien auch erfreulich erfolgreich, während er in Deutschland schwächelte und dem heiligen Golf gegenüber immer mehr ins Hintertreffen geriet.

Das ist gute 30 Jahre her. Heute ist er – wer hätte das gedacht – global ein echter Erfolgstyp, der Opel Kadett E.



8 Gedanken zu „Opel Kadett E – Das zweite Leben, Teil 5

  1. …ich hatte mal einen kadett e 1.3n als erstes auto ….ein super auto mit viel potenzial. ich habe damals schon gesagt die karre wäre seiner zeit weit voraus…..obwohl ich im bekantenkreis meist dabei belechelt wurde….das waren auch fast alle vw fahrer….aber es stimmte auch wie man sieht, sonst würde der e kadett nicht so lange leben.

  2. Ja das glaube ich dir gern. Und jetzt kommts. Ich hab einen Kadett E 1.3N, ebenfalls als erstes Auto. Und bald bekommt der sein H-Kennzeichen. Robust ist er allemale. Und den Golf 7 wird er auch noch überleben. Glaub mal.

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