Ford Taunus – Das zweite Leben, Teil 6

In der Reihe der zweiten Leben haben wir uns jetzt ja schon einigen Wagen mit absolut spektakulären zweiten Leben gewidmet, unter denen vor allem jene aufgefallen sind, die in Ostblockstaaten ein erfolgreiches zweites und drittes Leben geführt haben und zum Teil auch dann noch gebaut werden, wenn sie bei uns schon 30 Jahre vom Markt sind.

Ganz so spektakulär ist der letzte Ford Taunus auf den ersten Blick eigentlich nicht – schon aber, wenn man mal auf die Details schaut.

Ford Taunus TC

In der Türkei lange Zeit an jeder Straßenecke eine Selbstverständlichkeit – viele brachten ihn auch aus Deutschland mit, als der „Rückweg“ in die Türkei zu Beginn der 80er Jahre vom Staat gefördert wurde

Obwohl uns der Ford Taunus, 1970 erschienen, bis 1982 zwei mal als „der neue Taunus“ verkauft wurde, war er immer der Taunus TC – zuerst mit Knudsen-Nase, dann etwas geliftet mit einem sachlichen strengen Blick, und dann schließlich in den letzten Jahren mit einer Menge Plastik beplankt. Dadurch war 1982, als Ford ihn in Deutschland vom Markt nahm und durch den Ford Sierra ersetzte, der Taunus ein durchaus eher veraltetes Auto – er war auch bei seinem Erscheinen nicht im klassischen Sinne neu und modern, sondern in vielen technischen Belangen längst alter Wein in neuen Schläuchen. 1982, nach grundlegend langer Bauzeit von 12 Jahren, hatte der Taunus TC also wirklich ausgedient.

884935_552747151423106_1659628345_oFord jedoch nahm den Wagen praktisch samt Fabrikation als Masterpiece der Konzern-eigenen Entwicklungshilfe und begann mit der Einstellung des Wagens, die Fertigungsanlagen in Köln und Genk abzubauen und baute die Kölner Anlage in der Türkei wieder auf, die aus Genk in Argentinien – unserer Ansicht nach hätten das viel mehr Autohersteller in dieser Zeit machen können, denn wie sich zeigte, konnten man auch in nicht-Ostblockländern mit unseren möglicherweise nicht mehr ganz so hippen Autos noch eine ganze Zeit passabel fahren.

Unser Freund Gerhard sagt sogar „Fiat war so klug und nutzte diesen Weg dazu – vertraglich vereinbart – auch die Ersatzteilversorgung sicher zu stellen. Wirklich kein dummes Business, das zweite Leben“

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Spätes argentinisches Modell des TC

Und tatsächlich machte der Ford Taunus auch dann noch eine recht substanzielle Karriere, als er hier eben nicht mehr als hip galt. In der Türkei war das beinahe ein bisschen bizarr – dort wurde er so weit geliftet, dass er am Ende – also satte 23 Jahre nach seinem Erscheinen, wirklich immer noch halbwegs auf der Höhe der Zeit war. In der Türkei genoss er mehrfachen Sonderstatus: Er war bei den in Deutschland lebenden Türken lange Zeit das typische Familienauto gewesen. Und dann tauchte ausgerechnet der aus einem türkischen Werk wieder auf. Bizarr in sich. Und das auch noch in genau der Zeit, als Deutschland türkischen Familien Geld für die „Rückkehr in die Heimat“ gab…

In Argentinien wurde der Taunus eine Art Volkswagen, erreichte noch Motorisierungen, von denen er in Deutschland nicht mal träumen durfte – obwohl auch hier jeder wusste, dass die Zwoachter Maschine sich ohne größere Mühen in den Taunus verpflanzen ließ – und zu allem Überfluss so, dass man es bei Verkehrskontrollen nicht merkte – aber das ist eine andere Geschichte.

Am Ende des Tages zeigt auch der Ford Taunus, dass ein zweites Leben eine wirklich valide Option war – und eine, mit der sicher keiner schlecht gefahren ist.



2 Gedanken zu „Ford Taunus – Das zweite Leben, Teil 6

  1. Super Bericht über den Ford Taunus.

    Zum 2. Foto, mit den kleinen Blinker hiess das der Taunus nicht Taunus, sondern Cortina und die Heckleuchten war auch anders.

    Gruss

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