3er BMW – Fahrspaß durch die Generationen

Der Dreier BMW ist eine Ikone des Automobilbaus, keine Frage – und eines der wirklich missverstandenen Autos… Aber wie fing das eigentlich an?

Der Beginn einer Zeitrechnung - damals noch unter der alten Nomenklatur, die die Zweitürigkeit bezeichnet

Der Beginn einer Zeitrechnung – damals noch unter der alten Nomenklatur, die die Zweitürigkeit bezeichnet

Der BMW 02 war eines der einflussreichsten Autos für die gesamte Fahrzeugentwicklung in Deutschland – das macht man sich heute nicht mehr klar. Warum? Weil er uns die Übermotorisierung brachte. Schuld an alledem ist Paul G. Hahnemann, den Franz Josef Strauss zum Nischen-Paul adelte. Hahnemann analysierte mit einer simplen Matrix den damaligen Automarkt und kam zu dem sehr naheliegenden Schluß, dass es eine Menge kleiner Autos mit kleinen Motoren gab und große Autos mit großen Maschinen. Große Autos mit kleinen Maschinen machten für Hahnemann keinen Sinn, sehr wohl aber kompakte Autos mit großen Motoren, weil die Fahrspaß bringen würden. So entstand der 02er BMW – für damalige Verhältnisse hemmungslos übermotorisiert.

Er war so etwas wie der UR-Dreier und formte bereits die Eckdaten der späteren Ikone. Damals gehörte dazu noch 2türigkeit – als die in den 80er Jahren zunehmend aus den Fuhrparks verbannt wurde, legte BMW nach – aber bis 1982 sollte es diese Ikone zunächst nur mit 2 Türen und dicken Maschinen geben.

BMW 3er

So kennen wir den BMW 3er: Fröhlich driftend für die, die ihn beherrschen

Man bemerkt das heute kaum noch – aber hatte ein 316er BMW Mitte der 70er noch 90PS, startete ein damaliger VW Passat oder Ford Taunus mit gerade einmal etwas über 50PS in derselben Größenklasse – und 90PS konnte man im frühen Passat vorsichtshalber gar nicht erst bekommen. Erst später zogen auch die bürgerlichen Marken nach, was zu einer stattlichen Leistungsexplosion führte, die am Ende des Tages tatsächlich Paul Hahnemann zu verdanken ist.

Das weit wichtigere Verdienst des Dreiers, ist brutale Fahrfreude an die Massen gebracht zu haben. Neider unterschätzen das oft, aber schon ein 1602 oder später ein 316er hatten so viel mehr an Fahrfreude zu bieten als manch freudloses Mittelklasse-Auto der jeweiligen Zeit, dass es in der Tat kein Wunder ist, dass die Dreier schon als E21 immer vergewaltigt wurden, sobald sie hinreichend gebraucht am Markt zur Verfügung standen. Das war etwas körperliches – das konnte man rational ähnlich schwer erfassen wie Sex.

Tuning, dein Name ist 3er BMW

Tuning, dein Name ist 3er BMW

Tuning war in den späten 80er Jahren der zweite Vorname des Dreier BMWs E21. Hier wurde eine Legende groß gezogen. Was der 2002 war, war später der Youngtimer 323i – unvorstellbare 143PS wurden hier auf die Achse gebracht – und zwar stets auf die hintere und ausschließlich auf die. Denn auch das gehörte zum 3er – jugendlich übermütige Fahrer, die keine Ahnung haben, was auf regennasser Strasse so alles passieren kann. Mit 143PS in einem passabel leichten Auto: Eine ganze Menge.

3er BMW

Nichts hinzuzufügen: 3er professionell im Sonnenuntergang eingefangen

Der E30 war hier schon weit sicherer ab 1982 und vielleicht in der Summe seiner Eigenschaften der beste Dreier im Verhältnis zu seinen Mitbewerbern. Der Audi 80 war noch weit weg und der Mercedes 190 peilte eine andere Zielgruppe an. Der Dreier entwickelte sich in die Breite: Cabrio – eines der wunderschönsten überhaupt, 4türer, schließlich gar der Kombi – und eine Motorenpalette, die in Serie bis 170PS hoch ging und schließlich den BMW M3 als nun stets folgende Krone der 3er Schöpfung. Das prägte leider auch die 316er und 318er – die aktuelle Tuning-Folklore gab es hier stets in Reinform zu beobachten. Da wurde rumgespoilert, was das Zeug hielt, Alpina und D&W verdienten sich goldene Nasen. Unfassbare 160 Mark für einen seitlichen Alpina-Aufkleber für einen E21 wurden von Normalsterblichen gezahlt – Der Gegenwert von Superbenzin für 1200 Kilometer. Aber auch ganz klar: der 3er war fahrdynamisch nicht einfach nur eine Legende – er war sie zurecht. Kein Serienauto ließ sich so kernig fahren wie der E30.

3er BMW

Der Killer: Das Cabrio des 3er BMW brach die letzten Grenzen. Ein Wagen ohne Wertverlust und von offener Herrlichkeit

Kultauto auf der einen Seite, geriet der 3er BMW aber in der Zeit auch zunehmend in Verruf. Zu sehr wurde er das Auto der jungen Drängler und Raser, die großen Motorisierungen ab 1994 eigentlich nicht mehr bezahlbar bei den Versicherungen, die zu dieser Zeit auf risikogerechte Tarife umstellten. Schade, da der Dreier BMW grundsätzlich auch immer ein wirtschaftliches Auto war, vor allem durch seinen geringen Wertverlust.
An den klassischen Autobahnrasereien war der 3er aber eben nur allzu gerne beteiligt. Als die Privatsender begannen, irre Fahrer auf Autobahnen in Serie zu zeigen und dieses Reality-Genre mit zig Jahren Verzögerung für den Deutschen Markt entdeckten, da war der E30 stets ganz vorn, dann schließlich der Nachfolger E36, der das alles noch ein bisschen besser konnte.

3er BMW M3

Genre-Klassiker der Neuzeit und ernsthaftes Sportgerät

Der allerdings erdete den 3er auch wieder ein bisschen.

Das Tuning ging gesellschaftlich generell zurück und auch der 3er wurde ziviler. Der 2 Türer wurde zum Coupe und dadurch weit seltener, eine zweitürige Limousine war ab 1990 nicht mehr im Programm, was den Charakter des Wagens tatsächlich signifikant veränderte. Zudem rückten die Mitbewerber nun plötzlich näher. Audi A4 und Mercedes C-Klasse und Alfa 156 standen dem 3er Plötzlich zum Teil minutiös kopiert gegenüber: gleiche Maße, gleiche Leistungswerte, breite Motorenpalette, sportlich, hart, eng.

Dreier BMW

BMW E21: hier waren Doppelscheinwerfer noch die Insignien der Macht – es gab sie nur bei den Sechszylindermodellen 320 und 323

Der Dreier BMW hatte Mitte der 90er Jahre eine komplette Klasse nach seinem Muster geprägt, hatte der Klasse seinen Stempel aufgezwungen. In England nannte man die Klasse Small Execs. BMW legte den 3er Compact nach und schielte nun auch nach dem Golf als Markterweiterung. Innen noch mit dem Touch der 80er Jahre, der zeigte, wie gut der E30 war: Sein Armaturenbrett lebte im ersten 3er Compact in den 90er Jahren weiter. Zwar primär, um Kosten zu sparen, aber immerhin.

Der dritte 3er BMW, der E46, verwirrt zunächst. Im Gegensatz zu den vorherigen Modellwechseln fühlt der Modellwechsel sich hier nicht groß genug an – der E46 ist von vielen nicht gleich vom E36 zu unterscheiden. Unterm Blech erneut ein Riesen-Fortschritt, wirkt der Wagen einfach wie ein Facelift. Das stört Kunden jedoch nur im ersten Jahr – das Fahrverhalten des E46 ist so ausgefeilt, der Wagen so erstklassig balanciert, dass jede wie auch immer geartete optische Kritik gleichgültig wird – zumal angesichts des auffallend hässlichen 7ers, der kurze Zeit später erscheint. Der E90/E91 setzt diese Tradition schließlich fort – ebenso sein Nachfolger: Alle sehen ein Stück weit aus, wie die nächste und wieder nächste Evolution des E36, zeitgemäßer, technizider, teurer. Neben dem Golf, dem 911er Porsche und der E-Klasse definiert der 3er einen Standard in seiner Klasse, an dem man vorsichtshalber nichts mehr grundlegendes verändert – das überlässt man den anderen und siegt einfach in Serie.

6 Gedanken zu „3er BMW – Fahrspaß durch die Generationen

  1. ,,, hab´ in meinem verdammt langem Autofahrer-Leben mehrere „kleine“ und einen „mittleren“ BMW, natürlich nacheinander, besessen; der Erste war ein damals schon ziemlich runtergerittener 1602, später war ein 320/4 mein erstes Auto über 100 PS – und das hat schon richtig Spaß gemacht und wiederum Jahre später war´s ein 318I / E30 mit Dreigang(!)-Automatik … und jedes hatte seinen Charme – sogar der „spießige“ 520 zwischendurch – der immerhin sogar mit fast 200 km/h der schnellste im Bunde war … 😉

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