Italienische Youngtimer: folgten allen Klischees

Italienische Youngtimer genießen in Deutschland schon seit immer einen zweifelhaften Ruf – und die, die danach kamen, gelten zumeist als langweilig.

Na das fängt ja gut an… Wie fing es denn wirklich an?

Nimmt man die Deutsche mal aus, gibt es wohl kein zweites Land, das so vehement emotional autovernarrt ist, wie die Italiener es von jeher waren.

Italienische Youngtimer

Die Massenbmotorisierung Italiens: Fiat 500

Nach dem Krieg legten wir mit dem Käfer los, der im Prinzip schon die Größe des germanischen Standard-Autos vorwegnahm, das man heute unter dem Namen Golf kennt. Die Italiener hingegen starteten mit deutlich kleineren Kalibern – Autos wie der Fiat 500 prägten ab Mitte der 50er eher die Szene. Während der Teutone schon am 8 Zylinder und dicken Limousinen feilte, konzentrierten sich die Italiener weit stärker auf die Motorisierung der Massen – und die fuhren eben bedeutend kleinere Fahrzeuge. Mit den Italienischen Einwanderern, die man damals noch mit dem eigenartig politisch korrekt anmutenden Begriff „Gastarbeiter“ beschrieb, wurden die Fiats und Alfas in Deutschland deutlich populärer. Und hier ging es dann in den 60er und 70er Jahren auch in Deutschland nicht mehr nur um die Winzlinge.

Italienische Youngtimer

Lächerliches Werbephoto eines unfassbar coolen Wagens: Alfa Romeo Alfasud… Der konnte was. Boxermotor!

Autos wie der Fiat 131 brachten es in Deutschland durchaus auf nennenswerte Zahlen, ebenso der spätere Lada Fiat 124 und auch der Alfa Romeo Alfasud mit seiner kompakten Karosserie und seinem coolen Boxermotor, Lancia feierte phasenweise mit dem Y10 erkennbare Erfolge in Deutschland, wenn auch die Marke als solche in Deutschland stets exklusiv blieb. Ferrari galt immer mal wieder als cool. Erst geprägt durch Thomas Magnum, dann später durch Don Johnson, dessen weisser Testarossa unzweifelhaft einen Kultwert hatte.

Italienische Youngtimer

Lancia A112 – eine Legende, schon als Autobianchi

Der Autobianchi A112 erreichte einen beinahe größeren Kultstatus, auch der Innocenti Mini De Tomaso, der selbst dem zeitlos coolen Austin Mini in Szene Locations in den frühen 80ern das Leben schwer machen konnte. Maserati hatte in den späten 80ern und frühen 90ern mal ein gewisses Hoch.

Eigen war den italienischen Autos in der Deutschen Wahrnehmung jedoch auch stets ihre Unzuverlässigkeit, die der Germane gerne am Stammtisch mit dem Gemüt aller Italiener gleichsetzte, die in den Deutschen Augen auch stets unpünktlich waren und nie so korrekt und genau ihren Pflichten nachkamen wie der gemeine Teutone.

Der vielleicht krasseste Kleinwagen-Sportler: Innocenti Mini De Tomaso. Ein Meilenstein der technischen Unzuverlässigkeit und ein unfassbares Fahrerlebnis

Der vielleicht krasseste Kleinwagen-Sportler: Innocenti Mini De Tomaso. Ein Meilenstein der technischen Unzuverlässigkeit und ein unfassbares Fahrerlebnis

Man sagte das gerne auch über die Franzosen, und sicherlich war dies auch in gewisser Weise eine Standard-Reaktion der Deutschen auf all jene, die rassigere oder billigere Autos anbieten konnten [die Italiener taten oft beides] – aber die Zahlen gaben dem Germane recht. Ab Mitte der Siebziger bis in die frühen 90er Jahre hinein waren die Italienischen Autos im Schnitt signifikant schlechter. Rost war ein Thema, Elektrik und Elektronik ein ebensolches. Mit jedem neuen Tüv-Report wurde der Stammtisch bestätigt: Autos wie der Fiat Ritmo rosteten ihren Besitzern unterm Hintern weg und sprangen nicht an, wenn sie nicht gerade Öl verloren oder abfackelten.

Sehr klug konstruiertes Auto - leider nie so brillant verarbeitet: Fiat 127, später auch als Seat auf dem Markt

Sehr klug konstruiertes Auto – leider nie so brillant verarbeitet: Fiat 127, später auch als Seat auf dem Markt

Das ließ sich belegen und ist auch bis heute in den TÜV-Reports immer noch ein Thema. Europaweit ist Fiat, Lancia und Alfa abonniert auf Mittelmaß in allen J. D. Power.Reports und ähnlichen Studien.

Ohne Zweifel hat das den Möglichen Erfolg der Italiener in Deutschland immer verhindert. Dennoch muss man den Italienern unzweifelhaft zugute halten, dass sie in der Phase heutige Youngtimer ein paar Autos auf den Markt geworfen haben, de oft durch ebenso mutiges wie ungewöhnliches Design glänzten, wie sie liebevoll anders waren.

Italienische Hersteller haben weit mehr beachtenswerte Kult Youngtimer geschaffen als man auf der Liste hat, was im Regelfall daran liegt, dass sie in Deutschland radikal verschwunden sind.

Italienische Youngtimer: Die Kleinen

Italienische Youngtimer

So wurde der Fiat Panda stets gerne beworben: als vielseitig. Und das war er auch – ein Minimalist, den man sich heute kaum noch vorstellen kann. Toller Youngtimer – wenn auch nicht für die große Fahrt

In diesem Bereich ist Fiat die prägende Marke, die sich nach diversen Experimenten heute ja wieder zu konsequent „klein“ bekennt. Damit war sie auch schon in den 70er Jahren erfolgreich und phasenweise die Importmarke Nummer 1 in Deutschland – speziell in dieser Klasse, wo es auch auf den preis ankam.

Der Killer war ohne Zweifel der Fiat 127, dessen Paarung aus Sportlichkeit und Kompaktheit in dieser Weise in Deutschland unbekannt war. Mit dem Fiat 127 verband uns auch einst eine kurze aber wundervolle Freundschaft. Und ja: er war qualitativ durchaus diskussionswürdig – aber geil. Mit dem 128er nahm Fiat hier ausserdem längst die Lösung vorweg, für die sich Volkswagen später beim Jetta 1 feiern ließ. Der 127er Fiat prägte in Italien eine Generation junger Kerle und war der Café Racer an jeder Piazza von Brindisi bis Rom. Ein Kultauto, dem die Italiener bis heute viel Liebe entgegenbringen.

Qualitativ eine Ratte - aber ein wunderschöner Kleinwagen mit reichlich Platz

Qualitativ eine Ratte – aber ein wunderschöner Kleinwagen mit reichlich Platz

Sein Nachfolger Fiat Uno war zu sachlich und galt selbst in Italien als qualitatives Desaster, was sich erst in den ganz späten Jahrgängen wieder besserte.

Wer diese Kleinwagen nicht mochte, für den bot Fiat die Italienische Youngtimer Legende an: den Fiat Panda. Kein Wagen hatte sich bis dahin – nehen wir die Ente mal aus  so sehr auf die Minimalbedürfnisse des Transports beschränkt. das ist bis heute Kult. Daneben wirkt der Mini verspielt und der Käfer gigantoman….

Der Lacia Y10 ist hier der Gegenentwurf. Während die kleinen Fiats stets so ausgelegt waren, dass sie eine Familie von C nach E bringen konnten, war der Lancia Y10 der hübsche dekorative Italienische Youngtimer, der eher durch Design gefallen wollte als durch Transportkapazität. Eine Französische Autozeitung kürte den Wagen in den 80ern zum schlechtesten Auto, das sie je getestet hatten – Legendenstatus der besonderen Art….

Sieht super aus und gilt als eines der schlechtesten Autos überhaupt: Lancia Y10

Sieht super aus und gilt als eines der schlechtesten Autos überhaupt: Lancia Y10

Italienische Youngtimer: Die Gölfe

Eine Klasse darüber waren die Italienischen Youngtimer schon dünner gesät. Der Fiat Ritmo startete gut, hatte aber mit Qualitätsproblemen zu kämpfen. Sein Jetta-Bruder Fiat Regatta hatte eine gewisse Fangemeinde im bürgelichen Lager – vor allem durch seine großzügige Ausstattung, die man teils beim Jetta nicht mal bekam – und ganz sicher nicht zu diesem Preis.

Damals extrem selten: Ritmo Cabrio mit ziemlich dekorativer Linie

Damals extrem selten: Ritmo Cabrio mit ziemlich dekorativer Linie

Der Wahre coole Italien-Golf ist jedoch der bis heute ungeschlagene Alfasud. Zu dem gab es auch nie einen coolen Nachfolger oder so. Der Alfasud war eine Diva – in allem. Krass gute Strassenlage bis in die Spitzen – dann vollständige Unberechenbarkeit. Aufwändige teure Fehler… Aber immerhin brachte es der Alfasud auf satte 12 Jahre Bauzeit. Sein Nachfolger, der Alfa Romeo 33 war ein netter Versuch, ohne Zweifel – aber dem Alfasud konnte er nicht das Wasser reichen.

Italienische Youngtimer: die Großen

In den größeren Klassen spielten die Italiener in Deutschland keine besonders große Rolle – Italienische Youngtimer vom Format eines E34 oder W124 gibt es daher praktisch nicht. Aber die Italiener haben auch nicht so viele davon gebaut und noch weniger erfolgreich exportiert.

Was für eine Linie: Fiat 130 Coupe

Was für eine Linie: Fiat 130 Coupe

Cool war unzweifelhaft der Fiat 130, der es zu einem der Hauptdarsteller im Deutschen Tatort brachte, dort aber natürlich klischeehaft von einem Italiener gefahren wurde… Dennoch: Der Fiat 130 war ein ganz großer. Mit idiotischem Namen, da der 131 und der 132 kleiner waren… Er hat diesen vollumfänglichen Mafia-Charme, das ist schon großartig. Der 131 hatte Bedeutung bei all jenen, die sich keinen BMW leisteten. Ein Wagen mit einem Fahrverhalten, das auch im Serienzustand Rallye-Züge hatte. Geil. Alfa Romeo baute sensationell coole Limousinen wie denAlfa 75, dessen Vorgänger Giulia und Giulietta schon längst die Sportlimousine definierten, bevor BMW sich dafür feiern ließ, dieses Konzept erfunden zu haben. Nein nein…. Alfa Romeo Giulia konnte das schon 1962!

Die größeren Alfetta und Alfa 6 spielten kaum eine Rolle – der 155er wurde irgendwann unbedeutend – obwohl ein ausnehmend cooles Auto, nur leider qualitativ kein Highscore…

Nein, BMW hat die Sportlimousine nicht definiert - das ist einfach falsch. Es war definitiv Alfa mit diesem bis heute unsäglich cool geformten Auto

Nein, BMW hat die Sportlimousine nicht definiert – das ist einfach falsch. Es war definitiv Alfa mit diesem bis heute unsäglich cool geformten Auto

Bevor Lancia sich mit aufgetragenen Chrysler Modellen blamieren musste, hatten die mal eine designerische Hand, die einem bis heute Respekt abringt. Gamma, Beta und Thema waren Autos, die in Süd- und Mitteleuropa respektiert wurden, die Klasse hatten und teilweise schon den Charme exklusiver Monteverdi zu versprühen vermochten. Sauberes Leder, tolle Extravaganz aus Großserientechnik – die Italiener ließen sich was einfallen. Aber finde so einen heute mal.

Und natürlich: Der Delta Integrale… Dass eine solche Marke praktisch verrecken konnte, ist im Grunde unverständlich – aber Lancia stand selbst in Italien im Feuer bezüglich sündhaft teurer Ersatzteile, grober Fehler bei der Motorentechnik, etc….1986 Alfa Romeo GTV6

Darüber rangierte nur noch Maserati. Von denen bekommt man selbst in Deutschland noch welche, die was taugen. Die kosten allerdings auch. Wer einen Originalen Quattroporte sucht, der muss Geduld mitbringen – oder lieber gleich nach Italien gehen – da gibt es von denen noch ziemlich reichlich, in Frankreich auch. Das dortige Klima bekommt den Wagen offensichtlich ohnehin besser….

Aber geht das nicht eigentlich uns Deutschen auch so….? Und das Essen….? Die italienischen Weine….? 😉



4 Gedanken zu „Italienische Youngtimer: folgten allen Klischees

  1. Ein schöner Artikel! Was wäre die Welt der Autos ohne Italien?

    Eine nette Ergänzung wäre noch ein Hinweis auf die letzten Versuche Lancias die Welt durch automobile Seltenheiten zu verbessern: der Thema 8.32 mit Ferrari-Motor und das Lancia Kappa Coupe.

Die Kommentare sind geschloßen.