Golf I, Nachruf: Bye bye, Typ 17

vw_typ_17_radioDieser Tage vor 30 Jahren wurde der letzten Golf I in Deutschland neu zugelassen – der Golf I selbst, der VW Typ17, erschien vor eher 40 Jahren – Zeit, Lebewohl zu sagen zu einem Youngtimer, der irgendwie keiner werden konnte und jetzt plötzlich ein Oldtimer ist.

Wenn Du – wie ich – 1970 geboren bist, dann war der Golf I das Ziel-Auto der Generation als erstes Auto. Der 2er Golf war schon eher dekadent und was für die reichen Kinder, von denen die Eltern am Ende noch einen W123er hatten oder ähnlich großspurige Karren.

Natürlich hattest Du Träume von einem Golf I GTI – aber na gut, einer mit 70PS würde es auch tun – Hauptsache einer mit den dicken Blinkern hinten vom Facelift.Golf I

Die erste Serie des Golf hatte ich persönlich nie so sehr gemocht, weil der innen diese eigenartigen Instrumente hatte. Dann kam der versachlichste, nordisch kühle neue Aufguss, der die eckigen Instrumente hatte – Jetta ohne Heck, wenn man so wollte. Und tatsächlich wurde mein erster Wagen genau so einer. In Mexicobeige – eine Farbe, die ich zuerst nicht leiden konnte, aber immerhin eine Farbe, die Du auch mal 6-12 Monate nicht waschen musstest, weil die Farbe quasi schon von selbst dreckig war.

Unsere erste Liebe hielt nicht lange – aber immerhin war das nicht meine Schuld. Der erste Golf I war ein 81er mit 60PS in besagter Farbe mit einem Radio ohne Cassettenteil. Zwar war ein vermutlich sündhaft teures Blaupunkt-Radio verbaut worden – aber eben das, das Blaupunkt mit dem für mich unerklärlichen Slogan „Rundfunk pur“ bewarb. Ich erinnere mich nicht mehr an den Namen – weiss den einer?

Golf I in mexicobeige

Mexicobeige – die Farbe, die Du nie waschen musst

Just dieses Radio wollte ich gerade ersetzen und befand mich in einer Quelle Niederlassung, in der ich ein Radio mit Tape-Schacht und AUTOREVERSE erwarb – für 179 DM. Die musikalische Zukunft in Händen kam ich auf den Parkplatz zurück – wo ein Mannschaftstransporter der Polizei, unterwegs zu einem Fußballspiel, auf Nässe von der Strasse abgekommen war und meinen mexicobeigefarbenen Golf I schlicht zermalmt hatte.

An diesem Tag tat mein Vater etwas unfassbares: Bevor irgend eine Versicherung zahlen konnte – immerhin war die Sachlage ja vollkommen klar – kaufte mein Vater bei dem VAG Partner in der Nähe seiner Arbeit einfach einen weiteren Golf – 70PS, meine Traum-Motorisierung. Ich liebte das Geräusch des 1.5ers. Mein Vater hatte damals mal einen Jetta I mit dieser Maschine gehabt. der eigenartig grummelige Sound bei niedrigen Touren – das hohe Drehmoment – yeah, mein Motor!

Golf I

Ja – so sieht ein Armaturenträger aus, wenn er von sachlichen Norddeutschen kreiert wird. Jeder, der mal in Wolfsburg war, versteht, woher das Design bei Volkswagen seine „Designsprache“ bekam 😉 Und das ist ist schon die Hightech-Version mit Digitaluhr und Drehzahlenmesser… Hartplastik hat seinen Namen aus diesem Auto

Und wieder mexikobeige…

Man kann nicht alles haben. Bis heute fasziniert mich am Golf I die unglaublich geringe Komplexität und Wartungsfreundlichkeit. Jeder doppellinkshändige Depp kann hier Teile tauschen – nehmen wir mal die blöden Faltenbälge an den Antriebswellen aus, die ständig den Geist aufgeben. Aber das rostige Stück rund um die senkrecht stehende Antenne – das hab ich damals mit dem VW Reparaturplatz ganz alleine getauscht – mit Spachteln und allem. Hab auch den 70PS Motor selbst frisiert – auch das war damals noch unfassbar leicht.

Jetta I

Lange Deutschlands wichtigstes Rentnerauto – mit der Original Schweißnaht

Der Doppelvergaser aus dem 85PS 1.6er passte einfach so drauf – ebenso gab das VW Teile Regal andere Nockenwellen her – nicht vom Tuner oder so – nein: Serie, man musste nur wissen, welche. Und dann hatte man 88PS. Und ich war dreist genug, mit denen beim Tüv vorzufahren – aber das ist auch irgendwie eine andere Geschichte.

Der Golf I führte ein nahezu unbekanntes langes zweites Leben – in Südafrika, wo ich bei einem Urlaub 1996 wieder einen fahren durfte –  und zwar einen nagelneuen Mietwagen. Am anderen Ende der Welt… unglaublich. Mit einem reichlich dickbackigen 1.8er, wie es ihn hier im Cabrio auch gab.

golf_1_40_3Und irgendwie fuhr der sich immer noch so: Einfach, berechenbar – irgendwie wie das größte Ketcar, dass man damals kaufen konnte. Am Golf I war alles im besten Sinne einfach – auch an den Klonen des Typ17 wie etwa dem ersten Jetta, der stets dadurch beeindruckte, dass er tatsächlich eine gut sichtbare Schweißnaht im Kofferraum hatte – die Stelle, an der der Golf aufhörte und der Kofferraum begann.

Vom Scirocco mal gar nicht zu reden. Den hatte ich, Sohn einer VW Familie, natürlich später auch – als Einser und Zweier – wobei klar ist, dass der zweite Scirocco soviel Typ 17 in sich hatte, wie sonst kaum ein anderes Auto. Der Caddy hat mir gefehlt in meiner Sammlung.

Golf I Typ17

Verstehen nur eingeweihte: Dicke Rückleuchten bringen es…

Schade irgendwie, dass VW den Golf nicht in ein Ostblockland für ein zweites Leben verkaufen konnte – das hat so tolle Stilblüten hervorgebracht und wäre dem einfachen und belastbaren Konzept würdig gewesen. Was vermutlich gefehlt hat, war einfach Platz für Beine hinter den Vordersitzen. Was das angeht, war der erste Golf wirklich das letzte. VW versuchte das später beim Facelift von Golf I und beim Jetta mit schmaleren Vordersitzen zu korrigieren. Ein Desaster. Bei denen spürte man als Fahrer immer die Knie der hinten sitzenden im Kreuz.

Alles in allem war der Golf I dennoch ein kleines Heiligtum der Automobilgeschichte: Trivial vielleicht, weniger cool als die Ford oder Opel der Zeit. Sachlich – aber eben auch gut und der Retter des Konzerns, der zu Beginn der 70er fest mit dem Rücken an der Wand stand. Das hätte übel enden können.

Hat es aber nicht. Und der Golf I trägt wohl den größten Teil dieses Verdienstes auf seinen kleinen geschraubten Schulter,

Danke, Golf I und Bye bye…



15 Gedanken zu „Golf I, Nachruf: Bye bye, Typ 17

  1. es hätte ja beinahe auch so einen Ost-Golf gegeben, ganz ohne 2. Leben.
    Da hatte doch der VEB Sachsenring, bereits einige Zeit vor dem Golf 1 , ein entsprechendes Fahrzeug fertig, dass bereit zur Produktion gewesen wäre, jedoch eingestampft wurde, da die Umstellung der Produktionsanlagen von der Führubg als zu teuer angesehen wurde und so weiter der Trabant herhalten musste. Die Information habe ich aus 1. Hand von meinem Vater, der zu der Zeit in der Entwicklungsabteilung von Sachsenring gearbeitet hat.

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