Japanische Youngtimer und das Leid der Modellwechsel

Wenn ich mit meinem Vater über Japanische Autos spreche – oder schon in den 80er Jahren sprach, dann war sein Punkt immer, dass Japaner Mist seien, weil die alle 5 Minuten einen Modellwechsel haben.

Japanische Youngtimer

Honda Accord im 8 Generation Wikipedia-Überblick… Unübersichtlich…

Was man damals vielleicht irgendwie akzeptieren mochte, macht es unseren japanischen Youngtimern heute tatsächlich ein wenig schwer – schwerer als beispielsweise einem Ford Sierra, der 11 Jahre auf dem Markt war oder einem Mercedes W124, der ähnlich lange gebaut wurde – bei Deutschen Fahrzeugen dieser Zeit nichts ungewöhnliches. Tatsächlich gab es schon einmal Ende der 80er Jahre eine detailliert Studie zum Wertverlust japanischer Gebrauchtwagen, als die noch keine Japanischen Youngtimer waren – dabei kam raus, dass zu den Zeiten, in denen Gebrauchtwagen noch in Zeitungen gesucht wurden und keine Bilder dabei waren, die Japaner stark benachteiligt waren, weil nur wenige Leute genau sagen konnten, welches Modell in welchem Jahr gebaut wurde und somit nie recht wussten, welcher Wagentyp nun genau mit der Anzeige gemeint war.

Japaniasche Youngtimer - Toyota

Brutale Modellvielfalt

In der Zeit einer Mercedes- oder Opel-Epoche konnten das ja auch mal 2 oder 3 Modlle eines populären Japaners sein. Schauen wir beispielsweise auf einen Toyota Corolla der 80er Jahre, so gab es einen von 1979 bis 1983, den nächsten von 83 bis 87, das Folgemodell von 87 bis 92 – also rund 4 Jahre pro Baureihe. Erst in den 90ern wurden die Intervalle länger, auch mal 6 Jahre… Und nicht nur das: Während Volkswagen in der Klasse den Golf, den Jetta und den Scirocco baute, also Kompakt, Limousine und Coupé, baute Toyota in derselben klasse alle 3 Modelle unter demselben Namen: Corolla. Wer sich also nicht damit auseinandersetze, hatte keine rechte Chance, einen Überblick zu behalten.

Toyotas japanische Youngtimer

Starke Veränderung der Modelle – Toyota Cressida 1979…

Bitter ist das heute auch aus Sicht der Ersatzteilbeschaffung, denn einer der Gründe, warum die Ersatzteilhaltung für Japanische Youngtimer so schwierig ist, kommt natürlich daher: Die Komplexität ist einfach doppelt bis 3 Mal so hoch wie bei VW oder Mercedes Youngtimern.

...und nur 3 Jahre später... Modell-Konsistenz fiel dem Experimentieren zum Oper

…und nur 3 Jahre später…
Modell-Konsistenz fiel dem Experimentieren zum Oper

Hinzu kommt leider: Die Asiatischen Hersteller interessieren sich bislang nur in sehr engen Grenzen für ihre Klassiker – und der freie Markt, der bei den lang gebauten Deutschen auch sehr gut ausgebaut ist und auch bei Saab und Volvo, die sehr lange sehr ähnliche Komponenten benutzten, die teils vom 140 über den 240 bis in den 740 überlebten – kann sich für die kurzen Modellzyklen auch nicht richtig aufstellen. Oft muss man dann über hässliche Foren ausweichen oder über US-Mailorder, wo die Modelle teilweise allerdings andere Spezifikationen hatten. Da hilft dann eBay leider immer noch irgendwie besser, wenn auch nicht gut. Wir werden also weiterhin viel Liebe brauchen…




5 Gedanken zu „Japanische Youngtimer und das Leid der Modellwechsel

  1. Der Unterschied liegt im Detail. MAG sein dass es schneller zu einem neuen Modell gekommen ist bei den japanischen Herstellern, ABER, geht doch mal für ein typisches, deutsches mitte 80er Jahre Auto alleine Bremsbeläge kaufen. Du wirst von jedem Mechaniker hören „nimm das Muster mit“, ja warum bloss? Weil die Deutschen Fahrzeuge immer mit dem gefertigt wurden was gerade da und greifbar war, bei japanern kann man teilweise sogar Modellübergreifend Ersatzteile tauschen, aber in jedem Fall gibts eigentlich immer nur EINEN Satz für das Modell.

  2. Schlimm war es Ende der 70er z.b. mit dem Starlet P6: 1978 rausgekommen, 1980 Facelift, 1982 zusammen mit allen anderen Modellen das Großfacelift das in den Sommerferien des Jahres 82 gemacht wurde.

    Aber schon damals gab es Teilegleichheit.

    Richtig ist ausnahmslos daß die japanischen Hersteller ihre Kunden bei Klassischen Fahrzeugen vollends im Stich lassen. Wer nicht per Internet oder Club vernetzt ist hat es echt schwer.

    1. Der KP6 wurde alle 2 Jahre modellgepflegt. Dazu gab es jeweils 3 Motorisierungen und 4 unterschiedliche Ausstattungen. Die erste Modellpflege beschränkte sich keineswegs auf Äußerlichkeiten. Im Verborgenen wurde z.B. die Aufnahme für den Getriebehalter verändert, ebenso Teile der Lenkgeometrie und der Hinterachsfederung. Die Ersatzteilsuche ist eigentlich so schon schwer genug und wird durch solche Änderungen noch zusätzlich verkompliziert.
      Gruß, Rory

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.