Youngtimer Opel Kadett E

***Re-Release***

Nach diversen juristischen Randerscheinungen haben wir uns entschieden, Eurem Wunsch nachzugeben und diesen historischen Post tatsächlich wieder auf diese Plattform zu heben. Ihr habt es so gewollt 😉


….schon vor ein paar Jahren ließen wir uns an anderer Stelle zu dem Artikel „Billigauto seziert: Finger weg vom E-Kadett“ hinreißen – zwar in einem vollkommen anderen

Kontext; dennoch ist es wirklich auffällig, dass dem letzten Kadett-Modell in wirklich keinem Kontext die Ehre zugekommen ist, die dem Abschieds-Mdell einer so großen Fahrzeug-Serie eigentlich hätte zuteil werden müssen. Neben dem Käfer und exotischen Kleinwagen war es der Opel Kadett, allem voran die Typen A und B, die das Deutschland der 60er und 70er motorisierten. Der Kadett C [73-79] wurde zur Youngtimer-Legende, speziell als Coupé – oder, noch seltener, Coupé GT/E. Der Kadett D, erster frontgetriebener Kadett, schwächelte schon sehr stark im Kultstatus – vielleicht, weil er so viele schrullige Eigenheiten aufgegeben hatte, um einen auf Golf zu machen. Er war beliebiger als der C-Kadett, profaner, golfiger – und der Golf will auch nie so ein rechter Youngtimer sein in all seiner Zeitlosigkeit. Dann kam er: der Kadett E – mitten hinein geboren in die schlechteste Phase, die Opel je erlebte: üble Qualität, wasserbasierter Lack und böse Gerüchte – und der kleine Kadett mittendrin.

Jedoch in aller Fairness: der Kadett E war wirklich eines der schlechtesten Autos, die Opel jemals auf die Beine stellte – und das bescheinigten TÜV und Dekra dem heutigen Youngtimer Kadett E in allen nur erdenklichen Situationen.

Opel Kadett E innen

Innen im Grunde ein Totalausfall – hatte Opel damals keine Designer? Freudlosigkeit zum Konzept erhoben…

Schnell ließen auch die Gebrauchtwagenpreise für den Kadett E nach. Lange Zeit war der Kadett E praktisch das billigste Billigauto, das man kaufen konnte. Selbst Modelle mit unter 100.000KM und frischem Tüv mussten in Zeiten gedruckter Kleinanzeigen phasenweise unter den Preisen für Marktneulinge wie Kia, Hyundai, Daewoo und Proton gehandelt werden, um sie überhaupt wieder los zu werden. Müsste das nicht den Sammlerwert eines solchen Wagens steigern? Nein – in diesem Falle nicht. Der Kadett verschwand relativ schnell. Mit Ausnahme von ein paar Kombis, die mit Schweißgeräten am Leben erhalten wurden und natürlich den GSIs und Cabrios, kümmerte sich keiner um den letzten Kadett, als die Realität bereits Astra hieß und der Kadett E so langsam zum Youngtimer hätte reifen sollen. Dafür war er einerseits zu verpönt, andererseits zu normal.

Immerhin: Der GSI hat einen prolligen Charme, den sich später kaum noch einer traute. Das hat noch sehr viel Opel in sich

Immerhin: Der GSI hat einen prolligen Charme, den sich später kaum noch einer traute. Das hat noch sehr viel Opel in sich

Die einzigen, die ein Interesse daran gehabt hätten, den Wagen zum Youngtimer reifen zu lassen, waren all jene, die verzweifelt darauf warteten, dass ihnen jemand ihren ollen gebrauchten Kadett abnahm – was nicht geschah…. Selbst „Ossis“, denen man Anfang der 90er so ziemlich jede automobile Dummheit nachsagten, verzichteten auf den Kadett E – einzige Ausnahme: Sie kauften das nahezu nicht vorhandene Stufenheckmodell, das in der Beliebtheitsskala in Wessi-Deutschland noch unterhalb der kompakten Limousine im Golf-Format rangierte – oder sie kauften gleich einen Ascona C – gute und richtige Entscheidung…

Oberoberselten - Kadett E als Limousine und winzige Ausgabe des Omega A

Oberoberselten – Kadett E als Limousine und winzige Ausgabe des Omega A

Derweil rosteten die verbleibenden Kadett E vor sich hin – was sie gut konnten – schlimmer noch als der schon recht rostfreudige Kadett D, bei dem man immer die Radläufe und die Schweller machen muss.

Verzweiflungstat aus der Tuningszene... Leider sehr verbreitet

Verzweiflungstat aus der Tuningszene… Leider sehr verbreitet

Richtig gut erhaltene Renterexemplare mit frischem Tüv sind daher heute im Youngtimer-Status nach wie vor schräg unterhalb des Hyundai Pony zu finden und kosten zum Teil kaum 700€. Selbst eingefleischte Opel-Fans tun sich schwer, dieses zum Teil ja schon 27 Jahre alte Auto ins Youngtimer-Herz zu schließen – zu fade, zu wenig cool, zu garnixich irgendwie…

Tatsächlich irgendwie eine Art Rarität, da er der letzte seiner Art ist: Kadett E Youngtimer Caravan mit DREI Türen

Tatsächlich irgendwie eine Art Rarität, da er der letzte seiner Art ist: Kadett E Youngtimer Caravan mit DREI Türen

Natürlich ist auch ein Golf II alles andere als Headturner – aber zumindest der Jetta hat eine feste Fangemeinde – ebenso das Escort Cabrio. Aber der Kadett E… Hier hätte Opel einfach mehr Mut zeigen müssen, mehr klares Design. Da muss es schon mal mindestens ein GSI sein, oder eben ein Cabrio vielleicht – oder einer der wirklich seltenen 3türigen Caravans.

Aach – selbst dann… Die meisten Leute fühlen sich mit dem Wagen heute einfach schlecht angezogen.

Manche Autos sind einfach nicht zum Youngtimer-Dasein bestimmt…



7 Gedanken zu „Youngtimer Opel Kadett E

  1. Ende der 90er sah ich viele Kadett E in den Händen von rüpelhaften Asis. Die haben die Dinger zu Tode geheizt und dann weggeworfen.

    Traurig.

    Auch wenn ich besonders die Fließheckversion des Kadett E unschön finde, bin ich doch der Ansicht, dass der Wagen erhalten gehört für die Nachwelt.

  2. Die Kiste war schon zu Lebzeiten pottenhäßlichen und sah unterirdisch billig aus. Ich bin froh die Klaperkiste nicht mehr sehen zu müssen.

  3. Mag ja sein was da geschrieben steht. Aber ich bin mit meinen rundum glücklich und abseits von diesem mittlerweile schon nervigen VW-Hype unterwegs. Und mehr Kult als ein oller Hyundai hat der Type E allemal. Man muss wie bei jedem anderen Fahrzeug auch nur mal genau hinschauen und versuchen das Auto zu verstehen. Und bei einer solch stark ausgeprägten, quantitativen Unterlegenheit gegenüber Golf 2 & Co ist der Wagen schon wieder mehr als lässig. Wer dem Wagen nichts abgewinnen kann tut mir ehrlichgesagt leid und soll mit was anderem glücklich werden. Meiner ist 30, ungeschweißt und mit H-Kennzeichen wird er in ein paar Jahren miterleben wie jeder Golf 7 dahingammelt. Fakt.

  4. Der E-Kadett war das einzige Auto, was ich jemals neu gekauft habe. Dummerweise wurde mir die Kiste nach eineinhalb Jahren und 40000km auf der Autobahn durch einen W124 im Tiefflug total zerstört.
    Einen Golf habe ich damals überhaupt nicht in Betracht gezogen, den gab es nicht als Kombi. Und zu teuer waren die Dinger damals schon.
    Nach gerade mal 1500km wollte der Kühlerlüfter nicht anlaufen. Unschön, wenn die Nadel des Kühlwasserthermometers stramm in Richtung „rot“ marschiert. Diese Misslichkeit wurde mit der Haarnadel einer Mitfahrerin gelöst, mit der der Thermoschalter im Kühler gebrückt wurde. Danach lief das Auto völlig problemlos mit rund 7l/100km; gerne mal mit Tacho 170 auf der AB.

  5. Ich fahre das Stufenheck Modell-teils könnt ich kotzen wegen dem Blech, der 1400 er ist dennoch sehr zuverlässig,super sparsam, und bietet viel Platz,wollte ihn nur über Winter fahren die Jolle.Aber 10000 km im Halben Jahr fasst ohne zu mucken und super günstig in Versicherung und Teilen.
    Ausserdem wird dieses Auto noch gebaut,wer kann schon behaupten fast gleich in 31 Jahren noch gebaut zu werden,ihr habt richtig gehört der Kadett E als Grundform wird noch gebaut und verkauft siehe Google,unter Daewoo Usbekistan oder Ukraine

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