E-Vergangenheit: die ersten Hybride kommen in die Jahre …aber werden sie dadurch Youngtimer?

Es ist schon ein bisserl schockierend: Auf der einen Seite versuchst Du Deinen Kindern diese neuartige Technologie „Hybrid“ zu erklären – und dann sagt Dir Deine 12jährige Tochter, dass das a) schon voll vorbei ist, weil jetzt reine Stromautos kommen (haben sie in Physik gemacht) und b) ist Hybrid längst einerseits olles Zeug und andererseits mit Benzinern allein nicht zukunftsfähig.

Hybrid Youngtimer

Hybrid Youngtimer? Vielleicht noch nicht ganz – aber dass es einer wird, ist jetzt schon sicher.

Da musst Du dich erst mal einen Moment mental zurückziehen. Hybrid ist doch kein alter Hut, oder?

Na ja, vielleicht… Damals, der Typ aus der Buchhaltung, der diesen ungemein hässlichen ersten Prius hatte, über den wir uns so lustig gemacht haben. Doch – das scheint schon eine ganze Weile her zu sein…

Hybrid Youngtimer

Das Cockpit ist nur im Detail schrill – auch „normale“ Toyotas sahen damals ungefähr so aus. Die ganzen kleinen Anzeigen sind cool und erinnern an Science-Fiction Filme aus den späten 70ern, was schon irgendwie lässig ist

Tatsächlich kamen die ersten Prius bereits 1999 noch Europa, genauer gesagt nach Großbritannien, gefördert durch die britische Regierung, die damals schon an den Plänen zur weiteren Säuberung der Innenstädte arbeitete. In Japan gab es den ersten Prius schon vor satten 17 Jahren. Nach Deutschland schafften es die ersten Prius erst vor 14 Jahren – allein die Abnahme durch den Deutschen Tüv benötigte 4 ungeplante Monate – primär aus Brandschutzgründen. Unglaublich hässliche Fahrzeuge, die man einfach nicht mögen konnte, ausser eben als Buchhalter, Öko oder Doktor der Physik – aus rein wissenschaftlichem Interesse.

Heute wissen wir, dass Toyota es mit dem Prius geschafft hat und das Konzept offensichtlich ausbaufähig ist. Komplett untergegangen jedoch ist in Deutschland ein weiterer Hybrid der ersten Stunde – der Honda Insight. Der war eigentlich wirklich schrill. Als ich den zum ersten Mal live gesehen habe, drängte sich mir die Assoziation einer Seifenkiste auf. Der Honda Insight der ersten Generation – immerhin auch schon vor 15 Jahren erschienen – wirkte einfach unfassbar experimentell und zerbrechlich. Er hatte zwar eine irgendwie coole Form, strahlte aber vollkommen klar aus, dass er ein echtes Erprobungsfahrzeug war, beinahe eine Art Proof of Concept. Man spürte nie den Drang, diesen Wagen kaufen zu wollen – sehr wohl aber das Interesse, mal herauszubekommen, wie der sich wohl so fahren mag.

Hybrid Youngtimer Honda Insight I

Der Honda Insight der ersten Generation, die es in Deutschland praktisch nicht gab, ist weit schrulliger als der Toyota Prius. Man ahnt, warum der eine erfolgreicher war als der andere

Denn eins war sowohl ihm als auch dem Prius vollkommen sicher und macht beide Wagen zu unfassbaren Anwärtern auf einen Run als Youngtimer: Beide Wagen sind schrullig und echte Forst-Generation Geräte – die haben immer einen gewissen Kult-Status – so wie der Commodore C64 oder der erste Smart oder aus dem gleichen Hause die erste A-Klasse. Denen merkt man ganz klar an, dass sie etwas erreichen wollten und dabei Originale geworden sind, die eben experimenteller und andersartiger waren als ihre Mitbewerber – sofern sie denn überhaupt welche hatten.

Hybrid Youngtimer starten hier, wo denn sonst? Hybrid Youngtimer werden ein unübersehbares Kult-Potenzial bekommen, weil sie noch dieses Wagemutige in sich tragen. Das ist ein bisschen das Feeling von Bertha Benz, die auf ihrer ersten Fahrt noch bei Apotheken Benzin kaufen musste – wer hätte da 7*24h Tankstellen erahnen wollen?

Ganz so abenteuerlich ist ein Hybrid Youngtimer nicht und ist es auch nie gewesen – aber wo sonst konnte man Ende der 90er Jahre überhaupt noch automobile Abenteuer bekommen?

Auf eine ureigene Weise haben die Insights und Prius „Benzin im Blut“ – sie taugen für abendfüllende Geschichten „Und dann, bei 23 Grad Außentemperatur und kaum Wind, da hab ich das erste mal unter 3 Liter gebraucht….“ Und damit könnten sie einem glatt irgendwie ans Herz wachsen.

Werbung Hybrid Youngtimer

Mit Bildern wie diesen warb Honda für den experimentellen Insight. Beim näheren drüber nachdenken, ist das Motiv vollkommen blödsinnig, wirkt aber dennoch irgendwie so, als hätte man der Natur wohl etwas gutes getan…

Die ersten Hybrid Youngtimer, wenn man sie denn überhaupt schon so nennen will, gibt es schon ab vergleichsweise vertretbaren 2500€ – das kann einem der Geschmack von skurriler High-Tech schon wert sein. Das gilt allerdings tatsächlich nur für den Toyota Prius. Den Honda Insight bekommt man jetzt schon nicht mehr – ausser in den Niederlanden, wo es deutlich mehr experimentierfreudige und sparwillige Zeitgenossen gab.

Die frühen Prius-Modelle glänzen durch teils schier bizarre Laufleistungen – 300.000 Kilometer sind hier keine Seltenheit. Hier greifen also nicht nur Toyota Gene, sondern sicherlich auch die Tatsache, dass Toyota hier lange getestet hat, um ja nichts zu verbocken.

Alles in allem kann die Schrulligkeit Spaß machen. Der Prius der ersten Generation fährt sich weit weniger bizarr, als er aussieht. Vielleicht schnappen wir uns mal so einen für den ersten Hybrid Youngtimer Selbsttest. Irgendwas ist schon dran an dem unförmigen Experimentierer.