Fiat 126p – Das zweite Leben, Teil 8

Fiat 126… ich kannte den als Kind eigentlich nur als Polsky Fiat von Besuchen im Heimatland des Fiat 126, der korrekt Fiat 126p heisst – P für Polsky oder Polski, denn das bedeutete einige Abstriche – aber es bedeutete auch ein zweites Leben – und was für eins.

Fiat 126P

polnisxhe Legende der Kriegszustandsphase. Lech Walesa und der 126p – eine eigenartige Symbiose der Parallelität

Im Falle des Fiat 126p war das kein zweites Leben der Art, wie wir das etwa vom Fiat 124 oder Fiat 128 kennen – hier wurde nicht der Wagen, nachdem er im Grunde abgetragen war, noch einmal in ein anderes Land verscherbelt – obwohl Fiat dafür wirklich eine offensichtlich gute Hand hatte.

Doch die Verbindung mit FSM war schon weit früher geschlossen worden, noch lange vor dem zweiten Weltkrieg – und stets eine dankbare Markterweiterung für Fiat. Der 126er wurde sogar ganz gezielt auf den polnischen Markt hin konstruiert und erschien 9 Monate nach der offiziellen [West-]Premiere. Die Polen nannten ihn Maluch, was eine Koseform ist und soviel wie „Kleiner“ bedeutet. Und das war er ja wohl auch – dennoch musste er das Land durch die Zeiten des polnischen Kriegszustandes fahren – und das dann gerne auch mal mit 4 Personen, die in dem Wagen objektiv keinen Platz finden, aber aufs Land rausfuhren, um dort – eine wichtige polnische Tradition – Gemüse zu „organisieren“. Eine Fähigkeit, die oft auch wichtig war, um den Fiat 126 gescheit betreiben zu können, wenn mal wieder was fehlte.

Fiat 126p

schlicht: Fiat 126p

Zu diesen Krisen-Zeiten wurde da etwa das Benzin rationiert und nur noch auf Benzinmarken verkauft. Für einen Fiat 126 bekam man Bezin-Marken im Wert von 24 Litern – pro Monat. Da überlegte man sich ohnehin genau, wohin man mit dem Maluch fuhr… Zumal der Wagen mit seinen 23 bis 24 PS – abhängig davon, wie er ins Land gekommen war – nun auch ohnehin nicht gerade ein Rennwagen war und dadrüber hianus enorm laut.

Erst mit dem facegelifteten Modell BIS kehrte eine Leistungssteigerung ein auf sage und schreibe 27PS! Das waren weit über 10% mehr als zuvor…

Ja – man musste den Fiat 126 mögen. Der Ostblock mochte ihn nicht – aber wie meine Oma stets über die Nachkriegszeit sagte, galt auch hier „Wir hatten ja nichts…“

Von 1973 bis 2000 wurde der Fiat 126 gebaut – und wie im Ostblock üblich, wurde der Fiat 126 im Anschluß noch 3 weitere Jahre verkauft – auf Basis von Resten, Ersatzteilen, was auch immer. Teilweise kam hier sogar ein anders abgestimmter Motor mit stattlichen 31PS zum Einsatz, den es nie offiziell gab – aber wie sollte es den auch offiziell geben – zu diesem Zeitpunkt gab es den ganzen Wagen offiziell nicht mehr…

fiat_126pDer Fiat 126p ist ein echtes Phänomen des Ostblocks. Obwohl man immerhin sagen muss, dass auch Fiat das Auto bis 1991 baute, weil der Wagen aufgrund seiner radikalen Kompaktheit und den günstigen Unterhaltskosten eben am Ende doch seine feste Fangemeinde hatte.

Hinzu kommt, dass der Fiat 126, wo auch immer gebaut, stets als qualitativ gutes Auto galt. Der Wagen ist tatsächlich einigermaßen Robust und in Ländern wie Italien und Polen wusste am Ende jedes Kind, wie man welches Teil austauschte und wie man mit Hilfe von was irgendein Problem kurzfristig beheben konnte. Oder das richtige Teil „organisierte“.

Der Fiat 126p ist ein Teil der Ostkultur geworden – nur geblieben ist er es nicht. Sobald Polen den Aufschwung spürte, verschwanden die 126p in Scheunen. Tatsächlich kennt heute jeder einen, der irgendwo im Dorf noch einen herumstehen hat. Wer also gerne ein Stück des Ostens hätte…