Diesel – erinnerst Du dich an die?

Eigentlich fahre ich jeden Tag einen Diesel.

Äh… Na gut, nein – tu ich nicht… Ich fahre einen TDI. Tatsächlich stammt mein Alltagsauto aus dem VW Konzern. Ein 2 Liter TDI mit 140PS. Die gelten mittlerweile als ausgereift, die Autozeitungen überschlagen sich immer wieder vor Freude – und ja: Die Dinger machen im Alltag tatsächlich einen guten Job.

Rudolf Diesel

Komplexer Charakter und praktisch der Gegenentwurf zu Otto

Nur nicht als Diesel, denn damit haben die rein gar nichts zu tun – nehmen wir vielleicht mal den Kraftstoff aus – aber wenn ich dann denke, was Onkel Paul und Onkel Gerd in meiner Jugend so in ihre Tanks geschüttet haben… das würde ich heute mit meinem TDI nicht versuchen – aber meine Onkel hatten eben auch echte Diesel, keine TDIs.

So ein TDI macht keinen Lärm mehr – vielleicht mal kurz morgens beim Anlassen – aber auch das ist kurz danach vorbei. Der erste Diesel, den ich je selbst gefahren bin, war der 240D von Onkel Paul. Der hatte mehr Hubraum als mein TDI, aber gerade mal halb so viel Leistung, nämlich 72PS – und das war schon der weit modernere Motor; der Vorgänger hatte 65PS. Mein TDI dreht mühelos auf 5000 Touren hoch – das tat der von Onkel Paul auch – bergab, wenn man sich verschaltete…

Diesel!

137 Newtonmeter mögen heute lächerlich klimgen – aber die pressen dich einfach die Hügel hoch… Hammer, bis heute

Aber als ich kürzlich mal wieder einen W123 Diesel fuhr, eben einen solchen 240D mit 72PS, da fiel mir auch wieder ein, dass es nicht die Glorifizierung eines Arbeitsprinzips ist, die den Diesel, den echten Diesel ausmacht, es ist auch die Art, wie man ihn fuhr.

Drehmoment kennt man vom TDI – aber das ist praktisch komplett künstlich. So ein 240D hat gerade einmal 137 Newtonmeter. Damit jagt man heute keinen Polo mehr vor die Tür – und dennoch hatte dieser Wagen eine unglaubliche Kraft. Das ist eben doch wie Ackergaul gegen das TDI-Rennpferd von heute. Das Drehmoment des 240D ist einfach immer da, ganz gleich, was Du gerade von ihm verlangst. Dasselbe Bild, eine Nummer kleiner: Audi 80 von 1989 mit dem dicken Saugdiesel – 1,9 Liter und 68PS. Also schon eine ganze Nummer moderner – und 127 Newtonmetern, wann immer du sie brauchst. Das merkt man vor allem am Berg. hier zogen diese Diesel hoch, wie man das heute nicht mehr kennt. Schon begonnen damit, dass diese Kisten keinen Turbo hatten. Das vielzitierte Turboloch was somit unbekannt. Und das bei einer anderen Lautstärke, aber gänzlich anderen Laufkultur, da es sich hier nicht um Direkteinspritzer handelt. Das sind Dieselmotoren, wie sie sich der Erfinder höchstselbst vorgestellt hat: Kräftig und sparsam. Denn das muss man den Dingern lassen: Speziell den Audi 80 mit seiner schon strömungsoptimierten Karosse fährst Du mit 6 Litern. Einen Golf 1 mit 54PS Diesel und seinen  paar Gramm Lebendgewicht kannst Du mit unter 5 Litern bewegen, tausendfach probiert – und wir gar auf lustigen Langstrecken

TDI!Da kommen die heutigen Diesel mit siebenfachem Technikaufwand auch wieder hin – sorry, TDIs natürlich.

Mal nicht verdammen – die TDIs können schon auch was, aber der eigentliche Diesel, der dich mit permanenter Kraft beförderte, Berge rauf zog wie an einem Seil, den gibt es nicht mehr. Selbst Land Rover scheitert hier – und die haben wirklich lange auf zähe Technik gesetzt. Die heutigen Diesel können vordergründig alles besser.

Nein – hier willst Du eigentlich keinen TDI haben, hier willst Du einen echten Diesel

Die TDIs erreichen Leistungen, die unvorstellbar waren, als Mercedes den 300D mit nicht einmal 100PS auf die Strasse ließ.

Dann startete die Schlacht der Technik. Erst die Turbodiesel, die noch was konnten, dann die Direkteinspritzer, dann TDI. Und selbst da kamen zuerst mal 90PS aus 1,9 Litern – heute sind es lockere 105 aus 1,6 – und da ist noch Luft drin, wie die Chip-Tuner sagen. Da muss man sich auch nicht wundern, dass solche Motoren, umgeben von 75 Nebenaggregaten, heute nicht mal mehr eben die 400.000 Kilometer schaffen, die sie einst zum Liebling des Taxi-Gewerbes machten.



14 Gedanken zu „Diesel – erinnerst Du dich an die?

  1. sehr treffender Artikel. 🙂
    Allerdings machen die TDi und CDi Motoren sehr wohl Lärm. Aber es ist einfach ein sonores Klappern. Kein „Dieseln“. Wobei ich das von einem W123 (noch) nicht beurteilen kann. Den bin ich leider noch nie gefahren. Aber beim W124 ist das zum Glück nicht viel anders. 😉

  2. Ich war im Winter auf Island und hatte als Miet-4×4 einen Ssangyong Korando. Soweit nicht weiter spannend, aber in dem Koreaner werkelte der 2,5L-Fünfzylinder-Saugdiesel aus dem W124 – das Ding hat sich mit den fetten, bespiketen Reifen wie ein Eisbrecher durch den Schnee gewühlt, war einfach nur ein Traum. „500m 12% Steigung im Schneesturm mit 15cm Neuschnee und kräftigem Gegenwind? Pffft… Allrad an, Zweiter Gang, 1200UPM und los gehts. Wayne…“
    Bin absolut froh darüber, mich für das günstigere, etwas runtergerockte (mit 195tkm grad mal eingefahren…) Saugdiesel-Arbeitstier statt eines deutlich teureren aber vermeintlich moderneren „SUV“ entschieden zu haben.

  3. ich bin alle möglichen Diesel gefahren, zur Zeit hab ich noch einen 79er 240TD und muss euch in jedem Punkt rechtgeben.

    Die modernen Diesel sind eigentlich wie früher Turbofahrzeuge welche heute etwas weniger brauchen.
    (aber denen das ausdrehen der Gänge abgeht, welches alte Benzinerturbo so reizvoll machte)

    der alte stoische Benzdiesel hat zwar einen immer vernehmlichen Klang, dieser beginnt aber nie zu nerven. Im Gegenteil, er entschleunigt Dich nicht nur physisch, sondern auch psychisch. 🙂
    so genug philosophiert

  4. Irgendwie kommt mir das wie eine Werbung für die TDI’s vor. Es gibt aber bessere Diesel als die Rappelbuden von VW.

    Wenn Diesel dann muss es ein Peugeot Diesel sein. Laufruhig, sparsam, sauber dank FAP und sind Langläufer.

    Peugeot sorgte für den ersten Serien Turbodiesel in Europa mit dem 604. Peugeot hatte schon im 204 einen Kleinwagendiesel im Programm.

    Mein erster Diesel war ein 205 Diesel gefolgt vom 605 mit 2,5 Liter und aktuell ist es ein 208 eHDI.

    Als nächster Diesel wird es ein 308 BlueHDI 150 werden.

    Einmal Peugeot Diesel immer Peugeot Diesel. Es gibt keine Automarke die, wie Peugeot, immer gute, Laufruhige, spritzige, zuverlässige und sparsame Diesel im Angebot haben.

    1. Wir? Für TDIs werben? Niemals… Das ist hier eher ein Platzhalter. Aber tatsächlich: Die Franzosen hatten da schon sehr früh ein gutes Händchen – auch Citroen BX und CX hatten damals Diesel im Einsatz, die der Konkuurenz damals massiv voraus waren

      1. Die Diesel in BX und CX waren besagte Peugeot Diesel. CX Kombi mit dem 2.5 Turbo machte 6,5 Liter. Mein 205 kam auf unter 5 Liter und liess sich dabei noch sehr flott bewegen.

        Es gab auch den 305 mit 1,5 Liter und 50 PS. Drehte recht hoch, machte aber dennoch nicht viel Spitze. DerBreak war ein idealer Urlaubskombi. Trotz geringer Aussenmasse saubequem auch für einen Einsneunzig Menschen. Selbst der 205 war für einen Wochenendtrip vom Odenwald nach Brünn geeignet. (Tacho) 160 auf der Autobahn waren kein Problem.

  5. Moin moin,

    Als Dieselfahrer freut mich der Artikel natürlich 🙂
    Man fühlt sich jetzt zum Montag morgen nicht mehr ganz so allein gelassen.
    Ich fahre jetzt mit der U-Bahn raus auf den Parkplatz wo mein 3,4l Toyota-Diesel wartet, der nicht in die Dummweltzone darf und mit Bj. 1989 auch noch auf das H warten muss.
    Aber so einen Diesel wie beschrieben arbeitet im Land Cruiser immer noch. Der unkaputtbare 4,2l 1HZ Saugdiesel 😉

    Grüße
    Toni (der allerdings nie einen neuen Peugeot kaufen würde, ein „guter“ Motor allein reicht nicht)

  6. Na ja den Nostalgikern gebe ich uneingeschränkt Recht! Fahre aktuell einen KIA Carens II, 2,0l mit 140 PS und Automatikgetriebe, den ich alltagsmäßig nicht mehr gegen meinen alten W123, 240D tauschen möchte! Der KIA hat „genug Leistung“ in jeder Situation und Vollausstattung etc. Der W123 wäre ein idealer Zweitwagen mit H-Kennzeichen um auf Treffen zu fahren oder bei Sonnenschein zu cruisen und dabei das riesige Schiebedach zu öffnen. Wartungs- u. Reparaturkosten sind außerdem viel günstiger als bei modernen Dieseln. Und das ist das was mich als Hobbyschrauber am meisten nervt! Am W123 konnte man alle Wartungsarbeiten selbst erledigen, man ist überall noch ran gekommen! Beispiel 2 Keilriemen für Servolenkung und Lichtmaschine wechseln, war von oben in 30 Minuten erledigt! Der Keilriemenwechsel beim KIA hat beim Freundlichen um die Ecke 68 Euro gekostet und ich musste 1 Tag auf das Auto verzichten!

  7. ich habe irgendwie ein Verständnisproblem. Das DI im TDI steht doch IMHO für „direct injection“, also Direkteinspritzung. Reine Nutzfahrzeugtechnick, die es aufgrund der besseren Ökonomie gegenüber Vorkammermotoren irgendwann in den PKW geschafft hat. (Kleines Quiz: welcher Direkteinspritzer-Diesel PKW wurde in Deutschland zuerst verkauft?). Und ich finde meine tdis im Landy prima – rotzprimitiv und relativ kräftig im Verhältnis zum Vorkammermotor. Brauchen nur Strom für das Abschaltventil und da tut es zur Not ein 9V-Block. Bei allem, was danach kam (Pumpe-Düse, Commonrail, WTF…) wurde der grosse Diesel-Vorteil „läuft auch ohne Strom“ dem Computerwahn geopfert.

    1. Wenn wir und richtig erinnern, hat Fiat das Quiz Thema mit dem Croma damals vergeigt – müsste also am Ende Audi gewesen sein

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