Citroen XM – Respekt für den letzten seiner Art

Bretonen haben einen Regionalstolz, der in etwa auf dem Niveau der Katalanen oder Schotten liegt – wenn er auch nicht ganz so offensiv zur Schau getragen wird. Vielleicht ist das sogar Teil dieses Stolz-Konzeptes… Citroen ist ein bretonisches Auto, darauf legt man dort wert.

Die Strassen der Region, vor allem die, die sich etwas weiter von der Küste weg befinden und nicht auf ausgetretenen touristischen Pfaden liegen, machen schnell klar, warum hier die Hydropneumatik erfunden wurde, die Citroen mit dem DS zum Durchbruch verhalf – auch außerhalb der bretonischen Region. Dann ersetzte nach schier unvorstellbaren 19 Jahren der Citroen CX den DS, wurde annähern ähnlich unfassbare 15 Jahre gebaut und musste schließlich 1989 dem Citroen XM platz machen, der bis 2002 gebaut wurde und anschließend einer großen Leere Platz machen sollte, was aber eine andere Geschichte ist.

Citroen XM

Macht der was her oder was?

Heute erinnern wir uns gern an den großen Wagen aus Frankreich. Auf gewisse Weise den letzten seiner Art. Angefangen bei der Tatsache, dass die französischen Autos ja stets bewusst lebenswert sind, reichlich Platz bieten und für die Große Fahrt gemacht sind. Hinzu kommt die eigenartige Schrulligkeit, für die die Citroen damals standen. Aus heutiger Sicht eine wirklich tolle Eigenschaft – jetzt, da diese Qualität so dermaßen verloren gegangen ist.

Der Citroen XM kann es noch: den großen Reisewagen geben. Einen mit Spielräumen, einen mit Finesse. Ein Fahrwerk der Extraklasse, das auch auf langen Strecken überzeugt.

Youngtimer Citroen XM

Der Citroen XM ist innen ein Gedicht – aber in solcher Qualität auch wirklich nur ganz selten zu finden

All jene Leute, die immer gesagt haben „andere Autos sind doch auch gut gefedert“, haben das Konzept entweder nicht verstanden oder wirklich noch nie einen großen Citroen gefahren. Das war schon etwas verflucht besonderes und es wird sehr schnell klar, dass die Wahl auf den großen Citroen als Staatskarosse nicht nur aus politischen Gründen geschah. Das ist einfach eine Qualität, die man erfahren muss.

XM von unten

Alles, was Du hier siehst, geht ebenso gerne kaputt, wie es teuer zu ersetzen ist. Das schrullig platzierte Ersatzrad mal ausgenommen

Der Citroen XM ist die Klasse der Autos mit Flair. Der kann das ganze Spektrum von der großen Familenreise über Nebendarsteller in einem sehr lässigen Roadmovie, auch heute noch. Nur ist Flair ja leider kein Kriterium, mit dem man Tests in der Auto Motor und Sport gewinnen kann. Das war für Citroen in Deutschland stets ein Problem.

Im Ruf mieser Qualität stehend, fand der XM zunächst nicht ausreichend Beachtung – selbst in seinem Heimatland hatte der Citroen CX dem Vertrauen in Citroen heftige Schrammen zugefügt. Als sich dann noch herumsprach, dass die nochmals aufwändigere Steuerung des Hydraulischen Fahrwerks sich als ebenso anfällig wie dann auch noch teuer erwies und der Citroen XM wegen Elektronik-Defekten herumsponn, stand der Citroen XM schneller in der Ecke, als Citroen nachbessern konnte.

Citroen XM Kombi Break

(leider) auch für Hobby Spediteure gut geeignet – Citroen XM als Break

Das taten sie zwar ebenso gründlich wie gut, aber as half dann nur noch wenig. Der Citroen CX hatte sich selbst in den späten Jahren noch weit weit besser verkauft und schließlich stellte Citroen die aufwändig produzierte Limousine nach bereits 304.000 Stück ein. Der Citroen XM war ein Verlustgeschäft gewesen – das aufwendig Nachbessern hatte die möglichen Gewinne größtenteils überkompensiert und die rechten Stückzahlen hatte der große Citroen auch nicht erreicht.

Die Autozeitungen gaben sich alle Mühe, den großen Citroen weiter schlecht zu schreiben – zumindest in Deutschland. In Großbritannien etwa gilt der Citroen XM als einer der coolsten Wagen, die es je gab. Seine Keilform ist Legende, seine Fahreigenschaften auf den teils unsäglich schlechten britischen Strassen ebenso beliebt wie in der Bretagne.

Hinzu kam: gemessen an der Konkurrenz bot Citroen, wie auch schon beim kleineren BX, die coolsten Dieselmotoren an, die man sich nur denken konnte. Die Motoren hielten um ein mehrfaches länger als der restliche Wagen – aber nicht nur das: sie machten dabei auch schon einen wahnsinns-Spaß.

Citroen XM

In der Realität ist der Citroen XM oft so – leicht beulig, eher im Hinterhof

Als sich die Deutschen Hersteller für die frühen TDIs feiern ließen, die in ihrer Leistungsentfaltung stets furchtbar unharmonisch waren und empfindlich, hatte Citroen leistungsstarke und haltbare Diesel mit Drehfreude schon längst hinter sich – mit weit geringerem konstruktiven Aufwand. Hilft uns das heute, wenn wir den Citroen XM als Youngtimer bewegen wollen? Nur in sehr engen grenzen: Die Diesel wanderten, wie so oft, in die Hände krasser Minimalisten, die den Wagen gerne als Speditionsmobil missbrauchten, langhaarige Bobtails rauchend spazieren fuhren und den Wagen durchrosten ließen. Die gepflegten Exemplare, die heute noch verfügbar sind, sind nicht selten die großen Benziner, gerne mit ausnehmend toller Vollausstattung, wie man sie in der Art nicht übermäßig oft findet.

Raum satt - und die besten Sitze für die Flucht nach dem Banküberfall

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Das muss man einfach mal genießen. Speziell die späteren Exemplare (Y3 und 4) sind dabei zu allem Überfluss auch qualitativ durchaus coole Fahrzeuge. Und prächtige Limousinen für die große Fahrt sind sie immer noch. Das Fahrwerk, in ganz gleich welcher Version, überzeugt auch heute noch auf eine ungekannte Art. Wie schon der legendäre Traction Avant, wurde auch der Citroen XM in Filmen gerne von schneidigen Ganstern an der Riviera Küste entlang chauffiert – gerne mit überhöhtem Tempo. Das kann er, der Citroen XM.Citroen XM Break

Rückblickend ist der Faustkeil von Citroen sicherlich ein Traumwagen, wenn auch einer, der ein wenig Liebe braucht, keine Frage. Aber r wird ein Hingucker, dem steht nichts im Wege. Selbst sein Nachfolger ist schon heute ein Auto, nach dem sich die Leute umdrehen.

Man fühlt sich eigenartig geborgen in dem großen Wagen, der so majestätisch dahinschwebt – und tatsächlich: Da können exakt 2 Autos halbwegs mithalten – der Vorgänger und der Nachfolger, der Citroen C6. Es lohnt sich also, dieses längst viel zu seltenen Wagen zu retten. Am besten, man besorgt ich ein Modell aus einer dörflichen Region in Frankreich – vielleicht aus der Bretagne, denn für die wurde er schließlich gemacht. Die Modelle aus den großen Städten sind – typisch für Frankreich und nicht nur ein Klischee – im Regelfalle zerkratzt und verbeult. Auch in den Niederlanden finden sich viele gute Modelle, selten auch in Italien.

Die Preise sind im Youngtimer-Keller. Hier und da findet man tatsächlich schon fachgerecht restaurierte Exemplare, was ganz klar zeigt, dass der Citroen XM ein wichtiges Auto ist, bei dem die Zeichen dann irgendwann auch wieder auf Sturm stehen. Was er zu Lebzeiten nicht erreicht haben mag: er wird ein veritabler Youngtimer – zurecht!