Die Youngtimer-Jahre: Jaguar

Die Youngtimer Jahre der einst so strahlenden Marke Jaguar fangen etwa 1979 an, als Jaguar einerseits den Jaguar XJ der Serie III launcht und beginnt, einen neuen Chef für das Unternehmen zu suchen – einen, der es wieder auf Spur bringt. Jaguar befand sich in einer [und wahrlich nicht der ersten] schmerzlich schlechten Lage: Die Verkäufe waren im schmerzlichen Abwind – Regierungskäufe stützten die Marke. tatsächlich waren 1977 die Regularien der Dienstwagenbeschaffung geändert worden und erlaubten „Smith & Jones“, wie der Volksmund sagte, einen Jaguar als Dienstlimousine zu nutzen, was Jaguar massiv half.

Jaguar XJ Youngtimer

Britischer Kindertraum der späten 70er: Jaguar XJ der Serie 2. Traumhaft schön, qualitativ unterirdisch – zurecht in Resteuropa geschmäht

Das jedoch machte das zweite Probleme der Marke nur umso offensichtlicher: Die Qualität der Fahrzeuge war seit dem Merger mit British Leyland 11 Jahre zuvor, massiv in den Keller gegangen – kontinuierlich und stetig – so sehr, dass es im Pub irgendwann jeder wusste und Fahrer von Jaguars nicht mit Respekt begegnet wurde, sie hingegen vielmehr mit Frotzeleien rechnen mussten. So sollte es nicht weitergehen – und John Egan war der Mann, der das verstand, wusste und daran rütteln sollte.

Sein Engagement in den folgenden Jahren war beispiellos und scheint rückblickend von einem 26 Stunden Tag geprägt gewesen zu sein. Sir John Egan packte das Thema an allen Ecken an. Sein Vorbild: Die Deutschen – die bauten „highly sophisticated quality,“ wie Egan in ein paar Zeitungsinterviews zum Besten gab – und nicht nur das: Egan erklärte auch klar „Even though their cars tend to have an obvious lack of spirit or inspiring drive – they will finally get you there,“ was implizit klar machte: Unsere Autos tun das nicht, sie kommen manchmal nicht an.

Jaguar XJ

John Egan und William Lyons – die neue und die alte Welt bei Jaguar im Jahr 1980. Ohne einen engagierten Manager wie John Egan hätte es Jaguar vermutlich dahingerafft wie den breiten Rest der Leyland-Gruppe

Und er hatte recht: Jaguar XJ und XJ-S, die einzigen Modelle dieser Zeit, hatten Qualitätsprobleme an allen Ecken und Enden – Rost über das damals übliche Niveau hinaus, schlimme Probleme bei der Haltbarkeit von Getrieben und Elektrik und ebenso schlimme Probleme mit sich selbst verstellenden Zündungen, Vergasern… Die ganze Palette. Im Gegensatz zu anderen Teilnehmern des Britisch Leyland Bündnisses wusste Jaguar allerdings sehr genau, wie man Motoren haltbar baut – nur mit dem Verbrauch haperte es.

Jaguar XJ Serie 3 in schwarz

Im Ernst: schöner war er nie, wird er auch nicht mehr werden

Also machte Egan das, was ein vernünftiger Autobauer tun sollte: Er karrte diverse Mercedes W123, W126 und BMW E23 auf den Hof und ließ sie zerlegen. Dazu kaufte er diverse weitere dieser Fahrzeuge und zwang seine Manger, mindestens einmal die Woche mit ihnen heim zu fahren.

Das andere Problem adressierte er gleichzeitig: Niedrigere Verbräuche. Die Europäer wollten sie, die Amerikaner und Kanadier brauchten sie, wenn Jaguar hier weiter verkaufen wollte: die Gesetze ließen nichts mehr anderes zu.

Vielleicht der schönste jemals gebaute Jaguar: XJ-S als Cabrio

Vielleicht der schönste jemals gebaute Jaguar: XJ-S als Cabrio

Und seine Programme zeigte Wirkung. Die High Efficiency Modelle (HE) mit höherer Verdichtung und klügeren Zylinderköpfen senkten die Verbräuche massiv und brachten dabei zugleich noch mehr Fahrspaß, während die Qualität sich ab 1981 Modelljahr für Modelljahr signifikant verbesserte.

Wer heute einen Jaguar XJ dieser frühen Youngtimer-Jahre kauft, findet viele sehr liebevoll restaurierte Exemplare – denn eins ist klar: Der „Inspiring Drive“ ist kaum irgendwo so lässig manifestiert wie im Jaguar XJ dieser Jahre. Angefangen bei der tiefen aber angenehmen Sitzposition, den schier klischeehaft britischen Innenräumen, den Zwei Tanks zu besseren Gewichtsverteilung – jeder einzelne größer als der eines VW Golf – und natürlich die Komposition aus einfacher aber effizienter Kraftübertragung mit Motoren, die ihresgleichen suchen, allem voran der 5.3 Liter V12.

Zuviel versprochen?

Zuviel versprochen?

Wer heute so einen Jaguar fährt, der im Neupreis damals irgendwo im Orbit leicht unterhalb von 7er BMW und Mercedes S-Klasse angesiedelt war, der mag sich tatsächlich fragen, warum man seine Banknoten für einen Rolls dieser Jahre ausgeben sollte. Der Jaguar hat so viel Stil und ein so tolles Erscheinungsbild – vor allem innen – dass im zeitlich distanzierten Rückblick tatsächlich vieles für den deutlich erschwinglicheren Jag spricht. No matter what: ein Jaguar XJ der Serie 3 (1979-1986) hat einfach Stil – ein XJ-S tut es auch heute noch für Monaco und Saint Tropez.

Wurde schon im Erlkönig Stadium verspottet - ein wenig zu unrecht vielleicht, denn er entsprach dem Zeitgeist auf seine eigene Weise: der Jaguar XJ40

Wurde schon im Erlkönig Stadium verspottet – ein wenig zu Unrecht vielleicht, denn er entsprach dem Zeitgeist auf seine eigene Weise: der Jaguar XJ40. Uns diente er nebenbei später als Template für die geheimen mannesmann-Erlkönige 😉

Jaguar sollte den XJ noch lange beibehalten – auch wenn vordergründig sehr bald ein Modell folgen sollte, das den Fans zu kantig wirkte. In einer langen Kette der Evolution sollte sich dieser XJ40 jedoch nur als kurzer Irrtum herausstellen.

Der XJ40 war schlicht zu kantig, zu wenig feinsilbig, als dass die Fans ihn wirklich hätten  leiden können. Plumpe, dicke Heckleuchten, die auch von einem Mitsubishi hätten stammen können, zu wenig Stil, zu wenig eigenen Schwung im Design… Hübsch genug für diverse andere Marken – aber nicht für einen Jaguar. Aus gutem Grund ist er heute deshalb ein wenig geschmäht.

Beileibe kein typisches hässliches Entlein. Heute leider oftmals nur noch auf Hinterhöfen zu finden - der rasche Wertverlust hat ihn schnell in die falschen Hände getrieben, Fans, die ihn wirklich lieben, sind eher rar

Beileibe kein typisches hässliches Entlein. Heute leider oftmals nur noch auf Hinterhöfen zu finden – der rasche Wertverlust hat ihn schnell in die falschen Hände getrieben, Fans, die ihn wirklich lieben, sind eher rar

Bizarr: Jaguar hatte den Wagen so konzipiert, dass „angeblich“ kein großer Motor in den Motorraum passte und ließ den alten XJ SIII dadurch bis 1992 am Markt. Die idiotisch wirkende Idee war John Egans Selbstschutz gewesen: Niemand sollte ihnen einen Rover Motor unter die Haube donnern.

Da Jaguar sich jedoch 1984 abkoppelte und in die Selbständigkeit ging, war dieses Argument plötzlich hinfällig. Als der alte XJ sich final sehr schleppend verkaufte, ging Jaguar unter das Dach von Ford – und die sagte ganz klar: der V12 gehört in den neuen XJ. So kam es dazu, dass der Wagen doch noch mit dem V12 ausgestattet wurde – allerdings zu einem idiotischen Zeitpunkt: 19 Monate später wurde er von seinem Nachfolger abgelöst…
Modellpolitik, wie man sie nur in UK findet.

Schwups - da war er wieder schön! Die Serie 5, wenn man so will, führte das Design wieder dahin zurück, wo der Markt es haben wollte: Die Legende lebt. Auf dem Weg zum Traum-Youngtimer

Schwups – da war er wieder schön! Die Serie 5, wenn man so will, führte das Design wieder dahin zurück, wo der Markt es haben wollte: Die Legende lebt. Auf dem Weg zum Traum-Youngtimer

Was dann 1993/1994 folgte, war die Rückbesinnung auf die Designwerte des XJ Series III – der Jaguar mit dem internen Namen X300 sah wieder aus, wie er aussehen sollte und wurde in UK stehenden Fußes zum Erfolg. Zurecht: Der X300 ist ein ausgezeichnetes Oberklassefahrzeug mit vielen Qualitäten, die der fette W140 nicht hatte. Er sieht beinahe aus wie der alte XJ, ist aber dennoch deutlich größer im Innenraum und bietet vor allem mehr Kopffreiheit und eine beeindruckende Autobahnruhe, in der er beispielsweise die frühen A8 zu schlagen imstande ist.

Der letzte vom klassischen Schlag war ein Hammer - aber der fällt nicht mehr in die Youngtimer Phase

Der letzte vom klassischen Schlag war ein Hammer – aber der fällt nicht mehr in die Youngtimer Phase

Im Gegensatz zum XJ40 sind seine Preise noch sehr stattlich – und das werden sie vermutlich auch bleiben. Der XJ40 hatte nicht ausreichend Freunde, fiel im Preis zu schnell stark ab, was ihn wie üblich schnell in die falschen Hände gelangen ließ. Gute Exemplare des XJ40 sind daher eher rar, den V12 mal ausgenommen, der praktisch schon als Neuwagen ein Sammlerstück war.

Wer sich nach einem S3 umsieht, der sollte, wie bei kaum einem anderen Wagen, einen echten Jaguar-Fachmann bei sich haben. Die Technik ist erst ab 1984 wirklich annehmbar, restaurierte Exemplare bilden hier oft die Ausnahme. Ähnlich wie beim Rolls der Jahre gilt: keine britischen Exemplare kaufen, wer keine massive Rechtschutz-Versicherung hat. Und wir wissen, wovon wir sprechen…



3 Gedanken zu „Die Youngtimer-Jahre: Jaguar

  1. Rtdzsml Lob, auch für diesen Artikel. Aber wo definiert man heute eine Youngtimer drüber? Wenn ich in NRW auf die Strassen scahue, sind Autos über 15 JAhren selten, Abwack- und Umweltquatsch sei dank! Hier fehlt mir der X-Type, fahrt ihn und dann versteht ihr ihn! Und ab 2001 gebaut -ist er damit nicht schon ein Youngtimer? Und viel billiger geht es in der Klasse auch nicht mehr. Ja, ist auch Ford rin, aber gerade das macht ihn günstiger imUnterhalt, aber es ist ein Jag!

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