VW Passat Typ 32 – Das zweite Leben, Teil 9

Passat_gangAls der Passat 1973 auf den Markt kam, war er für VW die Revolution schlechthin – mit Frontantrieb, Wasserkühlung, einer modernen Karosserie mit dem italienischen Charme von Giugiaro und ernsthaftem Platz für eine ganze Familie – alles, was man sich mit dem K70 eingekauft hatte, ohne die Lorbeeren dafür ernten zu können.

VW Passat

Warte mal – die Front, die kenn ich doch….?

Heute geht der Passat bereits in die achte Generation, ist der erfolgreichste Wagen der Mittelklasse – und seine erste Version wurde bis Ende 1980 gebaut.

Länger nicht…?

Oha – auch der Passat genoss die Gunst eines zweiten Lebens, das ein paar wirklich bizarre Züge hatte.

Bereits ab 1974 wurde der Passat in einem neuen Werk in Brasilien gebaut, zunächst nur 2türig, nur mit einer einzigen Motorisierung (1491 Kubik, 65PS). Bizarr auch: die ersten Jahre wurde der Passat zudem ausschließlich mit der kleinen Heckklappe angeboten, die sich in Deutschland zurecht keiner besonderen Beliebtheit erfreute. Das hiesige Facelift verschläft der Passat – erst im Frühjahr 1979 erfolgt ein Faceliftdes Passat in Brasilien – und das könnte schräger kaum ausfallen. Der Audi 80, ohnehin die technische Basis des Passat, liefert seine facegeliftete Front, die dem Passat ein für Deutsche Augen bizarres Gesicht gibt.

Der Name klang stets irgendwie cooler, gab ihm etwas coupehaftes i Klang

Der Name klang stets irgendwie cooler, gab ihm etwas coupehaftes im Klang

Während nun der erste Passat in Deutschland seine Ablösung durch ein deutlich repräsentativeres und größeres Modell erfuhr, bliebt der brasilianische Passat treu und trat sein zweites Leben an. Und zwar nicht nur in Brasilien – auch in Südafrika wird er zu diesem Zeitpunkt immer noch gebaut und ist – wie der Golf 1 – eines der erfolgreichsten Fahrzeuge des Landes. Das findet irgendwann sein Ende – nicht jedoch so in Brasilien. Da wird der Passat der ersten Generation 1983 erneut facegeliftet – diesmal bringt das Scheinwerfer im US Stil, wie man sie hier vom Audi 200 des Typ43 kennt. Das Facelift geht in die Tiefe: Geändertes Fahrwerk, geänderte Motoren, neu geformter Tank mit entschieden größerem Fassungsvermögen, geänderte Heckklappe.

So gerüstet geht es weiter für den Passat. 1985 soll schließlich Schluß sein – mit einem letzten Akt: 50.000 Passat für den Irak. Für den Irak?

Am Ende beinahe in der Moderne des zeitgenössischen Plastik-Architektur angekommen

Am Ende beinahe in der Moderne des zeitgenössischen Plastik-Architektur angekommen

Tatsächlich tingelte der Irak mit einer gewissen Verzweiflung durch die Lande auf der Suche nach 40.000 Autos für die Elite der Krieger, die für den Irak gekämpft hatten. Das Auto brauchte einen gewissen Status-Wert, musste aber auch simpel sein und zuverlässig – darüber hinaus politisch nicht zu verfänglich – und da kam der Passat gerade Recht. Aber da selbst der Irakische Staat dem Irakischen Staat mit ausreichend Realismus gegenüberstand, orderten sie vorsichtshalber 50.000 Stück des ersten Passats, um sicherzustellen, dass 40.000 bei den Märtyrern ankamen.

Die Fertigungsroutine zahlte sich aus: Bis heute sind die meisten der Wagen noch auf Iraks Straßen unterwegs.

passat_selbstbewusstsein1986 erfolgt noch einmal ein Facelift – das soll dann auch tatsächlich das letzte sein. In Deutschland kommt langsam die übernächste Generation auf den Markt. Und bizarr genug: Mittlerweile gibt es den Nachfolger des ersten Passat auch in Brasilien parallel zum ersten Passat – jedoch zunächst ausschließlich als Stufenheck, später auch als Kombi. Dennoch wird der letzte Passat der ersten Baureihe erst am 04.04. 1989 zugelassen – zu diesem Zeitpunkt hat in Wolfsburg bereits die Entwicklung desjenigen Passats begonnen, der immerhin bis 2005 auf dem Markt bleiben würde. Was für ein Leben.



8 Gedanken zu „VW Passat Typ 32 – Das zweite Leben, Teil 9

  1. Die Dinger waren die reinsten Trümmer. Ich kann bis heute nicht verstehen warum diese Rostkisten so hoch gelobt werden. Anfällig waren sie auch. Wir hatten so eine Karre im Besitz und es war schon lustig als wärend der Fahrt, hiermit der Rost ganze Arbeit geleistet, der linke Aussenspiegel abviel.
    Der Motor überhitzt ganz gerne mal und das nicht nur an unseren Fahrzeug. Risse im Amaturenbrett und kräuselnde Türpappen in der Hitze eines Sommers waren auch keine Seltenheit.
    Im Winter kam noch Vergaservereisung hinzu und man musste noch so ein zusatzmittel nach dem tanken zukippen.

    Ich trauer dem Trümmer nicht nach und bin froh das man die Kisten heute nicht mehr sieht.

  2. Meine Eltern hatten auch so einen, das Facelift, einen 1978er.
    In Orange, mit Doppelscheinwerfern und der vorne abgeschrägten Motorhaube. War ein Fünftürer als GLS!

    Das Ding klapperte!

    Mein Vater sagte immer: „Da klappert das „G“, das „L“ und das „S“.“

    Kann mich aber sonst an keine größeren Probleme erinnern, es musste aber mal der Auspuf gewechselt werden.
    Der Wagen hat uns bis nach Finnland (und zurück!) gebracht.

    1982 ersetzte ihn dann ein Jetta C – auch ein Neuwagen. Da kann ich mich noch daran erinnern wie er eingewachst auf dem Parkplatz des Händlers stand. Daneben standen mehrere neue und ebenfalls noch eingewachste Audi 100 C3, ich war fasziniert von den eingeklebten Schieben und den somit kaum fühlbaren Übergang von der Windschutzscheibe zur Karosserie.

    Einen Jetta I bin ich dann in 1995-97 auch mal gefahren, die Vergaservereisung bei kalten und nassen Wetter hatte ich auch, irgendwann starb die Zylinderkopfdichtung weil ich wohl mit eingefrorenen Kühlwasser gefahren bin (habe mich noch gewundert warum die Heizung erst ab Wattenscheid heizte – und zwar schlagartig, bin im Dortmunder Osten gestartet…

  3. Mein erstes Auto für die Straße war ein 74er Passat TS, 1,5 Ltr 75 PS, mit Schiebedach, getönte Scheiben, AHK, Drehzahlmesser usw. An dem Auto war aber alle paar Wochen etwas defekt und hab maches WE an den Ding geschraubt um am Montag wieder zur Arbeit zu kommen.
    Ich hab zuletzt einen 1,6 Ltr mit 85 PS aus einem Audi 100 eingebaut, mit dem kleinen Getriebe konnte ich mit einem Golf 1,6 GTI mithalten…bei fast 7000 Umdrehungen = 🙂
    Dank Dinol-Konservierung ist dieser Passat 19 Jahre alt geworden! Mein Nachfolger hatte ihn aber völlig runtergeritten 🙁

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.