C-Level Kontakte

C-Level Kontakte sind in manchen Branchen schon in der Stellenanzeige das A und O – in Mercedes Kreisen galten sie lange Zeit als Kassengift – und doch sehen wir mit Erstaunen, dass sich das Blatt zunehmen wendet – und da geht es gar nicht mal so um den Youngtimer als solchen.

Aus heutiger Sicht dann doch schon ganz schön angestaubt, das frühe C-Klasse Cockpit

Aus heutiger Sicht dann doch schon ganz schön angestaubt, das frühe C-Klasse Cockpit

Seiten wie die W202-Freunde zeigen, dass eine Szene rund um den einst so verhassten Benz entsteht – die Fahrzeugbörse autoscout.de  zeigt nicht nur, welcher Markt um den Wagen herum besteht, sondern auch die klaren Anzeichen des jungen Pflänzchens: Die Rentnerexemplare kommen auf den Markt und die Preise steigen. Die Exemplare mit 60.000 auf der Uhr aus den frühen 90ern, sauber gepflegt, in heute schrill wirkenden Farbkombinationen und die Modelle mit dem perfekten Renter-Champagner Design, dem eigenartig hellen Interieur – da scheut man heute plötzlich drauf und denkt sich „Ui… schräg…“ Vor allem, wenn man 1986 geboren ist.

Interessant heute auch: Der 1993 erschienene Mercedes W202 sieht viel schrulliger aus als die bereits 1990 auf den Markt gekommene Dreier-Reihe vom Typ E36. Diese Bandbreite der Spießigkeit ist in der heutigen Gleichheit, in der es um den Sieg in der nächsten ams geht, auch schon verloren gegangen – wir müssen gar nicht bis zurück in die 70er schauen, um zu erkennen, wie sehr sich die Hersteller in den vergangenen Jahren angeglichen haben.

C Klasse W202

Ui… Echt jetzt? 90er Jahre? Ja – da unterschieden sich die Autos noch

Hilft ihnen das langfristig? Absolut nicht. Mittlerweile sprechen die Marktforscher vom „Premium-Käufer“ – das ist einer, den diese kurzsichtige Politik der Automobilbauer überhaupt erst hervorgebracht hat – jemand, der sich einen Audi/BMW/Mercedes kauft – aber ohne erkennbare Präferenz – mittlerweile einer der vorherrschenden Kunden im Dienstwagen-Segment.

Da möchte man sagen: Tja, Gleichmacher, das habt ihr jetzt davon.

Und man spürt schon ein wenig, wie der Nachfolger dieses Kunden aussieht – der Premium-Käufer der postapokalyptischen Marketinggesellschaft wird sich vielleicht einfach mal einen Lexus, einen Infiniti oder sonst irgend etwas kaufen – nur, damit der Wagen einfach mal anders ist als die beiden, die neben ihm in der Tiefgarage parken.

Oder er hat Klasse und kauft sich ein Premium-Auto von 1993 – einen Rentnerwagen mit 60.000 auf der Uhr oder so 😉




8 Gedanken zu „C-Level Kontakte

  1. Schön, daß die C-Klasse W202 so langsam Anerkennung als Youngtimer findet. Jedoch: das Cockpitbild zeigt keine frühe, sondern eine C-Klasse nach Modellpflege.

    P. S.: ich warte auf einen Bericht zum AMG C43 W202 🙂 ein perfektes Fotomodell hätte ich anzubieten …

    1. hm… die Beschriftung ist tatsächlich anders gemeint – frühe C-Klasse im Sinne von w202 versus w203 oder w204 und nicht früh innerhalb des ersten Modells. Aber ist tatsächlich missverständlich

  2. @Oliver
    Es handelt sich bei dem Bild zwar um einen Mopf, aber um einen kleinen Mopf. Die Exemplare ab Juni 97 haben unter anderem andere Türverkleidungen und das Elcode-Zündschloss.

    @Youngtimer-Blog
    Wie kommt ihr auf die Idee, dass der W202 ein „Premium-Auto“ ist? Er ist, was vor wenigen Jahren Golf 2, W201 und E30 waren: Ein billiges Gerät für den Studenten, der komfortabel und günstig unterwegs sein will.
    In Zeiten, in denen die Preise von W124 und W201 durch die Decke schießen, ist der erste C die einzige Option, einen günstigen Mercedes zu fahren. Als Kombi mit ein wenig Ausstattung ist er zudem enorm praktisch und bequem.
    Aber premium ist daran gar nix! Die Verarbeitungsqualität ist spürbar und hörbar schlechter als beim W124. Dennoch vermittelt der 202 noch das Gefühl, ein großes und solides Auto zu fahren.
    Der letzte echte Benz?

    1. Es ist ja nicht der Youngtimer-Blog, der in Deutschland den Premium-Standard setzt, sondern der Premium-Abspruch der Hersteller, die resultierende Preisgestaltung und die Marketing-Story drum herum sowie die Auto-Zeitschriften, die dabei mitspielen und dieses Credo fleissig verbreiten. Wenn es nach uns geht, zählen da andere Parameter

  3. Für mich ist der Wagen in der Tat Premium, Simba (you know who I am), einfach weil er im Vergleich zu heutigen Nicht-Premiumfahrzeugen noch immer ein Stück besser verarbeitet, leiser und komfortabler ist.
    Es ist immer wieder erstaunlich, wie ausgeruht man selbst nach langen Fahrten aus ihm aussteigt und das, obwohl wir von Fahrzeugen mit einem Alter von um die 20 Jahre sprechen.
    Ob nun der W202 etwas schlechter als der 124er ist, kann ich schwer sagen, sie fühlen sich sehr ähnlich an und wo der eine etwas leiser ist, federt der andere einen Tick sanfter an.
    Aber billig ist der 202 in der Tat und demzufolge die günstigste Art, einen Benz mit Hinterradantrieb zu fahren.

    Dann lass ich mich heute mal wieder 350 km mit meinem 202 durch Bayern schaukeln.

  4. Vielleicht werde ich bei Gelegenheit einen Artikel zum Thema Premium und „der letzte echte Benz“ schreiben. Ich habe den Eindruck, dass wir bezüglich des Premiumbegriffs aneinander vorbei reden. Und ich glaube die Themen gehen Hand in Hand: Mercedes ist nicht der einzige Hersteller, der alte Tugenden, nämlich die, ein bequemes, solides, klassisch gestaltetes, heckgetriebenes Auto zu bauen, verwässert hat, um etwas anderes darstellen und verkaufen zu wollen.

    Peter, wir kennen uns ja. Und falls du es noch nicht mitbekommen hast: Ich habe seit fast 3 Wochen einen C200 T. Abgesehen von einer defekten Zündspule sind die ersten 4.000km völlig problemlos und sehr bequem verlaufen 🙂

  5. Ich weiß nicht, ob sich die Leitidee von den drei deutschen Premium-Anbietern so stark verändert hat. Es sind noch immer, im Vergleich zu preiswerteren Fahrzeugen, teurere, komfortablere und optisch ansprechendere Wagen. Mag sein, dass Mercedes mehr und mehr auf die Sport-Schiene geht, während BMWs immer komfortabler werden und sich alle drei kaum noch was nehmen, aber im Grunde signalisieren sie noch immer, dass sie ein Stück besser sind, was weder damals noch heute bedeutet, dass sie langlebiger wären.
    Ich denke aber schon, dass der Abstand kleiner geworden ist, wenn ich mal den Passat B2 mit dem 190er vergleiche und heute den W205 mit dem B8.

  6. Ich erfreue mich auch langsam daran das meine kleine C immer mehr Beachtung findet.
    Schöner R6 mit voller Hütte in beige innen wie außen. Top gepflegt. .

    Und einen runtergerockten 200D W202…. Der Wird aber eher weniger beachtet

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