Der letzte echte Opel … gab es den?

Um den letzten echten Mercedes haben sich ja schon viele gesorgt – wir auch.
Aber wann passierte bei Opel eigentlich der Bruch? Wann waren die neuen Opel nicht mehr erwartungskonform und was erwarteten die Leute eigentlich von einem echten Opel?

opel_der_zuverlaessigeOpel war mal DER ZUVERLÄSSIGE – das ging über Jahrzehnte gut und wirkte am Stammtisch – zu Zeiten, als Stammtische noch rauchgeschwängert waren und nur für Männer zugänglich – und zu Zeiten, als Autokauf noch ein ganz anderes Abenteuer war und man Autos nicht nur für 3 Jahre kaufte, sondern eine echte „Anschaffung“ tätigte. Vermutlich trug man da auch noch Hüte, wenn man zum Stammtisch ging – beim Opel-Fahren jedenfalls trug man Hüte, einem lange verbreiteten Klischee folgend. Und man trug auch eher Hosenträger als Hosenträgergurte…. – aber dazu später mehr.

Was man verstehen muss: Es war eine andere Zeit – aber eine, in der Opel massiv erfolgreich war. Ein Opel stellte etwas dar, zeigte, dass man etwas geschafft hatte, war ein Status-Symbol – und das in Zeiten, als es noch kein Leasing im Volk gab, sondern „Sparen“ der Weg zum Status-Symbol war.

irgendwie ganz repräsentativ

irgendwie ganz repräsentativ

Opel schaffte den Spagat zwischen Deutschtümelei und vernünftiger Erdverbundenheit auf der einen Seite und Chrom und V8 aus dem amerikanischen Mutterkonzern auf der anderen Seite. Und immer mit diesem Touch von Vernunft.

Opel Käufer – ganze Opel Familien – wussten, dass Ford mehr Chrom hatte, Mercedes mehr Status und BMW mehr Sport – Und eben genau hier lag die Stärke, die für Opel später zur Schwäche werden sollte: Opel war nicht die Marke mit der dicken auffälligen Story.

Opel Rekord E Autobild

Handhalten auf dem Weg nach unten im besten Stil der Autobild. Wertevernichtung

Aber Story-Highlights, die gab es sehr wohl immer wieder: Opel GT, die großen Kapitän, Admiral, Diplomat – da schwang schon eine Menge mehr mit bei denen, die Kadett oder Ascona fuhren.

Doch über allem schwebte das bürgerliche Vernunft-Thema, das kein anderer Wagen je so auf den Punkt brachte wie der Opel Rekord. Der Rekord war das, was man wohl am besten mit „Fair“ beschreibt. Ein großes Auto, das Papa sich leisten konnte. Raum für die ganze Familie – zu einem vergleichsweise überschaubaren Preis. Der Rekord hatte die Größe des Strichachters, später die des W123 und W124 – aber er kostete weniger und strampelte nicht mit der hohen Leistung mit. Als 1980 der W123 bei 109PS in der Benzin-Liga startete, endete der Opel bei 110. Das war gelebte Vernunft. Und während so ein Mercedes für stattliche 20.852DM daherkam, kostete das sündige Top-Modell des Rekord 16.240 Mark – und wer pingelig rechnete, nahm den 2.0N – der war so schnell wie der Mercedes und kostete sogar nur 14.680 DM – bot also noch jede Menge Luft für Sonderausstattungen oder einen Urlaub in Ventimiglia oder Bordighera – mit der ganzen Familie im Hotel in zwei aufeinanderfolgenden Sommern…

seltener Diesel

Rekord D in zeitgenössischer Farbe – hier ein seltener Diesel, erkennbar am Knubbel auf der Motorhaube, der dem größeren Diesel-Motor Platz schaffte

„Opel-Familie“ war tatsächlich ein geflügeltes Wort, das es nur hier gab. Niemand kam aus einer BMW Familie oder gar einem Toyota Haushalt – schon allein, weil Opel eben auch einer der wenigen Vollsortimenter war. Ab 1982 konnte man da von Corsa bis Senator alles bekommen.

Die frage nach dem letzten echten Opel ist somit nicht die, welche Technik zur Anwendung kam, sondern  vielmehr die Frage nach der Philosophie. 1986 erscheint der Opel Omega A – heute ein veritabler Youngtimer – damals aber für viele Opel-Fahrer ein Schlag ins Gesicht. Aus heutiger Sicht im Grunde schwer nachvollziehbar – denn tatsächlich stammt unter dem Blech des ersten Opel Omega im Grunde noch enorm viel aus dem Rekord E – allem voran die brummig gutmütigen Zweiliter Motoren. in derselben Phase läuft der Kadett E vom Band, der für Opel kein Ruhmesblatt in qualitativer Hinsicht ist – sowie der Vectra A, der unrühmlich den Ascona C ablöst und immer vom Pesthauch der Langeweile umweht ist. Aber die bilden das Problem ebenso wenig, wie die Manta-Witze, die in der zweiten Hälfte der 80er Jahre die Runde machen

Hosenträger->Gurt versus Hosenträger-Image

Hosenträger-Gurt versus Hosenträger-Image

Während Opel noch nach Bochum in den Kernmarkt NRW hinein expandierte, war alles top, erst in den späten 80ern ging es dann bergab – mit dem Omega A im Zentrum des Sturzes.

Den konnte die gerade aufkeimende Autobild, die ab ihrem Erscheinungsjahr 1986 schier sträflich am Opel-Image sägte, nicht leiden und schrieb ihn tot, wo sie nur konnten. Und das verkraftete der Omega A, der tatsächlich Schwächen hatte, nur eben nicht in der Dimension, die ihm die Zeitungen andichteten, nicht – denn: Der Omega A war von Opel ins Rennen geschickt worden, um preislich aufzuholen. Plötzlich kam da von Opel ein Auto daher, das vermeintliche Hightech wie das DSA Sicherheitsfahrwerk propagierte, um die deutlich gestiegenen Preise zu rechtfertigen.

1984_opel_rekord_e2In Großbritannien brachen dem Omega ganz andere Probleme das Genick, was interessant ist – Stichwort hier: Total running cost oder total cost of ownership, also Unterhaltskosten. Wie so viele Autos der späten 80er war der Omega bei Karosserieschäden durch neue Methoden von Verklebung beispielsweise schwieriger und somit teuer zu reparieren. Der Omega, der hier noch Carlton hieß, also so, wie sein Vorgänger, wurde zwar zunächst Car of the year, dann jedoch kamen die teuren Versicherungseinstufungen aufgrund der Reparaturthematik und töteten den Wagen, obwohl er – anders als in Deutschland – diverse Tests gewann. Nur zu tropfen schien der Wagen hier nicht – anders als in Deutschland in der Autobild, Schon eigenartig… In Deutschland galt Ölverlust stets als das schlimmste Problem des Opel Omega A – warum war das anders, wenn man das Lenkrad auf der beifahrerseite montierte….?opel_rekord_d_caravan

Aber hier wie da: Das Vertrauen ins Volumenmodell war weg. War der Rekord E noch der gute Kumpel gewesen, den Deine Familie sich leisten konnte, ruinierten Omega A, Kadett E und Vectra A jeder auf seine Weise Lebenswerke und kamen nicht mehr nahbar, schlicht und bodenständig rüber. Begriffe wie „Opel Familie“ verschwanden, was Stoff für Doktor-Arbeiten in der Linguistik wurde, da in diesem Wort so viel drin steckte. Werte, die nie mehr zurück geholt werden konnten.

Und somit sind dann wohl die ersten Modelle mit der leicht nach hinten gekippten Front – Rekord E, Kadett D und Ascona C – die letzten echten Opel, was sich auch in den Stückzahlen zeigte. Gab es noch über 120.000 Rekord E jedes Jahr, brachte der Omega B es nur noch auf 70.000 Stück – dramatisch, aber bei weitem nicht so dramatisch, wie es die Presse gerne schrieb.

Verdient war dieser Abstieg nicht – VW hatte mit dem Golf 3 schlimmere Roster auf dem Markt und Mercedes leistete sich bei den Präsentationen von W124, W140 und W168 jeweils weit schlimmere Mängel. Opel aber vernachlässigte das Herz der Marke – und das war unverzeihlich.


10 Gedanken zu „Der letzte echte Opel … gab es den?

  1. Die dauernde – und immer nahezu wortgleiche – Kritik am Kadett E kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen.
    Es mag sein, dass die Qualität im Mittel nicht großartig war, aber es war auch nicht jedes Exemplar grottenschlecht.
    Zudem sah das Ding innen wie außen deutlich moderner und besser aus als der entsprechende Golf und hatte in der Regel auch die bessere Ausstattung zum besseren Preis – gefolgt von ordentlichen Absatzzahlen.

    Gerade diese Mischung dürfte dem Volkswagen-Konzern – zumal in diesem Segment – schon triftige Gründe geliefert haben jenen Lopez samt Team abzuwerben. Und gerade diesen Personen schiebt man in der Frage nach dem Opel-Debakel ja auch gern den schwarzen Peter hin…

    1. Wir hatten 12 Jahre lang einen Omega A Caravan in der LS-Ausführung. Man hörte zwar immer wieder von der angeblich schlechten Qualität, aber wirklich viel konnte man davon in den ersten 10 Jahren nicht feststellen. Irgendwann aber kam der Rost am Seitenschweller hinten links, und der Tacho machte plötzlich nur noch gelegentlich mit. Wobei das meiner Meinung nach immer noch harmlos ist, verglichen mit anderen Fahrzeugen aus der Zeit. Danach hatten wir den Omega B; qualitativ zwar einwandfrei, denn auch nach 11 Jahren war der noch OK, doch ihn zu fahren, bereitete mir kaum Spass. Dafür glänzte er noch mit einer alten Opel-Tugend: das grosszügige Platzangebot. Nun fährt mein Vater einen Mercedes C200, mit dem er sich nur nervt. Hätte er den Opel lieber behalten.

  2. …auch wenn es die Opel Fans immer nicht gerne hören: Der Kadett war der letzte Mist. Ich war von 88 bis 96 bei Opel und der Wagen war nachweislich Mist – hohe Garantiekoste, schlechte Werte beim TÜC – natürlich waren nicht alle schlecht – Aber in Summe war der Kadett E ein Desaster. Der Wagen hatte ein Rostproblem, das Fahrwerk war anfällig – da nutzt die bessere Ausstattung erst mal nix. Der Nachfolger war übrigens besser, aber auch nicht soooo viel. Heute sind die wider Super

  3. Witzig, dass man sich hier über den E-Kadett aufregt. Ich hatte 3 davon und hab jeden einzelnen verachtet – weil sie mich alle im Stich gelassen haben – aber ich bin in einer dieser Opel-Familien aufgewachsen. Und heute fahre ich Insignia und mein Vater auch. Aber nach dem Omega A hat er mit Opel tatasächlich gebrochen – und wir hatten davor wohl so um die 10 Opel Rekord… Nach meinen Kadett E (85, 88 und 89) hatte ich Opel radikal satt. Bin lange Ford gefahren aber nie VW 😉
    Meine Tochter macht den Füherschein – und sie wird einen Adam bekommen – Wir sind eine Opel Familie – es gibt sie noch – oder WIEDER 🙂

  4. Ich lasse auch den Omega A noch als den letzten echten Opel durchgehen – der war weit besser als der damalige Kadett. Der Omega B ist langesam auch schon irgendwie cool – und natürlich einfach noch heckgetrieben! 🙂
    In der Klasse darunter war der Kadett D vielleicht der letzte echte Opel – der hat zwar auch hier und da gerostet, aber nicht so grottig wie der E. Und dann diese todesbleichen stosstangen!

  5. „Mein“ letzter echter Opel ist der Vectra C.
    Schlichtes Styling, gute Qualität, realistische Preise und – wichtigstes und eindeutigstes Kriterium – ein Mordsladeraum beim Caravan (und ein Caravan, der auch noch Caravan heissen durfte).
    Danach begann der Lifestylekitsch namens Insignia, inclusive einem Spochts Tourer, dessen Laderaum gefühlt so groß ist wie bei einem Polo 86C Kombi 🙂

    Rolli_HX

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