Japanische Delikatessen: Toyota Camry SXV10/VCV10

Toyota Camry – in Deutschland wollte der Name nie so recht den nötigen Klang entwickeln. In den USA hingegen entwickelte sich der Camry zum Hit und war jahrelang eines der bestverkauften, phasenweise sogar das bestverkaufte Auto auf dem Nordamerikanischen Markt – hier gab es eine Klientel, die diesen Wagen wirklich zu schätzen wusste.

Toyota Camry

Hier steckt schon eine Menge Lexus-Linie drin

Wie so oft brachte das tatsächlich diverse gute und weniger gute Kopien hervor – darunter die wohl erfolgreichste Kopie, die lange Zeit unter dem Namen Hyundai Sonata firmierte und in Deutschland eine noch weit geringere Bedeutung erlangte als das Original.

Der Toyota Camry der Generation SXV10/VCV10  war in etwa in der Klasse von W124 und E34 angesiedelt, fühlte sich jedoch in vielerlei Hinsicht oberklassiger an – beginnend mit der Tatsache, dass der Wagen unglaublich leise geraten war – zumindest bei Geschwindigkeiten bis 150 KM/H steckte er die gängigen Mitbewerber allesamt in die Tasche und war bis zu 4DB leiser – dalagen als Welten zwischen gut und sehr gut.

Toyota Camry innen

Da, wo die Ruhe herrscht: Der Toyota Camry zäjlte zu den leisesten Gleitern seiner Klasse. Das Leder macht beim Toyota Camry eine Menge bei der Innenraumhaptik aus. Die Alternative ist Velours

Und tatsächlich wurde der Toyota Camry auch als Lexus ES 300 verkauft – wenn auch nicht in Deutschland. Aber die Summe dieser Eigenschaften, die hier verlangt waren, trieb seine Entwicklung natürlich in eine sehr klare Richtung. Auch seine Nachfolgemodelle blieben diesem Konzept bis heute treu und werden parallel gefertigt.

Auch heute noch vermittelt der Toyota Camry ein unglaublich gutes, ausgeglichenes Fahrgefühl, das den Fahrer in einer sehr positiven Weise zum Gleiten bewegt. Wie die meisten Toyota dieser Zeit ist der Toyota Camry nicht als Raser konzipiert. Das gilt speziell für die 3 Liter V6 Motorisierung mit serienmäßigem Automatikgetriebe in der belederten Ausstattung, die einen nahezu komplett abschalten lässt – weit mehr, als in dieser Klasse üblich – ohne in die Distanziertheit der meisten amerikanischen Automobile dieser Zeit zu verfallen.

Toyota Camry Heck

2 Heckscheibenwischer dürften als echte Ausnahme gelten – aber das Ergebnis war einzigartig. Und natürlich war das ganze weit weniger anfälligoder komplex als etwa die Scheibenwischermechanik des W124

Daneben schaffte Toyota den Spagat und bot den Camry als nutzwertigen Kombi der Extraklasse an, dessen Gepäckraum es wohl so ziemlich mit jedem Wagen der Zeit aufnehmen konnte. Legende: Die Heckscheibe des Toyota Camry Kombi, die so breit und gleichzeitig flach ausfiel, dass Toyota sie gleich mit 2 Scheibenwischern ausstattete. Schon das macht den Toyota Camry, den es von 1991 bis 1996 gab, sammelnswert.

Die angemessenste Motorisierung ist ganz entschieden der 3 Liter mit seinen 188PS und dem traumhaft weich schaltenden Automatikgetriebe, das so auch im Lexus GS zu finden war. Man versteht auch heute noch schnell, was den Wagen in dieser Kombination so erfolgreich machte – und das, obwohl der Motor für Toyota Verhältnisse als zerbrechlich galt – diverse Maschinen gaben in Europa bereits bei kaum 400.000 Kilometer den Geist auf 😉

passtFür europäischen Bedarf ist die 2,2 Liter Maschine bis heute vollkommen ausreichend. Die gab es serienmäßig in Kombination mit dem gewöhnungsbedürftigen Velours – Traumhafte Langstreckensitze, die den leicht schrulligen Toyota-Touch dieser Jahre – ebenso wie der stark kunststoffbetonte Innenraum des Toyota Camry, der heute schon erstaunlich altbacken anmutet, wie er in einem Fahrzeug dieser Klasse verbaut wurde. Interessanter Weise erweist sich der einst so unauffällige Toyota Camry heute als Hingucker, weil viele Leute mit seinem Gesicht einfach nichts anzufangen wissen. Da erwischt man tatsächlich Leute, die in Parkhäusern hinter den Wagen kriechen, um zu schauen, was auf der Heckklappe als Absender steht 😉

Bizarr.

Leider ist der große Wagen heute aus dem Toyota Programm längst verschwunden – einer der Gründe,warum ihn hierzulande kaum jemand kennt. Hinzu kommt seine hohe Exklusivität: In seinen besten Jahren tauchte er in Deutschland stets nur mal als Zufallsgast in der Top50 der Zulassungsstatistiken auf, während Corolla und Carina – gemessen daran – große Siege einfuhren. Wie so oft versagte der bürgerliche Markenname für diese Klasse – letzten Endes der strategische Treiber Toyotas für die Einführung der Marke Lexus.

Toyota Camry Kombi offen

Einer von den ganz Großen, wenn auch die Laderaumhöhe nicht unbedingt die beste war. Dennoch: Schon die Limousine fasste weit über 500 Liter – da konnten die E34 und ähnliche nicht mithalten

Bereits beim Nachfolgemodell wurde der Kombi nicht mehr nach Deutschland gebracht – und nach dessen Nachfolgemodell verzichtete man schließlich vollständig auf den Export des Toyota Camry nach Deutschland. Der Camry war im Toyota Programm gegen Ende nicht mal mehr als Exot zu bezeichnen. In den letzten beiden Modelljahren konnte der Wagen schon deshalb kaum noch verkauft werden, weil kaum noch ein Händler sich den Luxus eines Vorführ-Camrys leistete, den dann 2 Kunden im Jahr fahren wollten… Aber klar: zu diesem Zeitpunkt waren auch Marken wie Opel und Ford aus dem Segment ausgestiegen und hatten die Waffen gegen die Troika der Premium-Elite gestreckt. Da konnte auch Weltmarktführer Toyota nicht gegen an. Dass anstelle des Camry jedoch nie der Toyota ES seinen Weg nach Deutschland fand, ist eine Schande – zielte er doch auf ein in Deutschland ungemein verbreitetes Segment – auch wenn dieses durch Dienstwagen dominiert ist und Toyota in Fuhrparks eine untergeordnete Rolle spielt.

Auf seine Weise ist dieser Toyota Camry also einer der letzten seiner Art. Und so sollte man ihn auch betrachten. Da er oft in den Händen von Kilometerfressern war, sind gute Exemplare heute schon bemerkenswert rar – und an der Qualität des Wagens liegt das nun wirklich nicht.

5 Gedanken zu „Japanische Delikatessen: Toyota Camry SXV10/VCV10

  1. Sehr schöner Bericht über ein weniger prestigeträchtiges Thema als W124 und Co.
    Bisher hatte ich jedoch immer in Erinnerung, dass die (frühen) Hyundais auf Mitsubishis beruhten und nicht auf Toyotas. Auf die Schnelle konnte ich auch keinen Nachweis dafür finden, dass der Sonata auf dem Camry basiert.

    1. Hallo
      Das ist in der Tat ein Mißverständnis. […] „darunter die wohl erfolgreichste Kopie, die lange Zeit unter dem Namen Hyundai Sonata firmierte“ […] soll keine Verwandtschaft in diesem Sinne andeuten, sondern beschreibt, dass Hyundai das Konzept des Wagens kopierte. Packaging, Motorleistung, Ausstattungen – war alles nahezu identisch. Und ja: Hyundais der frühen Phase basierten in der tat auf Mitsubishis.

      1. Alles klar – das hab ich falsch interpretiert. Danke für die Aufklärung. Und tatsächlich sehen sich die Modelle so ähnlich , dass es wirklich hätte sein können.

  2. Es freut mich immer wieder was über den Camry zu lesen. Fahre bereits meinen vierten und bedaure es auch sehr das kein neueres Kombimodel angeboten wird. Avensis ist nicht wirklich ein Ersatz. Die Ladefläche von einer Tiefe von 1,90 Meter und ein Breite zwischen den Radkästen von 1,00 Meter ist gigantisch! Baue gerade meinen 2.2 Kombi Bj 92 gerade auf. Ein Auto bei dem man noch richtig schrauben kann. Nur dem TÜV muß man bereits auf die Sprünge helfen. ” Nein, er hat keinen elektronischen sondern einen mechanischen Airbag… Es gibt keine Airbag-leuchte im Instrumentendisplay… Der Airbag ist in Ordnung.”

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