Youngtimer im Fokus: Opel Kadett D

Gerade einmal 5 Jahre gönnte Opel dem Opel Kadett D – die kürzeste Laufzeit eines Kadett seit dem Kadett A, dem Opel nur 3 Jahre und wenige Monate gönnte.

Kadett D

Golfig, aber auf seine Weise doch ein Erfolgstyp

Dabei war der Kadett D im Grunde ein Star; einer, der es sogar einmal für ein paar Monate an die Spitze der Deutschen Zulassungszahlen schaffte – und in Ländern wie Belgien, den Niederlanden, Schweden und Finnland, das weit prominentere Auto war als der Golf. Die Briten mochten Ihren Kadett D, dort Astra MK1, später Astra D, so sehr, dass sie ihn ganze 7 Jahre bauten, zuerst parallel zum Vauxhall Chevette, dann später parallel zum Kadett E.

Kadett D kleine und große Heckklappe

Die gleiche Idiotie wie beim frühen Passat: Was zur Hölle soll ein Hatch mit einer kleinen Heck-Klappe? Eingefangen in lächerlicher Fotografie der 80er

Den Chevette bot Opel sogar tatsächlich auch 1980-1982 parallel zum Opel Kadett D an, weil dem Kadett D mit seinem Fließheck im Stil des VW Golf die Limousine fehlte, die für die Opel Käufer als wichtig eingestuft wurde – so wichtig gar, dass der Kadett D früher abgelöst wurde als geplant, um mit dem Kadett E eine Version mit Stufenheck zu positionieren. Der Chevette hingegen blieb ein Mauerblümchen in Deutschland – die Verarbeitung des Wagens galt als katastrophal und irgendwie wurde man ja auch das Gefühl nicht los, den alten C-Kadett zu fahren – was ja auch zutreffend war.

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Schlicht…

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…oder knackig im GT/E

Der Opel Kadett D kam zunächst bei vielen traditionellen Opel-Kunden gar nicht mal so gut an. Einerseits bedauerten viele die Abkehr vom Heckantrieb, andererseits spotteten viele darüber, dass Opel nun einfach den VW Golf nachgebaut habe – und zu allem Überfluss steckten noch diverse alte bekannte unter der Motorhaube, die den Kadett D klingen ließen wie seinen Vorgänger – am Stammtisch galt der Kadett D daher zunächst als Mogelpackung. Tatsächlich aber holte er viele Käufer zurück, die den Golf-Stil wollten. Zudem hatte Opel sehr genau hingesehen und dem Kadett D weit mehr Raum hinter den vorderen Sitzen mitgegeben – der klassische Schwachpunkt beim Golf I.

Der damit einhergehende längere Radstand galt fahrwerksseitig als sehr willkommen – im Wedeltest der Auto Motor und Sport schnitt der Opel Kadett D stets besser ab als der als agil geltende Golf… Die ebenfalls platzsparenden dünnen Polsterungen der Sitze hingegen kamen landläufig weit schlechter an – nicht einmal, weil sie wirklich schlechter als dicke Sitze gewesen wären – aber sie sahen so aus und ließen den Kadett D billig erscheinen, obwohl man ihnen objektiv keine Vorwürfe machen konnte.

Kadett D Kombi Caravan

Den Kadett D als Kombi hatten die Rüseslsheimer den Wolfsburger noch ewig voraus

Hinzu kam: Eigentlich hatte Opel mit dem Kombi, von dem VW in dieser Klasse ja noch ewig weit entfernt war, im Grunde das bessere Modellprogramm, was ja auch in vielen Ländern entsprechend honoriert wurde. Zu Beginn der 80er wurden die Kombis vielerorts gesellschaftsfähig – und der Kadett D hatte eine angenehme Größe und war als Kombi weit weniger wuchtig als ein Opel Rekord, obwohl sein Laderaum schon jede Menge Platz bot.

Nicht so toll stand es um die Rostvorsorge des Kadett D. Einstiegsleisten, Schweller, der Boden in Höhe des Lenkrads – hier blühte es gerne, schnell und häufig – ebenso an den Radläufen, wo es natürlich weit weniger kritisch war. Dennoch holte Opel sich hier einen schlechten Ruf weg. Hinzu kam: in der Sportszene kam der Wagen natürlich weit weniger gut an, als der heckgetriebene Kadett D – selbiges Schicksal blühte dem Ascona C kurz danach schließlich auch – und hier wurden natürlich Opel Käufer in großen Mengen in die Flucht geschlagen, die genau diese Eigenschaften geschätzt hatten – Zulieferer wie Irmscher gaben sich alle Mühe, auch den Kadett D mit Anbauten zu verschandeln – aber im Grunde war der Zug für diese sachlichen Fronttriebler abgefahren.

Opel Kadett D

Wurde natürlich später auch getuned, aber selten auf dem Niveau seines Vorgängers

Der nachgereichte GTI-Konkurrent Kadett D GT/E schlug auch nicht so ein wie der Nachfolger, der Opel sportlich wieder mit dem Golf auf eine Höhe brachte, wenn nicht sogar daran vorbeiziehen ließ – aber dem Opel Kadett D waren diese Meriten auch mit der entsprechenden Kriegsbemalung des GT/E nie so sehr auf breiter Fläche vergönnt – hier galt der Golf GTI als das Maß der Dinge. Der Golf GTI hatte die geringere Höchstgeschwindigkeit, ließ den 5 PS stärkeren Opel Kadett aber in der Beschleunigung hinter sich und unterschritt die magische 10 Sekunden-Marke – stammtischtauglich.

Hinzu kam: der Golf war tatsächlich weit sparsamer als der Kadett mit seinen teils doch recht angestaubten Motor-Konzepten. So konnte der Kadett nicht ganz am Golf GTI vorbeiziehen – aber einen guten Job machte er dennoch in seiner kurzen Lebenszeit. Hinzu kam, dass er bei älteren Fahrern beliebter war. Uns so konnte er dann tatsächlich einmal kurz aufs Treppchen des meistverkauften Wagens Deutschlands klettern. Nur ganz kurz. Aber er hat es geschafft.



10 Gedanken zu „Youngtimer im Fokus: Opel Kadett D

  1. Kann mir jemand verraten, warum es diesen Kadett auch mit Rundscheinwerfern gab? Kann mich jedenfalls an einen erinnern, der in Orange von einem Bauhof-Mitarbeiter gefahren wurde…

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