Peugeot 504, das zweite Leben, Teil 10

504_argWenn es so etwas wie den ultimativen Peugeot gibt, dann ist das für uns der Peugeot 504. Der Peugeot 504 war eine Legende zu Lebzeiten – und hatte ein zweites Leben, das sicherlich seinesgleichen sucht – vor allem auch deshalb, weil die meisten Autos, die ein zweites Leben hatten, die als Mittelklasse-Autos im Ostblock fristeten. Nicht so der Peugeot 504 – der zog sich zur Altersteilzeit nach Afrika und China zurück. Das ist mal exklusiv.

Und dabei hatte der Peugeot da auch schon eine Menge hinter sich. 1968 erschienen, war der Peugeot 504 Zeitgenosse des Mercedes Strichacht, lebte aber beinahe bis zum Erscheinen des Mercedes W124, nämlich stattliche 15 Jahre. Und Peugeot baute den Wagen nicht aus Langeweile so lange, sondern vielmehr, weil er ein brutaler Erfolg war: Knapp 4 Millionen Exemplare liefen vom Band – damit war der Wagen mit dem eigenartig abfallende Heck und den seltsam flach stehenden Lenkrad in absoluten wie in relativ auf seine Laufzeit umgelegten Zahlen erfolgreicher als der ungemein erfolgreiche Strichachter – das soll schon was heißen.

504_grDarüber hinaus galt der Peugeot nicht nur als überaus komfortables Reisefahrzeug – er war auch mechanisch robust und hatte einen weit besseren Ruf als alles andere, was aus französischer Fertigung rollte. Der Kombi war ein Gigant und Coupé und Cabrio ein Gedicht an schlichter Eleganz- Ebenso musste man sich mit der normalen Limousine nie verstecken – auch nach 15 Jahren Bauzeit wirkte der Peugeot nicht altbacken. Der Legende zufolge hat der Chef der französischen Staatsversicherung AGF in den Jahren 1970 bis 1983 tatsächlich 5 Modelle des 504 in Folge gefahren – und das, obwohl er durchaus einen 604 hätte fahren dürfen oder zumindest einen Renault 30 – beide mit Sechszylindermotoren gesegnet und neuer.

Aber damit nicht genug. Bereits Ende 1978 begann Peugeot mit der zarten Fertigung von Lizenzfahrzeugen in Kenia, später auch in Nigeria. Diese Fertigungen fanden nicht an Produktionsstrassen statt, wie sie zu dieser Zeit in Frankreich verwendet wurden, sondern nahezu von Hand auf Basis von Bausätzen – was aber wirtschaftlich gehobenen Sinn machte: Ein französischer Fließband-Arbeiter verdiente zu dieser Zeit das 135fache eines Nigerianischen Peugeot-Zusammensetzers. Die Gehaltskosten waren so gering, es war praktisch vollkommen gleichgültig, wie lange das Zusammensetzen dauerte.taksiert

Tatsächlich wurden von dort aus zunächst Modelle nach Argentinien exportiert, weil diese billiger waren, bis schließlich auch in Argentinien die Fertigung des Peugeot 504 aufgenommen wurde.In Argentinien wurde der 504er zur Legende – aber nirgends war er so wichtig wie in Afrika, wo er als „King of the African Road“ 1996 mit einem gleichnamigen Buch geehrt wurde. Zu dieser Zeit wurde der Wagen bereits seit 28 Jahren gebaut und hatte sich technisch kaum verändert, lediglich an Front und Heck war er diverse Male optisch neu justiert worden, was ihm mehr Plastik aber nicht mehr Klasse eingebracht hatte.

konfi

Ein Auto aus den 60er Jahren mit einem eigenen Konfigurator – das sollte als echter Rekord in der Szene der Autos gelten, die ein zweites Leben führen durften. Kaum ein Wagen war in diesem Bereich so erfolgreich wie der Peugeot 504

Der Peugeot 504 aus afrikanischer Fertigung war am Ende eines der ausgereiftesten Autos und sogar in der Herstellung günstiger geworden, weil die Produktionsprozesse mehrfach optimiert wurden. Darüber hinaus waren am Ende Dachlasten möglich, die wohl kein anderes Auto der Welt aushält. Das hat schon Größe.

Peugeot-504-COTY-1969Aber nicht nur das: Der Peugeot 504 brachte es sogar am Ende noch auf einen eigenen Konfigurator – als vielleicht einziges Auto aus den 60er Jahren. Ein simpler Konfigurator, das die Ausstattungsbreite des afrikanischen Peugeot 504 nicht so groß war. Dennoch: Welches andere Auto kann das schon von sich behaupten?

Und der 504er machte dann sogar noch richtige internationale Karriere –  Exporte nach China, Hilfe beim Aufbau der Produktionsstraße für den dortigen Pickup… Faszinierend. Der Peugeot 504 ist im Bereich zweiter Autoleben sicherlich eines der krasseren Beispiele. 2005 wird der Peugeot 504 dann tatsächlich sogar mal wieder in die EU importiert – und auch nach Argentinien und Brasilien. Zwar nur handverlesene Exemplare, die an diverse neue Gesetzgebungen angepasst werden müssen – aber hey: Einer Legende kann solcher Kleinkram nichts anhaben. Und dafür konnte man sozusagen einen neuen Youngtimer erwerben – einen, gegen den der Lada Niva schon als modisch eingestuft werden muss.

Der Peugeot lebt immer noch als Taxi weiter und dürfte einen der automobilen Rekorde aufgestellt haben, die heute einfach nicht mehr einzuholen sind.


8 Gedanken zu „Peugeot 504, das zweite Leben, Teil 10

    1. Da müssen Sie sich aber beeilen, In den letzten 4-5 Monaten sind die Preise etwa doppelt so hoch geworden.
      “Verliebt” ist aber das richtige Wort. Die ersten Photos im Artikel treffen ganz genau auch meine drei Vorstellungen von einem Youngtimer:
      a) mit Löchern und Lücken (wunderschön!)
      b) Chrom, Konis und Edelstahlauspuff (aber nicht übertreiben! ; )
      und c) paradoxerweise gerade vom Fließband gerollt, in z.B. Tschetschenien,

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