Einen Termin in Detroit? In 9 Monaten!

Hin und wieder erreichen uns schräge Mails und auch mal solche, in denen zuhauf dummes Zeug steht – und beinahe wäre auch diese Mail im SPAM Filter gelandet… Beinahe.

> Betreff: Einen Termin in Detroit? In 9 Monaten!

Zunächst hatten wir das spontan für eine Mail gehalten, die sich auf die Akte Mannesmann beziehen würde – aber weit gefehlt – der Absender nahm in Teilen Bezug darauf – aber weit wichtiger war der Bezug zu Saab – und ein Skype-Account… Und 3 Stunden später sahen wir uns das erste Mal auf dem Bildschirm, im Anschluß noch 3 Mal – und jedes Mal lang und jedes Mal spannend.

Erinnerunsfoto vom Besuch in Detroit - leider aus einer blöden Perspektive aufgenommen

Erinnerunsfoto vom Besuch in Detroit – leider aus einer blöden Perspektive aufgenommen – aus dem Taxi heraus – und dann hast Du da plötzlich dieses Ding vor der Linse

Unser Gesprächspartner hatte über 20 Jahre bei Saab gearbeitet, in verschiedenen Positionen. Von 1987 bis 2010. Und die Positionen wollte er uns nicht in allen Details benennen – und das aus scheinbar gutem Grund.

„Wenn Du da gearbeitet hast, bist Du schier wahnsinnig geworden, wenn Du mit dem Detroits zu tun hattest – und das hatte ich ständig!

Und die Kommunikation ist ein Alptraum.

Stell Dir das so vor: Mein erster Besuch in Detroit, ich bin gute 20 Stunden unterwegs gewesen und möchte noch ein 2 stündiges Treffen erledigen, verläuft so, dass ich eintreffe, bewaffnet mit meinem Koffer, zig Zeichnungen und Berechnungen, die zeigen, dass die GM Schalter unsere Anforderungen nicht schaffen werden, dazu einen Business Case, den Du in dieser Zusammenarbeit auch dann anfertigen musst, wenn Du aufs Klo gehst. Der Manager, den ich treffen soll, Jerry, erfahre ich, sei nicht da. Und seine Sekretärin wisse auch nicht recht, wo er nun wohl sein mag – worum es denn gehe? Ich erkläre das Thema ausgiebig, sie gibt sich Mühe, es zu verstehen. Sekunden später höre ich aus vornehmer Ferne, wie sie am Telefon erklärt „The guy with the damned swedisch switches, you remember?“
Funny… Und dafür bin ich jetzt hierher geflogen?“


Bis hier her und nicht weiter… Das Stück des Posts, der eigentlich eine Serie geworden wäre, war schon geschrieben. Insgesamt hatten wir 6 spannende Interviews – lange Interviews, in denen wir vergilbte Farbfotos aus Schweden, Bilder von Parties am GM Standort Zurich und ähnliches gesehen haben.

Wer sich also gewundert hat, warum wir in letzter Zeit so wenig gepostet haben – hier ist eine Menge Zeit reingeflossen. Und natürlich konzentriert sich Lars gerade auf seinen Opel-Blog und hat etwas weniger Zeit. Aber am Ende des Tages sind wir alle ausgebildete Journalisten und da hast Du so ein Gen, das im Hinterkopf manchmal was auslöst. Einen kleinen Muskel, den man nur schwer trainieren kann.

Ein Bild der GM Konzernzentrale in Detroit - aus einem Artikel der Auto-Revue

Ein Bild der GM Konzernzentrale in Detroit – aus einem Artikel der Auto-Revue

Da hatte es beispielsweise ein Gespräch mit Peter Hannenberg in Schweden gegeben – der jedoch war nach unserem Kenntnisstand zu der Zeit längst in Australien. Und dann gab es da in den Erzählungen unseres bereitwilligen Insiders immer wieder eine operative Einheit bei GM in Zürich – nur: In der Zeit hat unser Opel-Insider Lars bei exakt dieser Einheit gearbeitet…

Und plötzlich setzen sich da Zweifel fest – und das ist der Moment, wo der Columbo in der erwacht.

Da hast Du beispielsweise dieses Bild, das aus einer alten Photokiste hervor gezerrt wird und aus den Beständen unseres Saab Insiders stammt – ein typisches Bild, das bei einer Firmenparty aufgenommen wurde.

Das "Original"

Das „Original“

Bis zu irgend einem Moment spielt das Bild keine Rolle – es ist ein Bild unter vielen. Scannst Du es aber ein und tweakst die Farben hier und da und hellst es etwas auf, dann findest du in der Rheinischen Post dieses Bild:

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Und Nein – das ist nicht aus einer anderen Perspektive aufgenommen oder so – einfach mal eine Zeit lang hinsehen – wie früher bei diesen Fehlersuchbildern… Bewaffnet mit dem Bild findest Du dann dieses in der „Welt“.

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Hm… Merkst was….? Klar – plötzlich denkst Du Dir auch, dass das vermeintliche Original Schwarz Weiss ist und warum das in der Zeit eigentlich so gewesen sein sollte – aber eben erst, wenn Du ausreichend Verdachtsmomente hast.

Also nimmst Du zum nächsten Interview mal Lars mit – der hat bei GM vom Azubi über Marketing bis zur Unternehmensberatung doch alles gemacht. Und ja – plötzlich sieht die Welt anders aus – und einer Intuition folgend haben wir uns diesmal in einem öffentlichen Cafe getroffen – ein Ort, an dem einem weniger passieren können sollte, falls mal was passieren sollte.

Irgendwann bist Du in einem Alter, in dem du meinst, alles mal gesehen und alles mal erlebt zu haben – hast Du aber nicht. Tatsächlich haben wir Stunden unseres Lebens an jemanden verschwendet, der sich interessant machen wollte. Die Gründe dahinter lassen wir an der Stelle mal offen, weil niemand von uns ausreichende psychologische Kenntnisse besitzt, um das sauber zu beurteilen. Aber wenn die Puzzle-Teile plötzlich erst einmal an der richtigen Stelle sind, dann erkennst Du plötzlich auch Zitate wieder, die Du schon aus Büchern kennst und ähnliches. Und offensichtlich stellt gerade unsere digitalisierte Gesellschaft, bei der alles im Zugriff ist, einen idealen Nährboden für Menschen dar, die sich – wie meine Mutter das ausgedrückt hätte „In den Vordergrund spielen wollen“ – und da kann man scheinbar auch mal komplexere Lügen zusammenzimmern, um am Ende auf eine Blog-Seite „prominent“ zu werden.

Schade -auf gewisse Weise haben wir die Geschichten, die so lebensnah klangen, genossen – da hätte man ein Buch draus machen können – und vielleicht sollte das auch mal jemand tun – besser, als unsere Zeit zu stehlen…



9 Gedanken zu „Einen Termin in Detroit? In 9 Monaten!

  1. Wow – kaum vorstellbar, dass jemand in einem solchen Randbereich diesen Aufwand betreibt, um ein wenig Aufmerksamkeit zu erhalten.
    Schade um eure Recherchearbeit! Ich hoffe, der Frust ist nicht allzu hoch nach solch einer Aktion.

    1. …das hat uns auch mehr als gewundert, ganz im Ernst. Und da steckte schon bizarr viel Mühe drin . schauspielerisch wie im Bereich der Recherche

  2. Die betreffende Person ist nicht zufällig in anderem Zusammenhang unter dem Pseudonym „italeri1947“ bekannt geworden?
    Wer es einmal geschafft hat, so „erfolgreich und berühmt“ zu werden, versucht es bestimmt wieder…

    Rolli_HX

  3. Hans soll ein Hochstapler sein, Rolli? Warst nicht du erst vor Jahren an gleicher Stelle im Internet entlarft worden? Ich glaube, so fast jeder im Netz muss wohl Märchenonkel sein.

  4. Kann gut sein, dass ich dich verwechselt habe. Ich bitte um Entschuldigung.
    Gab da mal einen Rolly-HAM, dann eine Lissy-HAM und noch nen anderen Rolli, die alle der Gleiche waren. Dachte erst, das seist du. Aber wenn du nicht über 60 mit größerem Bauch bist, dann war das jemand anderes.

  5. Peter, Hans war ein riesen Troll! Wir sind alle drauf reingefallen. Seine Täuschungsmethoden waren perfide. Ich glaub nicht, dass er weg ist. Er war wieder da und wird auch wieder kommen. Da sich die Jungs vom Youngtimer-Blog offensichtlich mit dem/einem Betrüger GETROFFEN haben, kann es nicht „Hans“ gewesen sein. Den hat noch niemand gesehen.
    Aber MT interessiert hier ja eher wenig. Ich weiß, dass du echt bist und umgekehrt. Das muss reichen 😀

    Hoffentlich muss der Kerl bis zum Rest seines Lebens Matiz fahren! wäre eine gerechte Strafe.
    Und ich hoffe, ihr lasst euch nicht entmutigen! Weiter machen, Blog schreiben! 🙂

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