In the Line of Dreier: Alfa Romeo Giulia

Alfa Giulia – hat das nicht gleich einen Klang? Dagegen klingt BMW 316 schon ein wenig so wie die Vorfallsnummer beim Stadtsteueramt, oder? Und der Dreier BMW gilt nun wirklich als emotionales Auto – zumal der E21, der damals der Zeitgenosse des großen Alfa Giulia war – der Alfa mit dem Knochenheck.
Alfa Romeo Giulia – das war eine Zeit lang – und zwar eine ziemlich lange – schon ein Synonym für ein sportliches Auto, für die sportliche Limousine in der kompakten Mittelklasse.

In Filmen der 60er und 70er wurde der Alfa Giulia gerne für rasante Szene verwendet - zurecht. Hätte man damals "The Transporter" gedreht - vermutlich mit Belmondo in der Hauptrolle - der Alfa wäre eine Top-Besetzung gewesen

In Filmen der 60er und 70er wurde der Alfa Giulia gerne für rasante Szene verwendet – zurecht. Hätte man damals „The Transporter“ gedreht – vermutlich mit Belmondo in der Hauptrolle – der Alfa wäre eine Top-Besetzung gewesen

Und da muss man sich mal vor Augen führen, dass es so etwas wirklich nicht so recht gab, als Alfa Romeo begann, den Alfa Giulia („die“ Alfa Giulia geht uns nicht recht über die Lippen) zu entwickeln – 1956. Da baute VW den Käfer, dann noch den Käfer und daneben dieses runde Auto, mit sie so erfolgreich waren. Und Alfa kam mit einem vollkommen ernsthaften Wagen, der sportlich daherkam und nicht einfach nur einen dickeren Motor hatte oder so.

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klar kann man sich da streiten – und gefällt’s

Wer heute den Alfa Giulia fährt, merkt immer noch, dass in dem eine ganz besondere Kraft steckt, eine besondere Art des Herangehens an das Fahren als solches. Während Autos gemacht wurden, um von A nach B zu kommen ODER Sportwagen zu sein, brachte einen der Alfa Giulia sportlich von A nach B. Und ganz klar: Alfa war damals eine Premium-Marke, wenn man so wollte. In Italien weit weit mehr, als es etwa BMW zu dieser Zeit in Deutschland war.
Nicht etwa dekadent oder so – eher die Art von leichtem Nachbarschaftsneid. Alfa Fahrer hoben sich hier viel mehr von Fiat-Piloten ab, als es etwa BMW Piloten in den 60er Jahren in Deutschland von Opel-Fahreren taten. Das hatte einfach viel Potential.

Alfa Giulia

Dem ist ja wohl nichts hinzuzufügen, oder?

Und die Motoren des Alfa – auch wenn man sich das heute einfach nicht mehr so traut – ließen sich bis ins Uferlose drehen. Ich hatte das Glück einmal 1990 mit einem 77er Modell. Der Motor war eine Offenbarung und verfügte schon damals über eine eng gestuftes Fünfgang-Getriebe – und hier war nichts mit E-Gang oder so – 5 Gänge zum Durchbeschleunigen – wie in einem Computerspiel.

Die Lenkung war etwas zäh, dennoch war das Handling insgesamt über jeden Zweifel erhaben und ich bewegte den Wagen in Rekordzeit von Miesbach über Wolfratshausen nach Kempfenhausen – schier im Handumdrehen. Ich hatte mit meiner bis dahin kurzen Fahr-Erfahrung noch nie ein Auto gefahren, das so leichtfüßig hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten auf Landstrassen hervorzaubern konnte (Und ich fuhr zu der Zeit fast immer einen Jetta I GLI mit stattlichen 110PS, der sogar graduell leichter war. Aber der Alfa war lange ein Erlebnis, dass ich praktisch noch heute spüren kann. Der Alfa fuhr sich wie ein Sportwagen – und das war neu.

Original und Fälschung...

Original und Fälschung…

Leider muss man in aller Fairness sagen, dass die Verarbeitung zwar nicht die Katastrophe war, als die sie am Stammtisch dargestellt wurde – aber da war schon einiges im Grauen Bereich. Speziell die Verarbeitung des eigentlich schönen Innenraums war leider fahrig und lässig – nichts für Germanen. Die kritisierten auch gerne (ja, zb in Stuttgart) die wahllos verteilten Instrumente – dabei sahen so damals im Grunde echte italienische Sportwagen aus – Maseratis etwa oder auch britische Vertreter wie Jensen, Bristol und ähnliche Hochpreiser. Ich mochte das.

alfa_romeo_giulia_1300_ti-5Und ganz klar: Emozione! Neben dem Alfa war der BMW ein sortiertes Beamtenauto – der E21 noch viel mehr als der Nullzwoer – aber in dieser Zeit setzten sich die picky sortierten Armaturenträger einfach durch (wie etwa im ersten Jetta – Typ: Neue Sachlichkeit)

Und? War Alfa der erste? Da soll noch mal einer behaupten, der Nischen Paul sei ein so kluger Bub gewesen… Ja – in vielerlei Hinsicht macht der Alfa Giulia den 3er BMW zum Kopierer. Er war der erste Wagen dieser Gewichtsklasse, der einen kompakten Sportler abgab, der nicht nur einen dicken Motor hatte (den hatte mancher Rekord auch, ohne, dass man ihn schnell hätte fahren können), sondern sich auch ernsthaft schnell bewegen ließ.

Hammer – bis heute.



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