In the Line of Dreier: Die Genese des Audi 80 zum Premium-Kompakt-Sportler

Der Piechs Ferdl war ein Fuchs. Als er das erste Mal laut die Idee aussprach, dass Audi BMW und Mercedes in einem Atemzug genannt werden würden, da war das nicht direkt so, als hätte er „Hyundai“ gesagt, aber ausgelacht wurde er hier und da dann doch. [Und Chundei kannte in Deutschland damals noch koa Sau ned]

Die plüscherten VWs, die Audi damals baute, wirkten auf die Zielgruppe wohl zurecht nicht ganz auf Augenhöhe mit BMW oder Audi. Der Audi 80 vom Typ82 / B1 war ein Erfolgsmodell – aber in einem gänzlich anderen Segment. Den kauften sich Berufsschullehrer in Inarisilber, weil Ihnen das Schrägheck des Passats gewagt schien und sie eine „ordentliche Limousine“ wollten.

In dem Bild steckt viel im Detail - die Gesichtsbehaarung etwa galt damals durchaus als vorzeigbar ;-)

In dem Bild steckt viel im Detail – die Gesichtsbehaarung etwa galt damals durchaus als vorzeigbar 😉

Oder? Naja… in der Tat gab es da hier und da eine Ausnahme. Hatte der ordinäre Audi 80 55, 75 oder gar mutige doppelvergasergespeiste 85 (!) PS, hatte Audi auch einen Blick auf den anderen Bayerischen Automobilhersteller geworfen, der mit dem 3er BMW Meriten einfuhr.

Der Dreier galt als fahraktiv – und hier kam das Thema Motorisierung ganz groß: Der 3er nämlich startete bei der Motorisierung dort, wo der Audi 80 aufhörte – hier wird einem erst einmal so richtig klar, wo BMW mit diesem Automobil damals stand und warum der 3er zur Legende wurde.

Audi 80

zunächst wurde der Audi eher größer – erst dann begann man sich idiotischer Weise, dem 3er millimetergenau anzunähern – idiotisch zumindest für die Passagiere hinten. Wer Knieraum wollte, musste bald den Audi 100 kaufen. Die Materialien wurden bisserl besser, bisserl weniger wolfburgisch – aber mit dem 3er hielt der noch nicht mit

Und so griff Volkswagen ins Großserienregal. Dicke Motoren gehörten scheinbar irgendwie zu „Premium“ dazu, also gab man dem ersten Audi ein Jahr nach seinem Start einen 100PS Motor, kurze Zeit später denn den 110er, den die Massen aus dem Golf GTI der ersten Generation kennen. Damit brachte es der erste Audi 80 auf satte 181 KM/H.

Und hier passierte nun etwas interessantes: Der Audi hatte praktisch versehentlich eine interessante Position erreicht. Er war im Schnitt 130 Kilo leichter als ein 3er BMW – da waren die 110PS was wert. Wer hier mit dem so fahraktiven 3er BMW mithalten wollte, der musste schon zum 2002er BMW oder später zum 320er greifen – und die waren nicht billig. Mercedes hatte in der Klasse noch nix zu bieten – der 190er erschien erst 1982. Plötzlich stand Audi mit einer Position in diesem Markt, die nicht soooo schlecht war und jetzt lachten sie gar nicht mehr so laut über den Piechs Ferdel.

Puuuhh... das war schon der Hammer. 135PS und Allradantrieb - da bekamen viele Fahrer des 323i plötzlich schwitzige Finger

Puuuhh… das war schon der Hammer. 135PS und Allradantrieb – da bekamen viele Fahrer des 323i plötzlich schwitzige Finger

Der erste Audi 80 hatte trotz aller Fahrwerksmaßnahmen einen so klaren Frontantriebscharakter der frühen Phase. Das Wort „Untersteuern“ wurde für diese Art Autos erfunden – vor allem auf Nässe. Der Wagen lag zwar für damalige Verhältnisse belastbar und bis in hohe Geschwindigkeitsbereiche großartig – aber das Vertrauen in diese Fähigkeit vermittelte er nicht – schon aufgrund massiver Schwankbewegungen der Karosserie.

Ui... das sah noch verdächtig nach Passat aus - war es auch

Ui… das sah noch verdächtig nach Passat aus – war es auch

Der Audi wurde schliesslich massiv facegeliftet, gewann dabei an Format, aber nicht so sehr an Gewicht. Und Audi wagte sich auf dem Weg zur Premium-Image aufs Glatteis des Badge-Engineerings und launchte den Audi 90 – und auf dem Weg dahin auch noch den Audi 80 Quattro. Beide Modelle glänzten mit 5 Zylindern – und mit Leistungen, die sich nun wirklich nicht mehr verstecken mussten. Der Audi 80 Quattro hängte den BMW 323i einfach in jeder erdenklichen Fahrsituationen ab – obwohl er nominell schwächer war. Geschwindigkeiten von prestigeträchtigen 200 KM/H waren nun plötzlich möglich. Der Innenraum des Audi wurde dekorativer, wenn er auch immer noch am Großserienbaukastencharme der Wolfsburger krankte. Das wurde erst mit dem Modell B3 von 1987 besser. Ein Meilenstein für diese Klasse – aber gleichzeitig auch in allen Dimensionen kleiner als sein Vorgänger, der fürstlichen Raum auf der Hinterbank bot, was über den 3er BMW niemand gesagt hätte – im Gegenteil, das galt als eine seiner größten Schwächen.

Gewann zunehmend an Stil: Audi 80

Gewann zunehmend an Stil: Audi 80

Und dennoch näherte sich Audi voll dem passagierfeindlichen Maß an… Mercedes hatte es auch getan und den Baby Benz W201 hinten dieses Stückerl zu klein gemacht. Beide hatten ihre Berechtigung, hatten sich aber auf irrsinnige Weise dem für Mitfahrer schlechteren Standard des BMW Erfolgsmodells E21 / E30 genähert – unter normalen Maßstäben eigentlich nicht zu erklären – aber auch ein klares Indiz dafür, dass Audi hier das tat, was man den Asiaten immer vorwarf: Sie kopierten, was das Zeug hielt.

1991 trat der Audi 90 ab – da galt der Audi 80 selbst schon als Premium genug, musste sich nicht mehr mit der 90 schmücken. Sein Nachfolger A4 war dann auch namentlich in seiner selbst geschaffenen Premium Liga angekommen – und noch kleiner und teilweise millimetergenau dem 3er nachempfunden. Das sieht man nicht so sehr optisch, aber bei den Abmessungen, den Komfortmaßen oder auch zum Teil nahezu identischen Leistungsdaten – das war Manndeckung pur.

Nur der Front- und Allradantrieb unterschied hier vom 3er. Das brachte handfeste Vorteile – gerade in Gegenden wie Ingolstadt und im dortigen Winter. Aber ansonsten muss man sagen: Die Entwicklung des B-Modells von Audi ist eine Verneigung vor dem 3er BMW bis in die Details hinein. Eine Kopie – aber eine sehr gute.



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