Prägende Youngtimer Designer: Giorgetto Giugiaro

Wenn einer Giorgetto Giugiaro ruft, dann will er einen Wagen für die Ewigkeit bauen, eine Ikone – und: Er ruft den Mann fürs Klare – wenn Giorgetto Giugiaro ein Auto designed, dann ist das nicht verspielt. Er ist der Mann, der den Golf I gemacht hat, der Mann, der den Lotus Esprit geschaffen hat, der Mann, der den Maserati Quattroporte erschuf.

WHOW

Golf Typ17

Zurecht stolz: Giorgetto Giugiaro mit dem Golf 1 (selbst die legendären Felgen waren von ihm)

In der Branche sagt man, dass Giorgetto Giugiaro absolut obszöne Mengen Geld verdient haben soll. Der Typ Spezialist, den Du anrufst, wenn Du zu einem exklusiven Zirkel derer gehörst, die seine Nummer haben und dann sagst Du „Giorgetto, wir haben ein Problem“ – dann lacht ihr beide herzlich, Giorgetto Giugiaro nennt eine frei erfundene abartig hohe Summe und Du sagst sie ihm sofort am Telefon ohne weiteres Nachdenken zu.

Beinahe wäre das der Scirocco I gewesen - auch nicht schlecht, aber eben noch vor dem Feinschliff. Hier steckt noch mehr Italiener drin, weniger Germane

Beinahe wäre das der Scirocco I gewesen – auch nicht schlecht, aber eben noch vor dem Feinschliff. Hier steckt noch mehr Italiener drin, weniger Germane

11539266_989812827705661_93964134653350166_oVW war mit der Entwicklung von Golf und Scirocco in der Sackgasse angekommen, hatte ein hässliches Auto alleine auf die Beine gestellt,als sie sich sagten: „Hey – jetzt gibt es noch exakt einen Mann auf diesem Planeten, der uns helfen kann. Und Giorgetto Giugiaro kam, sah, siegte – und zeichnete das mit weitem Abstand erfolgreichste Auto der 70er Jahre – dden Golf Typ 17, der Wagen, der den völlig gestrandeten Volkswagen-Konzern retten sollte.

Giorgetto Giugiaro – der Mann mit dem Plan

Wenn Du Dir ein paar der geilsten Youngtimer anschaust – die Art Youngtimer mit klaren Linien, einer designerischen Aussage und allem, was zu einem Automobilen Statement gehört – dann solltest Du kurz in den Waschzettel schauen und ja – in zig Fällen steht dort dann „Regie: Giorgetto Giugiaro,“ – der Mann mit dem Plan, der Mann mit der goldenen Hand.

Wie kann eine One-Man-Sho oder wie kann Italdesign einen solchen Einfluss haben? Giorgetto Giugiaro stammt aus einer Familie von Künstlern – da finden sich Kirchenmaler, darstellende Künstler, Graveuere – alles, was Dingen Form und Farbe gibt. Giorgetto Giugiaro hingegen wendet sich dem Industriedesign zu – die Mission des 1938 geborenen späteren automobilen Künstlers.

Nein - das ist kein Aston Martin, sondern vielmehr das bestmögliche Gesellenstück, dass der 25 jährige Designer Giorgetto Giugiaro abgeben konnte: Der legendäre Iso Grifo

Nein – das ist kein Aston Martin, sondern vielmehr das bestmögliche Gesellenstück, dass der 25 jährige Designer Giorgetto Giugiaro abgeben konnte: Der legendäre Iso Grifo

Und nicht nur im Bereich des Autobaus hinterlässt er seine Spuren – 1979 schafft er die Nikon F3, die nicht weniger wird, als die Blaupause aller folgenden Kameramodelle – ein Stück Metall gewordene Bedien-Ergonomie, ein Designer- und Sammlerstück, dem viele weiter Top-Seller folgen sollen. Und das mit manischer Schaffenskraft – hier verblassen dann auch legenden wie Bruno Sacco oder Tom Tjaarda, die auch nicht faul waren, aber Sacco hatte überall seine Hände drin. Bereits mit 22 Jahren darf er nahezu frei die Form des Suzuki Carry bestimmen – eine Fingerübung – denn Giorgetto Giugiaro hat die Hand fürs Große, Grandezza, wie sie die Sportwagen brauchen, mit denen die in Cannes, Nizza und Monacco Maßstäbe setzt. Bereits 1962 folgen Simca 100 Coupe und der Alfa Romeo 2600 – ein paar der klarsten und herausstechendsten Automobile ihrer Zeit. Aber das ist erst der halbe Weg. kurze Zeit später soll Giorgetto Giugiaro für Alfa den Giulia Sprint entwickeln – ein Auto, das dem Wort Ausstellungsraum einen völlig neuen Klang vermitteln soll – aber zuvor, mit gerade einmal 25 Jahren, stemmt er den großen Wagen aus dem Nichts: Der Iso Grifo ist ein Wagen, der nur entstehen kann, weil Iso Rivolta den jungen italienischen Industriedesigner einfach mal freie Hand lässt, der Designchef von Bertone geworden ist – mit 24…. Whow!

Na klar - das Originla ist mal ganz entschieden von ihm...

Na klar – das Original ist mal ganz entschieden von ihm…

Und der iso Grifo wird eine legende – ein Wagen, der klar auf die Boulevards zielt, der beeindrucken will, ohne protzig zu sein (das erledigen die Iso Rivolta Manager dann später schon…)

Es folgen weitere legenden wir der BMW M1, der Maserati 3200, der DeLorean, Youngtimer-Legenden wie der Lancia Delta. Aber eben nicht nur die. Giorgetto Giugiaro versteht sich eben auch auf Brot und Butter. Golf 1, Seat Ibiza. Fiat Panda, Uno, Ritmo… Dann sogar den Hyundai Pony, was eigentlich, ähnlich wie die ersten Erfolgsmodelle von Seat zeigt, welche Macht ein gutes Design haben kann, denn der Hyundai Pony brachte den Durchbruch nach ersten erfolglosen internationalen Schritten, war ganz kurz einmal das bestverkaufte Auto der Niederlande und Belgiens. Autos wie der Ford Mustang, die selbst als Siku Auto noch den Neid der Nachbarn erzeugen… wir müssen uns schon ein klein wenig vor der legende des Automobile Designs verbeugen, der so viele unserer lieb gewonnenen Youngtimer geprägt hat.

Bis ins hohe Alter aktiv und attraktiv: Giorgetto Giugiaro, der Mann mit dem Plan

Bis ins hohe Alter aktiv und attraktiv: Giorgetto Giugiaro, der Mann mit dem Plan

Und der ein Mann mit Stolz war: als man ihn bat, die ins Stocken geratene Entwicklung des Renault R14 zu retten, verweigerte er nach 2 Tagen vor Ort seine Dienste. Er war zu der Überzeugung gekommen, dass das Team nicht in der Lage war, den Wagen erfolgreich fertig zu stellen und reiste unbezahlt aber erhobenen Hauptes ab.

Offensichtlich ein Mann mit dem Gespür für die Sache: der Renault R14 floppte – aber er floppte ohne Giorgetto Giugiaro.